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Ostholstein Bei Plastiktischdecken immer am Ball
Lokales Ostholstein Bei Plastiktischdecken immer am Ball
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14:56 04.11.2018
Dieter Langbehn aus Ahrensbök sammelt Jacquardpullover und Plastiktischdecken. Dieses Modell kam zur Fußball-WM 2006 heraus. Quelle: Peyronnet
Ahrensbök

Dieser Mann hat ein Faible für große Muster. Dieter Langbehn aus Ahrensbök, bekannt als der Mann mit den Jacquard-Pullovern, hat noch eine zweite Sammelleidenschaft. Zu seinen 450 buntgemusterten Pullovern kommen noch an die 100 Plastiktischdecken hinzu. Die Decken, praktisch, spießig, farbenfroh, haben es dem 69-Jährigen von Kindesbeinen an angetan.

In den Ferien bei Tante Else in Zarnekau entdeckte der Bub Dieter die ersten Plastiktischdecken. Selbst dort waren sie damals schon ausrangiert. Es waren zwei vom Typ falsche Spitze. Durchsichtig mit weißem Muster drauf. „Das ist eine Glasdecke“, dachte der kleine Dieter, erinnert sich der große Dieter. Er habe mit den Decken gekuschelt.

Damals, berichtet er und beweist damit seine Kennerschaft für die abwaschbaren Tischdecken, waren die noch „aus schönem guten PVC-Material“. Solche Decken aus dem Jahr 1984 kramt er hervor und demonstriert, wie geschmeidig sie sind. Da das Material aber angeblich etwas Gesundheitsschädliches aussondere, werde kein PVC mehr verwendet. „Die neuen Tischdecken sind sehr hart und werden schnell brüchig und rissig“, sagt Langbehn. Dafür bescheren sie ihm ungeahnte Muster. Sogar von der Rolle. Auf der aufgewickelt sind Fußbälle auf knallgelbem Hintergrund. Diese Tisch-Plastikfolie ist zu WM 2006 herausgekommen, gekauft hat sie Langbehn beim Ahrensböker Geschäft „Wohnideen von Steen“.

Wurzeln in der Kindheit

Seine Leidenschaft, das betont er immer wieder, rührt her aus frühester Kindheit, nicht nur wegen der Ferien bei Tante Else. In den 50er Jahren sei es modern geworden, vor allem in Eiscafés, die Tische mit Plastik zu bedecken. Zum Beweis zeigt er ein Foto aus einem der ab 1955 in Ostholstein gedrehten Immenhof-Filme, in dem die Hauptfiguren in einem Eutiner Eiscafé sitzen. Auf dem Tisch eine „Glasdecke“, eine durchsichtige Plastikdecke mit Spitzenmotiv. „Und früher gab es Kaffeegärten, die hatten alle weiße Plastiktischdecken mit Muster“, berichtet er Sammler.

So welche liegen gerade auf den Tischen in Langbehns Wohnung. Ab und zu tauscht er sie aus, damit alle seine Schätze mal ans Tageslicht kommen. Auf dem Tisch (und der Decke) liegen Bücher, Notizen, Ordner, Kataloge und Zeitschriften. Etwa „Die moderne Hausfrau“. „Ich habe gelernt, ein guter Hausmann zu sein. Schon als kleines Kind wurde ich angehalten, die Holztreppe zu fegen“, sagt der Mann, der sich nicht nur als Sammler einen Namen gemacht hat. Er ist auch passionierter Bergwanderer, hat bereits 36 der 4000er-Gipfel gemeistert.

Vortrag über Alpin-Reise

Der Super-Sommer sorgte für Berg-Freak Dieter Langbehn für eine seiner Meinung nach besonders schöne Alpin-Tour. In diesem Jahr ging es bis nach Ventimiglia an der Riviera, wo Langbehn die mediterranen Alpen kennenlernte. Über diese Tour berichtet er mit einem Dia-Vortrag am Montag, 12. November, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus in Ahrensbök, Mösberg 3. Der Eintritt kostet vier Euro.

Dort, in den Bergen, gebe es die Plastiktischdecken heute noch, und auch seine Jacquard-Pullover seien da gerade richtig, schwärmt Langbehn. „Das ist seit 1987 eine Evergreen-Mode und passt gut in die Berge“, sagt er und der Zuhörer weiß gerade nicht, ob er die Pullover oder die Tischdecken meint. Beides kauft er, bestellt es aus Katalogen, die zuhauf in seiner Wohnung herumliegen. Pullover findet er auch auf Flohmärkten, Plastiktischdecken eher nicht. „Von 1984 oder so haben die Leute nichts mehr.“

Ein musterhafter Mann

Dass beides – buntgemusterte Jacquard-Pullover und meist großblumig bedruckte Plastiktischdecken, für einen Mann und auch sonst eher ungewöhnliche Sammlerobjekte sind, stört den ehemaligen Hausmeister der Gemeinde Ahrensbök nicht. „Einen Fimmel muss man haben, das macht das Leben interessant“, sagt er. Fast alle seine Fimmel sind in seinem Wohnzimmer vereint: PVC-Decken auf den Tischen, bunte Pullover über den Stuhllehnen, Fotos von ihm auf Berggipfeln an der Wand, und mittendrin die Rollei, mit der bis heute Dias macht. Vom Digitalen hält Langbehn nichts. Im Schrank liegen die 2019er-Ausgaben der von ihm selbst gefertigten Alpen-Fotokalender.

Nicht sichtbar sind zwei weitere Leidenschaften des umtriebigen Ahrensbökers. Er ist eifriger Blutspender, fährt von Termin zu Termin und fiebert immer dem Ende der 56-Tage-Schonfrist zwischen zwei Blutspenden entgegen. „Es ist so einfach, zu helfen. Ich habe das doch in mir.“ Außerdem würde er so gerne mal im Fernsehen auftreten. „Ich möchte eingeladen werden zu TV-Unterhaltungssendungen zu den Bergen. Ich kann nach 42 Jahren so viel darstellen wie ein Reinhold Messner, aber der kann vielleicht nicht singen und texten.“ Schon drei Mal habe er sich für die ARD-Sendung „Immer wieder sonntags“ beworben, auch bei der Talkshow von Markus Lanz, der ja Südtiroler sei. „Aber keiner hat sich gemeldet. Ich arbeite weiter daran.“

Susanne Peyronnet

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