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Ostholstein Ahrensbök erlegt sich Pflicht zum eisernen Sparen auf
Lokales Ostholstein Ahrensbök erlegt sich Pflicht zum eisernen Sparen auf
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21:23 15.12.2017
Das Ahrensböker Rathaus wird möglicherweise unter Denkmalschutz gestellt. FOTO*: TONIO KELLER
Ahrensbök

Das Ziel ist klar: ein dauerhaft ausgeglichener Verwaltungshaushalt. Das ist der Teil der kommunalen Finanzen, bei dem es um den laufenden Betrieb geht. Mit dem Grundsatzbeschluss ist eine Selbstverpflichtung verbunden. Bis 31. August 2018 soll ein Haushaltskonsolidierungskonzept erarbeitet worden sein. Stets soll der Kontakt zur Kommunalaufsicht und zum Gemeinde- und Rechnungsprüfungsamt gehalten werden, um deren Vorschläge und Anregungen einzubeziehen.

Die Ahrensböker Kommunalpolitik krempelt die Ärmel auf. Sie will sparen, sparen, sparen. Nicht mal hier, mal da, sondern mit Köpfchen. Die Gemeindevertretung fasste am Donnerstagabend einstimmig den Grundsatzbeschluss, die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben.

Ein weiterer Satz ist ebenfalls eingefügt. Bei den Beratungen wollen die Kommunalpolitiker „stets in die Zukunft schauen und die Vergangenheit vernachlässigen“. Das scheint offenbar bitter nötig zu sein. Es war eine Sitzung der verschränkten Arme, der durch Körpersprache ausgedrückten Ablehnung. Sie galt einem Gemeindevertreter, Carsten Wulf von der FWG. Der hob gleich zu Beginn der Debatte an und schaute – in die Vergangenheit. „Wer sich die Vergangenheit nicht angucken will, kann nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernen“, sagte Wulf. Was er noch sagte, erzürnte den einen oder anderen Vertreter anderer Parteien und auch Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos), der sich – zu Recht – unsachlich angegriffen sah. In einem Punkt aber hat Wulf Recht, wie auch Zimmermann zugestand. „Die Kommunalaufsicht hat schon mehrfach und jetzt ganz energisch den Zeigefinger in die Wunde gelegt.“

Dass etwas passieren muss, daraus machten auch die anderen Fraktionen keinen Hehl. „Wenn wir nicht in die Hufe kommen, werden wir irgendwann Fehlbedarfsgemeinde“, mahnte CDU-Fraktionschef Klaus-Dieter Gruber. „Dann wird man uns von oben vorgeben, wie unsere Steuern auszusehen haben. Das hätte dramatische Auswirkungen, das wollen wir nicht.“ In einem solchen Fall müssten freiwillige Leistungen gestrichen werden, etwa die Sportförderung.

SPD-Fraktionschef Burkhard Jürß begrüßte die „Selbstfindung“, der sich Gemeindevertretung und Verwaltung in diesem Prozess stellen, und wies darauf hin, dass es nicht nur ums Sparen, sondern auch darum geht, die Einnahmen zu erhöhen. Das aber solle nicht nur über Steuererhöhungen gehen, sondern auch, in dem um Zuzug nach Ahrensbök geworben werde. In diesem Zusammenhang wies Jürß darauf hin, dass Ahrensbök eine von nur noch vier Kommunen in Schleswig-Holstein ist, die sich mit weniger als 10000 Einwohnern eine eigene hauptamtliche Verwaltung leisten. Ahrensbök hat zurzeit 8600 Einwohner.

Zimmermann versteht das Erarbeiten eines Konsolidierungskonzeptes als gemeinsame Aufgabe von Kommunalpolitik und Gemeindeverwaltung. Am Beginn der Beratung hatte er klargestellt, dass die Schuld am finanziellen Desaster nicht in der Gemeinde zu suchen sei. „Hier wurde nicht in Saus und Braus gelebt.“ Vielmehr gehe es um ein strukturelles Defizit, das von der schwierigen Lage der Gemeinden im ländlichen Raum verursacht wird und dafür sorge, dass der Haushalt nicht ausgeglichen werden könne. Dem Bürgermeister ist auch bewusst, dass das Sparen nicht überall Begeisterung hervorrufen wird.

„Keiner, bei dem gespart wird, wird Hurra schreien.“ Aber es gehe ums Gemeinwohl.

Zu Beginn der Sitzung war es um das Rathaus gegangen. Zimmermann teilte mit, dass das Gebäude möglicherweise unter Denkmalschutz gestellt werde.

Hohe Schulden

8,647 Millionen Euro Schulden hat die Gemeinde Ahrensbök laut Haushaltsplan 2017. Damit liegt die Pro-Kopf-Verschuldung in der Gemeinde bei rund 1000 Euro.

Das aktuelle Defizit in der Haushaltsplanung 2018 beträgt (Stichtag gestern) 483300 Euro.

Das Gesamtvolumen des Haushaltes 2018 umfasst Einnahmen in Höhe von 14,414 Millionen Euro und Ausgaben in Höhe von 14,897 Millionen Euro.

Susanne Peyronnet

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