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Ostholstein Ahrensböker Bastelgruppe löst sich auf und verteilt Spenden
Lokales Ostholstein Ahrensböker Bastelgruppe löst sich auf und verteilt Spenden
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21:21 27.06.2013
Von Christina Düvell-Veen
700 Euro überreichte Uta Radtke (r.) an das Vorstandsmitglied Sonja Kuchel vom Verein Sommeraufbruch, und die bedankte sich — auch im Namen von Robin Schildknecht — mit einem Sonnenblumen-Gruß. Quelle: Foto: Christina Düvell-Veen
Gnissau

Wehmütig denkt Uta Radtke an den 17. November 1992 zurück. Damals hatten die acht Damen aus der Bastelgruppe der evangelischen Kirchengemeinde Ahrensbök im Kindergarten ihren ersten Basar. Sie verkauften alles das, was sie in den Monaten zuvor in Handarbeit geschaffen hatten. Am Ende des Tages zählten die fleißigen Frauen 2000 Mark in ihrer Kasse.

Angespornt durch diesen großartigen Erfolg häkelten, strickten, stickten und bastelten die Frauen immer mehr. Im Laufe der Jahre nahmen sie über 7000 Euro ein. Dieses Geld kam gemeinnützigen Zwecken zugute.

Da Uta Radtke mittlerweile die einzig aktive Bastlerin ist, hat sie sich entschlossen, die Gruppe aufzulösen und das restliche Geld zu spenden. Ihr Weg führte wieder einmal nach Gnissau zu der Familie von Robin Schildknecht. Dort traf sie auch die Kinderkrankenschwester Sonja Kuchel (35), Vorstandsmitglied im Verein Sommeraufbruch. Uta Radtke übergab ihr 700 Euro und freute sich ihrerseits über einen Sonnenblumen-Gruß.

Robin Schildknecht gehört zu denen, die der Verein unterstützt. Der 17-Jährige erkrankte in seinem zweiten Lebensjahr an der stets fortscheitenden Erbkrankheit Muskeldystrophie, sitzt seit seinem zwölften Lebensjahr im Rollstuhl und ist auf tägliche Pflege seiner Eltern Birgit (42) und Stefan (49) Schildknecht angewiesen.

Gerade erst hat Robin seinen Hauptschulabschluss an der Schule für Körperbehinderte in Lübeck-Kücknitz geschafft. Demnächst wird er in ein Internat in Kiel-Raisdorf ziehen und dort, im Therapiezentrum Schwentinental, an seinem Realschulabschluss arbeiten.

Ehe es aber soweit ist, macht er Urlaub. Gemeinsam mit 14 anderen Jugendlichen fährt Robin demnächst für zwei Wochen nach Rheinsberg in Brandenburg. Mit dabei sind 15 Betreuer, eine Krankenschwester, eine Köchin und die Projektleiterin. Weit weg von Rheinsberg aber sind die Eltern. Denn das ist das Ziel des Vereins Sommeraufbruch (siehe Info-Kasten). Das, was einmal als Abschlussprojekt einer Pädagogin begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einem über 50 Mitglieder starken Verein ausgeweitet.

Wie wichtig Spenden sind, zeigt schon die Tatsache, dass für Robins Reisegruppe etwa 30 000 Euro Kosten veranschlagt werden. Davon bezahlt werden Unterkunft, Busse und Verpflegung, rechnete Sonja Kuchel vor. Für Robin wird dies die vierte Fahrt sein. Er war schon mal in Rheinsberg, aber auch auf Usedom und in Dänemark. „Wir versuchen immer, die Wünsche, die da sind, zu realisieren“, erklärte Sonja Kuchel. In diesem Jahr plant die Gruppe auch einen Besuch im Reichstag und eine Schwarzlicht-Party Robins Eltern werden in der Zeit mit seinem Bruder Malte (14) für eine Woche in die Türkei fliegen. „Bei seinem ersten Urlaub war es für uns alle ganz ungewohnt, dass wir uns trennen mussten“, erinnert sich die Mutter. Inzwischen aber hätten sich alle daran gewöhnt.

Da Robin in Dänemark in der dortigen EL-Hockey-Division, in der spezielle Rollstühle genutzt werden, spielt und immer sonnabends ins dänische Apenrade zum Training gefahren wird, ist ihm an langen Urlaubsreisen überhaupt nichts gelegen. Eine Ausnahme gibt es: „Ich würde gerne mal nach Paris fahren und mir den Eiffelturm anschauen.“

Uta Radtke sah, dass die 700 Euro beim Verein Sommeraufbruch sehr gut angelegt sind und verriet: „Es ist noch mehr Geld übrig. Wir werden es dem Mittagstisch der Ahrensböker Schule und der Krabbelgruppe spenden.“

Sitz in Schwabstedt
Der gemeinnützige Verein Sommeraufbruch hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen mit einer neuromuskulären Erkrankung einmal im Jahr einen elternunabhängigen Urlaub zu ermöglichen. Seine Geschäftsstelle hat ihren Sitz in 25876 Schwabstedt, Am Bahndamm 6. Telefonisch erreichbar ist sie unter 048 84/352 und per E-Mail unter info@sommeraufbruch.de .

Christina Düvell-Veen

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