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Ostholstein Alte Freundschaft lebt auf: Wiedersehen nach 56 Jahren
Lokales Ostholstein Alte Freundschaft lebt auf: Wiedersehen nach 56 Jahren
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18:16 31.12.2015
Erinnerungsfoto von 1959: Bernard Lhullier (l.) und Karl-Heinz Neese. Quelle: Fotos: Privat

„Wer 13 Jahre nach der Pensionierung plötzlich meint, sein Arbeitszimmer aufräumen zu müssen, der muss wohl von einem Rappel überfallen worden sein“, sagt Karl-Heinz Neese. „Rappel“, das komme aus dem Französischen und heiße Erinnerung oder Ermahnung, woraus wir Deutschen dann Verrücktheit gemacht haben, erklärt der 76-Jährige. Weniger verrückt, aber voll von Erinnerungen war das, was Neese dann plötzlich in seinen Händen hielt.

„In einem Pappkarton fand ich einen Brief und ein Schwarzweißfoto von 1959“, erzählt Karl-Heinz Neese. Den Brief hatte Bernard Lhullier aus Valenciennes in Nordfrankreich geschrieben. Neese hatte ihn in Neukirchen, wo er eine Brieffreundin besuchte, kennengelernt. „Ab und an gingen wir in die ,Doppeleiche‘, tranken ein Bier und hörten der Musikbox zu, wenn tanzwütige junge Dörfler sie bedienten und für ,Tutti Frutti‘, ,Rock around the clock‘ oder ,See you later Alligator‘ ihre Groschen opferten“, erinnert sich der Oldenburger, der in der Schule Französisch gelernt hatte — und sich selbst als frankophil bezeichnet.

Über die internationale Auskunft fand Neese die Telefonnummer des alten Freundes heraus. „,Bravo, bravo‘ waren seine ersten begeisterten Worte, nachdem ich mich vorgestellt hatte“, erzählt der Ostholsteiner. Der Franzose, der in Amiens lebt, habe sich sofort an die kurze gemeinsame Zeit von 1959 erinnert — vor allem an eine Radtour an einem sonnigen Nachmittag über Klingstein, Rossee und den Wachtelberg nach Heiligenhafen. Nach einem halben Jahr des regen E-Mail-Schreibens sollte die Freundschaft schließlich auch durch gegenseitige Besuche neu belebt werden. Da Karl-Heinz Neese seit Jahrzehnten mit seiner Frau Annelie in ein Ferienhaus im französischen Teil Kataloniens reist, ließ sich das gut mit einem Abstecher nach Amiens verbinden: „Bernard und Mireille nahmen uns mit großer Herzlichkeit auf“, berichtet Neese vom ersten Besuch bei den Franzosen. Der Begrüßungssekt wurde eingeschenkt und auf das Wiedersehen nach 56 Jahren angestoßen. „Am Abend gab es ein Fünf-Gänge-Menü, als Hauptgang Fisch in einer pikanten Soße“, schwärmt der Oldenburger.

„Köstlich!“ An den folgenden Tagen genossen die Freunde Spaziergänge durch Amiens, zur Kathedrale, entlang des Ufers der Somme und zu den Hortillonnages, Kleingärten in Feuchtgebieten am Stadtrand von Amiens, die Neese mit dem Spreewald vergleicht.

Danach ging es für die Oldenburger weiter nach Katalonien. Auch dort pflegt das Paar viele herzliche Kontakte. Es war selbstverständlich, dass sie sich — zurück im heimischen Oldenburg — nach den Terroranschlägen in Paris auch bei den Ferienhaus-Nachbarn meldeten, deren Sohn in der französischen Hauptstadt lebt. „Er ist Rockmusiker und hatte sogar eine Freikarte für das Konzert im Bataclan bekommen“, erzählt Neese — ein glücklicher Zufall habe Furchtbares verhindert: „Er hatte bereits eine andere Verabredung und ging nicht zu dem Konzert.“

Die innigen Beziehungen nach Frankreich wollen die Oldenburger weiter pflegen. Aber zunächst einmal steht der Gegenbesuch von Bernard und Mireille an: im nächsten Mai, wenn der Raps blüht. Neese:

„Dann wollen Bernard und ich noch einmal mit dem Rad von Neukirchen über Klingstein und Rossee nach Heiligenhafen fahren — wie vor 56 Jahren“, sagt Karl-Heinz Neese, und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Mal schauen, ob wir das noch schaffen.“

sts

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