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Ostholstein Afrikanische Schweinepest: Experten warnen vor Risiken
Lokales Ostholstein Afrikanische Schweinepest: Experten warnen vor Risiken
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21:37 15.12.2017
Gerade bei Wildschweinen lässt sich die Krankheit kaum eindämmen. Die Folgen würden Jäger und auch Landwirte treffen. Quelle: dpa
Oldenburg

Die dortige Kreisjägerschaft hatte zusammen mit Ostholsteins Kreisjägermeistern in den Schützenhof eingeladen, um zu dem Thema zu informieren, das Jäger und Landwirte gleichermaßen umtreibt.

Experten warnen vor den Folgen der Afrikanischen Schweinepest. Die Frage sei nicht ob, sondern wann hierzulande die ersten Tiere erkrankten, sagte Dr. Onno Burfeind, Fachbereichsleiter Schweinehaltung bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, jetzt in Oldenburg.

Mittlerweile sei der Virus bis in die Region Warschau vorgedrungen, berichtete Jägerschafts-Vorsitzender Carsten Höper, und damit „praktisch vor den Toren unseres Landes“ angekommen.

Onno Burfeind und Kreis-Veterinär Dr. Wolf Vogelreuter skizzierten die Auswirkungen für Schweinehalter und Jäger, sollte sich die Seuche in Deutschland ausbreiten. Sollte die Krankheit in einem Betrieb nachgewiesen werden, müsste nicht nur dessen gesamter Schweinebestand getötet werden, erläuterte Vogelreuter. Auch alle Betriebe, die in irgendeiner Weise mit dem Betroffenen in Kontakt gestanden hätten, stünden unter Beobachtung.

Es werde ein sogenannter Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet mit einem Radius von mindestens zehn Kilometern rund um den vermeintlichen Ausbruchsherd eingerichtet, erläuterte der Kreis-Veterinär. In beiden Zonen gälten diverse Einschränkungen, etwa ein absolutes „Bewegungsverbot“ für Schweine, sprich, keine Tiere dürften mehr die Höfe verlassen oder hinzukommen. Frühestens nach anderthalb Monaten würden die Restriktionen wieder aufgehoben, sofern kein weiterer Fall von Afrikanischer Schweinepest nachgewiesen werde.

Sollte ein Wildschwein mit dem Virus entdeckt werden, seien die Folgen sogar noch umfangreicher: Ein „gefährdeter Bezirk“ mit einer Kernzone (etwa 15 Kilometer Radius) und einem „Puffer“ drumherum werde eingerichtet; insgesamt gehe es um einen Bereich von rund 2700 Quadratkilometern, so Vogelreuter. Erlegte Wildschweine dürften fortan nicht mehr über die Grenzen des Gebietes hinaus gebracht werden und auch der Transport von Schlachtschweinen werde erheblich erschwert. Ein „gefährdeter Bezirk“ werde mindestens sechs Monate lang aufrecht erhalten, erklärte Vogelreuter.

Besonders für Landwirte seien die negativen Folgen massiv, bestätigte Onno Burfeind. Es müsse sogar mit einem sofortigen Exportstop von Schweinen aus ganz Deutschland gerechnet werden, wenn die Seuche die Bundesgrenze überquere. Bisher gebe es lediglich mit Kanada ein Abkommen, dass in einem solchen Fall den Handel mit Fleisch aus nicht betroffenen Regionen weiterhin zulassen würde. Hinzu komme, dass ein öffentlicher Tierseuchenfonds lediglich betroffene Betriebe entschädige – nicht aber solche, die keine kranken Tiere hätten und dennoch unter den Auflagen litten.

Kreisjägerschafts-Vorsitzender Carsten Höper rief seine Kollegen dazu auf, die Landwirte zu unterstützen und Schwarzwild weiterhin intensiv zu bejagen. Auch Veterinär Vogelreuter appellierte an die Anwesenden, zusammenzuarbeiten und schon jetzt Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Er mahnte nicht nur, Wildschweinfleisch keinesfalls in Kontakt mit Hausschweinen zu bringen, sondern warnte besonders auch vor Schwarzwildjagden in gefährdeten Bereichen in Osteuropa. „Wir wollen keine Angst schüren“, betonte er, „aber das muss wirklich nicht sein und ist ein unnötiges Risiko, Krankheitserreger mit nach Hause zu bringen.“

 Von Jennifer Binder

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