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Ostholstein Als die Technik noch unkaputtbar war
Lokales Ostholstein Als die Technik noch unkaputtbar war
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23:14 02.06.2016
„Einfachste Mechanik, keine Elektronik, dafür robuste Technik“: der „Club de olen Treckers“ auf Ausfahrt durch die Holsteinische Schweiz. Quelle: hfr

Eutin. Traktoren neuester Generation sind vollgestopft mit Elektronik. GPS-gesteuerte Lenksysteme garantieren zentimetergenaues Fahren beim Düngen oder Pflügen. Das Getriebe schaltet vollautomatisch, auch sonst genießt der Fahrer in seiner rundum verglasten Kabine höchsten Komfort mit Klimaanlage, Soundsystem und Sitzheizung. Beim Bedienen der Kraftprotze helfen ihm Joystick und Touchscreen. Das autonome Fahren, über das im Autobau so viel geredet wird, beherrschen sie längst.

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Genau das macht den Reiz der Veteranen des Ackerbaus aus. „Einfachste Mechanik, keine Elektronik, dafür robuste Technik“, schwärmt Helmut Pape (60) von seinem Fendt, Baujahr 1954. Seit 2009 ist er stolzer Besitzer. Jörn Petersen (60) besitzt seit 16 Jahren einen Deutz von 1957. „Der ist unkaputtbar, so etwas Zuverlässiges gibt es heute gar nicht mehr“, ist er sich sicher. Die beiden sind im Eutiner „Club de olen Treckers“ aktiv. Pape ist erster, Petersen dritter Vorsitzender des 1995 gegründeten Vereins. Obwohl beide nicht aus der Landwirtschaft kommen – Pape arbeitet als Einsatzleiter Gleissicherung bei der Bahn, Petersen ist Versicherungsmakler – sind alte Trecker ihre große Leidenschaft.

Am Wochenende 6./7. August können Besucher der Landesgartenschau die alten Schätze kennenlernen. Der Club de olen Treckers ist zusammen mit sechs befreundeten Trecker-Clubs zu Gast auf der Schau. Pape und Petersen bereiten das Treffen vor. Jeweils an die 100 Oldtimer werden an den beiden Tagen zu sehen sein, kündigen sie an. Auch einige historische Geräte wie Leiterwagen oder Pflüge werden dabei sein. Die befreundeten Clubs – Historische Furche, Treckerfreunde Hutzfeld, Oldtimer-Stammtisch Gremersdorf und Umgebung, Treckerfreunde Hemmelsdorfer See, Oldtimer-Freunde Ahrensbök und der Oldtimer-Trecker-Club Howachter Bucht – rollen bis 9 Uhr an. Ab 19 Uhr ist Abfahrt.

Während der Gartenschau gilt aus Sicherheitsgründen Fahrverbot. Ausfahrten sind deshalb nicht möglich, aber die Besitzer erzählen selbstverständlich gern von ihrer Leidenschaft und ihren Erlebnissen mit den betagten, aber rüstigen Schleppern. Anschauen, staunen, fachsimpeln heißt es an den beiden Tagen. Wer sich einen alten Trecker anschafft, muss viel Zeit und Arbeit investieren.

Das fängt schon beim Kauf an. Pape hat seinen Fendt in Bayern gekauft, Petersen entdeckte seinen Deutz im Westerwald. Die Ersatzteilsuche verlangt manchmal Detektivarbeit, ein guter Tipp ist oft hoch willkommen. „Ich lege Wert darauf, so weit wie möglich nur Originalteile zu verwerten“, erläutert Pape, der seinen Fendt komplett restauriert hat. Auch Recherchen im Internet helfen bei der Teile-Suche.

Aber die Mühen werden ja auch belohnt. „Es gibt nichts Schöneres als die Treckerausfahrten“, schwärmt Petersen. Mit Tempo 16 geht es gemächlich durch die Landschaft. „In der Langsamkeit liegt der Gewinn. Man riecht die Natur, fährt dort, wo man mit dem Auto gewöhnlich nicht unterwegs ist und kann den Blick schweifen lassen“, erläutert der Versicherungsmann den Reiz der Oldtimer.

Im Club der olen Treckers kann man ihn ausleben. Neben Klönabenden im Vereinslokal „Wittenburg“ in Fissau stehen im Sommerhalbjahr regelmäßig Ausfahrten durch die Holsteinische Schweiz auf dem Programm. „Wir sind ein lebendiger Verein“, betont Petersen. Auch im Winter treffen sich die Mitglieder regelmäßig, ob zu Ausflügen, Skat- und Knobelrunden oder Besuchen bei anderen Treckervereinen.

Auf die Kontaktpflege zu den befreundeten Clubs wird viel Wert gelegt. Ein Höhepunkt im Vereinsleben war das 20-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr, das auf dem Reiterhof Fissau groß gefeiert wurde – vor der Kulisse von über 50 Trecker-Oldies. Zum Fuhrpark zählte auch ein Deutz F2 von 1939. Der Veteran gehört dem Verein. Jedes Jahr gibt es einen „Vereinspaten“, der ihn fahren darf, aber auch pflegen muss.

Der Trecker-Virus befällt vor allem Männer und macht dabei keine sozialen Unterschiede. Im Club de olen Treckers sind so ziemlich alle Berufe vertreten.

Arnold Petersen

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