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Ostholstein Ärger über Baggerarbeiten in der Ostsee
Lokales Ostholstein Ärger über Baggerarbeiten in der Ostsee
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22:55 23.01.2017
Verboten: Bagger in Heiligenhafen greift in die Ostsee. Quelle: Foto: Hfr
Heiligenhafen

Pressesprecherin Carina Leonhardt teilt mit: „Der Kreis ist weder von den HVB noch von der Stadt Heiligenhafen über die nunmehr durchgeführten Sandaufschiebungen informiert worden.“ Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) erteilte für die weiteren Bodenarbeiten Vorgaben. Eine Sandentnahme aus dem Flachwasserbereich wurde ausdrücklich untersagt. Das durchführende Unternehmen sei entsprechend ermahnt worden. Joachim Gabriel, Geschäftsführer der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB), erklärt: „Der Auftrag an das Unternehmen lautete Sand schieben, aber auf dem Trockenen, nicht im Wasser.“

Verboten: Bagger in Heiligenhafen greift in die Ostsee.

Der Verstoß sei laut Gabriel inakzeptabel. „Wir sind ja keine Anfänger, wissen natürlich, dass das nicht geht.“

Die Baggertätigkeit hat noch eine weitere Folge. Niclas Boldt, ein ortskundiger Segler, der insbesondere das Testbuhnenfeld und dessen Entwicklung kritisch begleitet, merkt an, dass die Baggerarbeiten im Testbuhnenfeld den Charakter eines solchen verfälschen würden. Thomas Langmaack vom Landesbetrieb Küstenschutz (LKN) sagt: „Angesichts der Sturmflut akzeptiere ich das Eingreifen.“

Es gebe nach Sturmfluten seit 2010 eine Ausnahmeregelung. Allerdings müsse für die Bewertung des Testbuhnenfeldes in der Tat eine Bestandsaufnahme wiederholt werden. Langmaack spricht von einer Nullmessung als Grundlage für das bereits begonnene Monitoring. Dieses werde nun neu gestartet werden müssen. Langmaack führt weiter aus: „Das Testbuhnenfeld muss langfristig sich selbst überlassen werden, wenn wir es bewerten wollen.“ Langmaack hat nur einen kleinen Kritikpunkt, den er in Richtung HVB äußert: „Vielleicht hätte man mit den Reparaturarbeiten warten sollen, bis die Sturmsaison vorbei ist, denn der nächste Sturm könnte den Sand ja wieder in die See spülen.“ Grundsätzlich seien Sofortmaßnahmen nach Sturmfluten aber nicht unüblich. Mit der Einschränkung, dass diese nicht im Wasser erlaubt seien. Hier aber sei ja der Naturschutz aktiv geworden.

Kritik bekommen die HVB auch von Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) zu hören. Der Sturmschaden in Heiligenhafen ist groß. 3,5 Millionen Euro beträgt dieser nach Auffassung des Ingenieurbüros Wald & Kunath. Müller möchte wie seine Kollegen in den Nachbarkommunen erwirken, dass sich das Land an den Folgekosten beteiligt. Ein Ärgernis in diesem Anliegen sei, dass die HVB als 100-prozentige Tochtergesellschaft am Steinwarder-Hauptbadestrand an der Stadt vorbei mit Baggerarbeiten das Erscheinungsbild massiv verändert hätten. Ein Schnellschuss, wie Müller sagt. Er könne nun nicht mehr den wahren Schaden dokumentieren: „So gut sah der Strand noch nie aus. Doch am Tag nach der Sturmflut war es grausam. Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen.“

Joachim Gabriel begründet seine Sichtweise wie folgt: „Wir mussten den Sand retten, der zu retten war.“ Mit Blick nach vorn lautet sein Wunsch: „Wir sollten jetzt aus dem Katastrophenmodus rauskommen.“

 Peter Mantik

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