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Ostholstein Als Eutin Anschluss fand: Bahnhof ist 150 Jahre alt
Lokales Ostholstein Als Eutin Anschluss fand: Bahnhof ist 150 Jahre alt
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21:15 26.08.2016
Bahnbedienstete um 1900 vor dem Empfangsgebäude, im Hintergrund die Mühle „Moder Grau“. Quelle: Fotos: Aus H. Kloth: „die Privatbahn Eutin-Lübeck 1870-1941)“

Das Jubiläum ist der Stadt vor lauter Landesgartenschau glatt durchgerutscht: Vor 150 Jahren wurde die Eisenbahnverbindung zwischen Eutin und Kiel in Betrieb genommen, und Eutin wurde damit um vieles schneller und komfortabler erreichbar als mit Pferdegespannen. Schon im Jahr zuvor, 1865 , waren die Gebäude des Eutiner Bahnhofes für die Personen- und Güterabfertigung fertiggestellt worden, die offizielle Eröffnung erfolgte am 31. Mai 1866.

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Bahnbedienstete um 1900 vor dem Empfangsgebäude, im Hintergrund die Mühle „Moder Grau“.

Auch nach Ende der LGS soll dieses Jubiläum nicht nachgefeiert werden. „Für uns war der Bahnhof in diesem Jahr als Drehkreuz für Gartenschau-Besucher wichtig. Wir wollten den Vorplatz vor Beginn der LGS fertigstellen, was wir geschafft haben“, sagt Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt.

Der Eutiner und alte Eisenbahner Eugen von Ruskowski (85) bedauert das: „Es ist schade, das war doch damals ein Ereignis für Eutin. Und auch heute ist das noch eine Besonderheit: Von Eutin aus fährt alle halbe Stunde ein Zug, sowohl nach Kiel als auch nach Lübeck. Das ist etwas Einmaliges im Vergleich zu anderen Strecken und auch ein wirtschaftlicher Vorteil gegenüber anderen Städten.“

Sehr gut erinnert sich Eugen von Ruskowski noch daran, wie er mit Kollegen der Gewerkschaft (vormals hieß sie Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands/GdED, heute firmiert sie als Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft/EVG) 1983 für den Erhalt der Bahnstrecke Kiel-Lübeck gekämpft hat. „Es gab damals politische Diskussionen darüber, die Strecke einzustellen.“ Angeblich, so die Deutsche Bahn in jenem Jahr, sei die Strecke unrentabel. Die Eisenbahner veranstalteten unter anderem eine Kundgebung in der Eutiner Innenstadt, „da war ordentlich was los“. Er sei damals Mitglied im ostholsteinischen Kreistag und im Landkreistag gewesen und habe auch dort für den weiteren Bestand der Bahnlinie gestritten, erinnert sich Eugen von Ruskowski.

Nochmal ein Blick weiter zurück: Am 10. April 1873 wurde eine weitere Verbindung freigegeben: Die Eutin-Lübecker Eisenbahn (ELE) eröffnete die 33 Kilometer lange Strecke von Eutin nach Lübeck. Auch sie nutzte den Eutiner Bahnhof, der der Altona-Kieler Eisenbahn gehörte. Für den Bau der Linie Eutin-Lübeck waren umfangreiche Erdarbeiten erforderlich, es mussten meterhohe Dämme aufgeschüttet und metertiefe Einschnitte gegraben werden. Besonders problematisch, so heißt es in der Buchreihe „Auf Schienen unterwegs – Die Eisenbahn in Ostholstein“, sei der Abschnitt zwischen Lübeck und Bad Schwartau gewesen, weil die Bahntrasse dort stückweise entlang der Trave verläuft. Wegen einer Sturmflut, die im November 1872 große Schäden anrichtete, musste der geplante Eröffnungstermin vom 1.

März 1873 verschoben werden.

Für Eutin und auch Malente hat die Bahnanbindung im vorvorigen Jahrhundert einen erheblichen Aufschwung gebracht. Nach Eröffnung der Eisenbahnlinien entschlossen sich beispielsweise die Gebrüder Tode, das Hotel Gremsmühlen in Malente zu eröffnen – was entscheidend zum Aufblühen als Fremdenverkehrsort beigetragen haben soll.

In Eutin bewirkten der Bau der Bahnstrecke und des Bahnhofs eine Ausdehnung des Stadtgebietes Richtung Westen über den Stadtgraben hinaus. Angelegt wurden die Auguststraße (1852, heute Albert-Mahlstedt-Straße), die Bahnhofstraße und die Güterstraße (heute Elisabethstraße).

Der klassizistische Baustil des Eutiner Bahnhofes ist auch heute noch – trotz verschiedener An- und Umbauten – gut zu erkennen. Typisch für die frühere Bauweise von Bahnhöfen war es, dass das repräsentative Hauptgebäude immer Nebengebäude hatte. Eutin verfügte über Lokschuppen und Drehscheibe (dort befindet sich heute der Fahrradunterstand). Auf der Seite zur Elisabethstraße hin stand ein Schuppen für die Güterabfertigung, der bis Anfang der 1990er existierte. In seinen letzten Jahren vor dem Abriss gab es im „Schuppen 17“ allerlei für Haus und Garten zu kaufen: Korbwaren, Kerzen, Blumentöpfe und Schnokus.

Empfangsgebäude wird 2018 saniert

360000 Euro hat die Deutsche Bahn 2013 für den Eutiner Bahnhof erhalten, dank Fördermitteln musste die Stadt aber nur 120000 Euro tragen (jeweils ein Drittel des Kaufpreises übernahmen Bund und Land). Geplant war, das denkmalgeschützte Gebäude zur Landesgartenschau zu einem Schmuckstück zu machen, aber es reichte dann doch nur zu einer optischen Auffrischung.

Für 1,5 Millionen Euro soll im kommenden Jahr der Zob umgebaut werden.

2018 steht die Sanierung des Empfangsgebäudes an.

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