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Ostholstein Ab ins Winterlager: Yachten hängen am Kran
Lokales Ostholstein Ab ins Winterlager: Yachten hängen am Kran
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09:12 09.10.2017
Auch diese 12,40 Meter lange Yacht wurde in Heiligenhafen aus dem Wasser gekrant und ins trockene Winterlager gebracht. Quelle: Fotos: Peter Mantik (3)
Heiligenhafen

Holger Much kommt dieser Tage in Heiligenhafen mächtig ins Schwitzen. Der Inhaber der Göttsch-Werft ist seit Tagen auf den Beinen, sogar bei Starkwind und Dauerregen: ob auf dem Trecker mit einem Trailer im Schlepptau, am hydraulischen Kran oder aber mit dem Ölkännchen in der Hand – Much ist der Mann für alle Fälle. Denn die Yachten müssen ins Winterlager.

Hochbetrieb herrscht derzeit in den Yachthäfen und Werften an der Küste Ostholsteins. Die Boote werden gekrant und ins Winterlager gebracht. Viele Dickschiffe kommen in die trockene Halle, andere bleiben unter einer Schutz-Persenning unter freiem Himmel stehen.

Freitagvormittag scheint sogar kurz die Sonne. Die „XC38“ von Andreas und Sonja Klötzing ist als nächstes an der Reihe. Das 12,40 Meter lange sportliche Boot ist ein echter Hingucker. Zunächst wird der Mast gelegt, dann ein Ölwechsel vorgenommen und Frostschutz eingefüllt sowie das WC final gereinigt. Anschließend kommt die Yacht an einen XXL-Schäkel des Krans. Die „XC38“ wird aus dem Wasser gehoben, beginnt zu schweben. Sanft auf den Trailer gesetzt, wird auch gleich mit einem Wasserstrahler noch der Rumpf gesäubert. Dann kann es in die Halle gehen. Ein Vorgang, der ein paar Stunden in Anspruch nimmt.

Karlo Schmütsch, der 1. Vorsitzende der Segler-Vereinigung Heiligenhafen, schaut vorbei. Er bestätigt, dass der Besitz eines Dickschiffes eine aufwendige Angelegenheit sein kann. Und eine kostspielige obendrein. Winterlager, Sommerliegeplatz, Vereinsmitgliedschaft, Versicherung, Wartung des Motors, jährliche Rumpfpflege mit Antifouling, dazu die Instandhaltung des Riggs, auch das Kranen ist nicht umsonst – da kommen schnell pro Jahr 3000 bis 5000 Euro zusammen.

„Einige lassen ihre Yachten auch über Winter unter freiem Himmel an Land, um Kosten zu sparen“, erläutert Schmütsch. Er selbst besitzt zwei Boote, nur eines steht in der Halle. Um die Liegeplatzgebühr über einen längeren Zeitraum niedrig zu halten, kann man beim SVH ein lebenslanges Liegerecht – es ist sogar vererbbar – kaufen. Einmalige Gebühr: 6800 Euro. Eine jährliche Nutzungsgebühr für Wasser und Strom kommt dazu. Andreas und Sonja Klötzing hatten sich ehemals dafür entschieden. „Über viele Jahre rechnet sich das“, sagt Sonja Klötzing.

Klötzings wie auch Schmütsch sind sich rückblickend auf die gerade beendete Saison einig, sagen unisono: „Das Wetter war grenzwertig. Zu viel Regen, zu viel Sturm, zu wenig Sonne.“ Mit dem Kranen ihrer Boote setzen sie einen Strich unter diesen Regen-Sommer. In der Hoffnung auf bessere Jahre. Im April beginnt das Prozedere erneut – nur in die umgekehrte Richtung: aus der Halle in die Ostsee.

Auch da wird Holger Much mit seinem Team wieder anpacken müssen.

Von Peter Mantik

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