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Ostholstein Ahrensbök will mit Windkraft heizen
Lokales Ostholstein Ahrensbök will mit Windkraft heizen
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10:38 10.07.2016
Mit dieser vereinfachten Grafik stellt der Zweckverband Ostholstein die mögliche Wärmeversorgung über Windenergie dar.

„Die Idee ist einfach – und fast schon genial.“ Andreas Zimmermann, Bürgermeister von Ahrensbök, macht aus seiner Begeisterung für eine neue Idee des Zweckverbandes Ostholstein (ZVO) keinen Hehl. Der ZVO will in der Gemeinde ein Pilotprojekt zur Wärmeversorgung starten und Ahrensbök damit bundesweit zum Vorreiter machen. „Dezentrale Energieversorgung des Wärmenetzes über eine Windkraftanlage“ lautet das Stichwort, und gestern wurde die entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen Gemeinde und ZVO unterzeichnet.

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Der Zweckverband Ostholstein plant bundesweites Pilotprojekt: die Energieversorgung des Wärmenetzes über eine Windkraftanlage / Ahrensböks Bürgermeister hofft auf Einsparungen und weitere positive Effekte.

Weitere Möglichkeiten

Laut ZVO könnte die geplante Windkraftanlage von Ahrensbök auch für weitere Zwecke genutzt werden, zum Beispiel für:

die Speisung von Wärmepumpen bei Niedrigtemperatur-Wärmenetzen,

den Anschluss einer „Power-to-Gas“-Anlage (Umwandlung von Strom zu Synthese-Gas),

den Anschluss einer Wasserstoff-Tankstelle,

den Anschluss einer Elektrofahrzeug-Tankstelle oder

lokale Stromlieferung (konzessionsabhängig).

Grundsätzlich funktioniere der Plan so, erklärt Reimar von Wachholtz von der Stabsstelle Projektmanagement bei der ZVO Energie GmbH: Auf dem Gemeindegebiet werde eine 150 Meter hohe Windkraftanlage gebaut, die jährlich etwa sieben Gigawattstunden Strom produziere. Eingespeist werde diese Energie in einen Heißwassererzeuger, an den sich ein gewaltiger Wärmespeicher (eine Art Riesen-Wasserbecken mit Deckel) anschließe. Würde dieser Speicher beispielsweise nahe der Arnesbokenhalle stehen, müssten von dort um die 1600 Meter Leitungen zu den gemeindlichen Liegenschaften gelegt werden – und diese könnten dann günstig sowie CO2-frei geheizt werden.

Garantie eines Festpreises über 30 Jahre

Derzeit sind es zwölf Liegenschaften, vom Rathaus über die Schule, Kindergärten und Sportstätten bis zum Bürgerhaus. Ihr aktueller Bedarf liege bei etwa 2,2 Gigawattstunden pro Jahr, sagt der Bürgermeister. „Mit der Windenergie wären wir unabhängig von der Preisentwicklung auf dem Gas- und dem Ölmarkt“, so Zimmermann, „wo die Preise in den nächsten Jahren mit Sicherheit nach oben gehen werden.“

Der ZVO werde einen Festpreis für 30 Jahre garantieren, erklärt Rüdiger Lange-Jost, Geschäftsführer der ZVO Energie GmbH, der sich an den derzeitigen Kosten orientiere. „Auf lange Sicht bietet das enorme Einsparmöglichkeiten“, ist sich Zimmermann sicher.

Ahrensbök wäre bundesweit die erste Gemeinde mit diesem Konzept zur Wärmeversorgung, sagt von Wachholtz: „Ich kenne solche Anlagen bisher nur aus Dänemark.“ Die Investitionskosten für die Anlage, insgesamt etwa 5,5 Millionen Euro, übernehme der ZVO (der mit den Leitungen auch gleich Glasfaser für schnelles Internet in die Erde bringen würde). „Wir werden weder ein Minus machen noch ein unternehmerisches Risiko eingehen“, betont Zimmermann.

Mit der überschüssigen Energie könnten zudem Privathaushalte oder Gewerbebetriebe versorgt werden, wenn diese über Stichstränge ebenfalls an das Netz angeschlossen werden. „Je nachdem, wo der Hauptstrang verläuft, kann auch über einen Anschluss der Dorfschaften nachgedacht werden“, so Zimmermann weiter. Gerade für Privathaushalte biete die Nutzung dieser regenerativen Energie Vorteile, meint Lange-Jost: „Damit bekommt man beispielsweise sofort einen um Klassen besseren Energieausweis fürs Haus.“

Konzept soll bis Ende

des Jahres vorliegen

Der ZVO habe das Konzept bereits beim Energiewende-Ministerium des Landes vorgestellt, berichtet von Wachholtz: „Ich rechne mit großen Rückenwind von dort.“ Für die Windkraftanlage kämen etwa fünf Standorte in Frage. „Die Akzeptanz wird hoch sein“, glaubt Zimmermann, „weil diese Anlage ja direkt der Gemeinde und den Bürgern zugute kommt.“ Abzuwarten seien die neuen Regionalpläne für die Windkraft, die jetzt aufgestellt werden sollen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Windkraftanlage auf Ahrensböker Gemeindegebiet gebaut werden kann, ist groß“, sagt von Wachholtz.

Bis Ende dieses Jahres will der ZVO das Konzept zur Wirtschaftlichkeit und zur technischen Umsetzung vorlegen. Dann würden der Bau der Windkraftanlage, des Speichers und des Leitungsnetzes folgen.

Was den Startschuss für die neue Wärmeversorgung angeht, wollen sich die Verantwortlichen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen – frühestens 2018 könne alles fertig sein, schätzen sie.

Wir suchen seit Jahren eine Lösung für unser Wärmenetz“, zeigt sich Zimmermann erleichtert: „In 20 Jahren werden wir froh sein, wenn wir diesen Schritt gegangen sind.“ Auch von Wachholtz ist optimistisch: „Wir werden mit diesem Innovationsprojekt den Fokus auf Ahrensbök lenken.“ Am Donnerstag, 14. Juli, findet ein Arbeitsgespräch zum Thema statt. Es beginnt um 18 Uhr im Rathaus, Zuhörer sind herzlich eingeladen.

 Sabine Latzel

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