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Ostholstein Als Katastrophenhelfer in aller Welt
Lokales Ostholstein Als Katastrophenhelfer in aller Welt
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21:21 16.10.2015
Abflug im Frankfurter Schneematsch: Klaus-Peter Plötz am Start zum Erdbeben-Einsatz auf Haiti Anfang des Jahres 2010. Quelle: Fotos: Privat (2) / Eckhard Meier

Australien fehlt. Und die Antarktis. Alle anderen Erdteile hat er bereist — aber nicht als Tourist. Wo immer Klaus-Peter Plötz gelandet ist, herrschten Not, Elend und Verzweiflung. Wie viele Menschen er vor noch größerem Schaden bewahrte oder ihnen gar das Leben rettete, hat niemand jemals gezählt. Doch das ist dem mittlerweile 65-jährigen Eutiner auch gar nicht so wichtig, wenn er in diesen Tagen Bilanz zieht und seinen — zumindest teilweisen — Rückzug aus der vordersten Reihe internationaler Helfer bekannt gibt.

Verheiratet, drei Kinder, zwei Enkel. Sie alle mussten lernen, mit der Angst um den Mann, den Vater und Großvater umzugehen. Von 1976 bis zu seinem Ruhestand 2008 gehörte Klaus-Peter Plötz als Rettungsassistent zur Besatzung des Hubschraubers „Christoph 12“. Ziemlich genau 10 500 Einsätze hat er heil überstanden und es dabei auf 6500 Flugstunden gebracht. Als wenn dieser Job nicht gereicht hätte. . .

Doch das war nur die Pflicht. Seine Kür leistete der Praktiker mit dem trockenen Humor in Katastrophengebieten in aller Welt — als freiwilliger Helfer in Diensten des Technischen Hilfswerks (THW) oder der Johanniter Unfall Hilfe (JUH).

Im rumänischen Hermannstadt erlebte er den Fall der Ceausescu-Diktatur mit, als er zur Wendezeit mit einem Hilfskonvoi voller medizinischer Geräte dort war. 1993 schickte ihn das THW nach Mogadischu in Somalia, wo er ein Krankenhaus und Brunnen bauen sollte. Es gibt einen amerikanischen Film mit dem Titel „Black Hawk Down“ über das Desaster der US-Armee beim Versuch, den grausamen Clanchef Aidid auszuschalten. „Die Grundlage für das Drehbuch lieferten die Ereignisse, die wir damals als unmittelbare Nachbarn miterlebten“, berichtet Plötz. „Ich sehe noch heute praktisch jeden Meter des berüchtigten Kilometer 4 vor mir. Kaum mehr vorstellbar. Eine schlimme Zeit.“

Goma in Zaire 1994, Kigali in Ruanda 1996 — der Kampf zwischen Hutu und Tutsi. Plötz war ganz vorn dabei, um das Elend der Flüchtlinge der brutalen Bürgerkriege zu lindern. 1999 dann San Salvador — es galt, dort nach einem schweren Erdbeben einen Operations-Container zu installieren und das Personal einzuweisen. Der Aufbau eines Flüchtlingslagers im Kosovo 1999 fand dann schon fast vor der Haustür statt.

Als einen Höhepunkt in seiner Helfer-Laufbahn bezeichnet Plötz seinen Einsatz in New Orleans nach dem Hurrican „Katrina“, wo die deutschen Unterstützer in der durch Hochwasser völlig zerstörten Millionenstadt Hochleistungspumpen installierten. 2005 und 2006 ging es in Diensten der JUH nach Pakistan zur Versorgung von Erdbebenopfern, ehe Plötz Anfang 2010 nach Haiti flog. Auch dort hatte eine Erdbeben-Katastrophe die Menschen getroffen. Hilfsgütertransporte ins Erdbebengebiet von Istanbul sowie ungezählte Versorgungsfahrten ins Baltikum, nach Polen und auf den Balkan vervollständigen den Einsatzkalender.

Wie durch ein Wunder hat Plötz alles heil überstanden, obwohl er schon 1993 nach einer Routineuntersuchung gesagt bekam, er leide an Diabetes. Doch als er sich vor einem Jahr zum Ebola-Einsatz nach Afrika meldete, war auf einmal Schluss: „Mein Lungenvolumen betrug nur noch 51 Prozent — und damit war die Tropentauglichkeit nicht mehr gegeben“, berichtet er, „sehr schade.“

Für den engagierten Helfer aber kein Grund, alles aufzugeben. „Für Einsätze innerhalb Europas stehe ich immer noch jederzeit bereit.“ Seine Erfahrungen reicht er als Ausbilder für das Technische Hilfswerk in EU-zertifizierten, drei Mal jährlich stattfindenden Lehrgängen bundesweit an den Helfer-Nachwuchs weiter. Und natürlich ist er als Ortsbeauftragter Chef aller Eutiner THW-Mitglieder.

„Ich habe unglaublich viel erlebt“, bilanziert Klaus-Peter Plötz, „und bin unendlich dankbar, dass ich immer heil nach Hause gekommen bin. Und dafür, dass meine Familie alles mitgetragen hat. Auch wenn meine Frau und die Kinder jetzt froh sind, dass die ganz wilde Zeit ein für allemal vorbei ist.“

„Ich bin unendlich dankbar, dass ich immer heil nach Hause gekommen bin.“
Retter Klaus-Peter Plötz

Eckhard Meier

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