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Ostholstein Abgebranntes Wahrzeichen soll gerettet werden
Lokales Ostholstein Abgebranntes Wahrzeichen soll gerettet werden
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14:51 01.07.2018
Die Mühle als solche ist nicht mehr erkennbar. Nur das Mauerwerk ist noch ganz gut erhalten. Quelle: Fotos: Rosenkötter (3)
Neustadt

Autos rauschen vorbei. Vom angrenzenden Golfplatz sind die Abschläge der Sportler zu hören. Vögel zwitschern. Wer sich den Weg durch Büsche und Sträucher gebahnt hat, entdeckt eines der geschichtlich interessantesten Bauwerke im Kreis Ostholstein. Genauer gesagt, das was davon übrig ist.

Sie ist das Wahrzeichen der Gemeinde Schashagen und liegt seit mehr als zwölf Jahren in Trümmern. Die Brodauer Mühle unweit der B 501 zwischen Neustadt und Grömitz wurde bereits 1864 erbaut. Vor der Katastrophe im Jahr 2005 befand sich zuletzt eine Gastwirtschaft in dem Gebäude.

Die Brodauer Mühle war das Werk des Neustädters Carl Friedrich Trahn, einer der bedeutendsten Mühlenbauer Norddeutschlands. Die roten Backsteine vom Unterbau seines Galerieholländers, so die Typenbezeichnung, sind noch heute gut erkennbar. Das Reetdach hingegen ist völlig zerstört. Kein Wunder, auf diesem soll das Feuer am 18. November 2005 ausgebrochen sein. Schnell wurden damals Mutmaßungen laut, es handele sich um Brandstiftung – die Ursache wurde jedoch nie ermittelt.

Große Pläne, aber kein Geld

Fakt ist, dass das lange unter Denkmalschutz stehende Bauwerk bis 1960 als Getreidemühle genutzt wurde. Unklar bleibt hingegen die Zukunft der Mühle. Viele Anläufe, einen Investor zu finden, scheiterten. Zuletzt keimte 2012 Hoffnung auf. Ein Hamburger Geschäftsmann zeigte Interesse, kündigte gegenüber den LN an: „Wir wollen am liebsten schon im kommenden Jahr eröffnen und die Saison mitnehmen.“ Sein Plan, ein Restaurant sowie eine Bar mit Lounge und einen Seminarraum zu bauen, wurde nie umgesetzt. Im Juni 2013 sagte Burkhard Busch, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Ostholstein-Mitte, das Vorhaben sei „wohl an der Bonität gescheitert“.

Im selben Jahr lief auch eine Bauvoranfrage aus. Diese hatte die Gemeinde nach dem Feuer mehrfach bei der Baubehörde des Kreises Ostholstein gestellt und genehmigt bekommen. Nils Hollerbach, Fachbereichsleiter Planung, Bau und Umwelt, spricht von einem großen Zeitfenster, welches nicht genutzt worden sei. Die Bedingungen, die Mühle aufzubauen, hätten sich somit grundlegend geändert.

„Wenn man heute bauen wollen würde, bräuchte man einen Bebauungsplan“, betont Hollerbach. Diesen zu bekommen, wäre schwer, da es sich um eine „privilegierte Lage“ handele. Jedoch sei es möglich, die hohen Hürden in Abstimmung mit dem Land zu überbrücken.

Bürger und Firmen wollen Aufbau unterstützen

Die rechtlichen Schwierigkeiten sind Rainer Holtz (CDU) nur allzu gut bekannt. Der Bürgermeister der Gemeinde Schashagen beschäftigt sich seit Jahren mit der Thematik und er verbreitet Hoffnung.

Viele Bürger und ortsansässige Firmen würden sich an einem Neuaufbau beteiligen wollen. „Wenn wir das Grundstück zu einem vernünftigen Preis erwerben könnten, würden wir das machen“, sagt Holtz. Der Bürgermeister betont, mit dem Nachlassverwalter des 2016 verstorbenen Besitzers „im ständigen Kontakt“ zu sein. Es bleibe abzuwarten, was die Erben mit der Ruine machen wollen. Die Chance sei vorhanden, dass das Wahrzeichen, das auch das Gemeindewappen ziert, irgendwann wieder sichtbar sein wird.

Von Sebastian Rosenkötter

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