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Ostholstein Alt, schwer, wertvoll: Kirchturmuhr wird repariert
Lokales Ostholstein Alt, schwer, wertvoll: Kirchturmuhr wird repariert
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20:19 09.04.2016
Demnächst sollen an der Marienkirche in Ahrensbök auch wieder andere Stunden schlagen als ausschließlich halb sechs. Quelle: Fotos: S. Latzel

Es gibt diverse Möglichkeiten, eine Uhr zu reparieren — und mit einer besonders aufwändigen hatten es in dieser Woche zwei Glocken- und Uhrentechniker in Ahrensbök zu tun. Sie bauten das Uhrwerk im Turm der Marienkirche aus, und dabei waren sowohl Geschick als auch Muskelkraft gefragt.

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Uhrentechniker Jochen Otto baut das Uhrwerk auseinander.

„Verschiedene Sach- verständige haben die Uhr in Augenschein genommen.“Aus dem Gemeindebrief vom April

„Ein wunderschönes, wertvolles, altes Uhrwerk“, sagt der Techniker Jochen Otto von der Neustädter Firma „Otto Buer — Glocken- und Uhrentechnik“ über das 150 bis 200 Jahre alte Original. Das „liegende Werk“, das vermutlich aus dem Raum Berlin stammt, thront eigentlich hoch oben im Turm über Ahrensbök — ist aber bereits seit etwa einem Jahr defekt. Seither rührt sich nichts mehr auf dem weithin sichtbaren Ziffernblatt, und auch die Uhrschlagglocke in der Dachlaterne, dem offenen Aufsatz auf der Kirche, schweigt.

„Einige Teile sind defekt, andere verschlissen oder verschmutzt“, lautet Ottos Diagnose. Zudem hätten die maroden Hanfzugseile eventuell die Steingewichte nicht mehr halten können. Im Ganzen konnten Otto und sein Kollege Niklas Räker das etwa 200 Kilo schwere Uhrwerk aber nicht die steilen Turmtreppen hinabtransportieren — die Gefahr, dass das kostbare Werk irgendwo anstößt und verbiegt, war zu groß. Statt dessen wurde es in seine Einzelteile zerlegt — in Walzen, Pendel, Seile, Räderwerk mit Kontrollzähler, Ankerrad, Zahnrad mit Hebestiften und „Bock“ (das Gerüst). Die meisten Uhr-Bestandteile konnten schlicht die Treppen hinuntergetragen werden, die mächtigen Walzen seilten Otto und Räker allerdings ab.

In den nächsten Wochen wird das Uhrwerk überarbeitet, also gereinigt und instandgesetzt. Eine Besonderheit ist zudem die Elektrifizierung: Das Uhrwerk wird mit elektrisch betriebenen Motoren zum Hochziehen der Gewichte nachgerüstet. Das entspräche durchaus den Richtlinien des Denkmalschutzes, heißt es, und bedeutet vor allem eine erhebliche Arbeitserleichterung für den Küster Diether Kibbel, der somit die Gewichte nicht mehr per Kurbel in die Höhe befördern muss.

„Wenn das Uhrwerk repariert ist, erfolgt noch ein Probelauf in der Werkstatt“, berichtet Jochen Otto. Ob das Werk für den Wiedereinbau erneut demontiert werden muss, ließe sich noch nicht sagen. „Es wäre besser, wenn wir es zusammengebaut hochschaffen können — aber wir müssen abwarten, ob das möglich ist.“

Wenn die Uhr der Marienkirche nach der Reparatur läuft, werden sich die Ahrensböker wieder an den Glockenschlag gewöhnen müssen: Jede halbe und jede volle Stunde wird dann die Glocke geschlagen. Die im Übrigen als wahres „Schätzchen“ gilt: Sie ist im Jahr 1760 vom Lübecker Glockengießer Hinrich von Kampen gegossen worden, der als Meister seines Fachs bis heute einen ausgezeichneten Ruf genießt.

„Bedenken“ verursacht allerdings laut Gemeindebrief der Fallhammer für den Stundenschlag, der offenbar schon bessere Tage gesehen hat. Es kann also sein, dass demnächst erneut ein geschickter Techniker den Turm hinaufsteigen muss.

Von Sabine Latzel

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