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Ostholstein Altersarmut: Kein Ruhestand für Rentner
Lokales Ostholstein Altersarmut: Kein Ruhestand für Rentner
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21:19 06.07.2013
Arm im Alter: Weil bei vielen Rentnern die Rente nicht zum Leben reicht, müssen sie jeden Cent zweimal umdrehen. Quelle: Foto: Cynthia Rühmekorf
Eutin

Jede zweite Rente in Deutschland liegt unter 700 Euro und damit unter Hartz IV-Niveau. Das ist den neuesten Statistiken der Deutschen Rentenversicherung für das Jahr 2013 zu entnehmen. Und betrachtet man die demografische Entwicklung, wird sich das Rentenniveau in Zukunft eher noch verschlechtern als verbessern. Das „Soziale Bündnis für Schleswig-Holstein“, ein Zusammenschluss der Arbeiterwohlfahrt (Awo), des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Nord und des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), will mit einer Fotoausstellung auf das sich immer weiter verschärfende Problem aufmerksam machen. „Altersarmut bekämpfen — heute die Weichen für morgen stellen!“, heißt der Titel der Ausstellung, die am morgigen Montag um 14 Uhr in der Sparkasse Holstein in Eutin eröffnet wird.

Die geringen Renten zwingen immer mehr Senioren, auch im Ruhestand weiter zu arbeiten, um sich vor drohender Altersarmut zu schützen. In Ostholstein gingen 2012 rund 350 Menschen zwischen 65 und 75 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. Fünf Jahre zuvor waren es nur 244. Auch die Zahl der Rentner mit Minijob ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen.

Allerdings ist nicht jeder arbeitende Rentner von Altersarmut betroffen. „Die steigenden Zahlen haben zwei Ursachen, die sich nicht eindeutig voneinander abgrenzen lassen. Einige müssen arbeiten gehen, weil ihre Rente nicht reicht und sie sich vor Altersarmut schützen wollen. Andere wollen über ihr Renteneintrittsalter hinaus beruflich aktiv bleiben“, sagt Horst Schmitt, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nord.

Die Vorsitzende der Awo Eutin, Gisela Poersch, sieht noch wachsende Probleme auf die Gesellschaft zukommen: „Den Menschen, die jetzt in Rente gehen, geht es noch verhältnismäßig gut“, sagt sie. Aber die gesetzlichen Renten würden weiter sinken, besonders betroffen seien die Menschen, die in schlecht bezahlten Jobs arbeiten. „Wer nicht genug verdient, weil es in seiner Branche keinen Mindestlohn gibt oder das Lohnniveau einfach zu schlecht ist, bekommt im Alter entsprechend geringe Beträge ausgezahlt“, so Poersch.

Das Problem spiegelt sich auch in der Anzahl der Rentner wieder, die die Grundsicherung im Alter beziehen. Die 1183 über 65-jährigen Ostholsteiner, die diese Leistungen erhalten, machen rund 2,5 Prozent aller über 65-Jährigen aus. Nicht in diese Statistik eingeflossen sind Senioren in Pflegeeinrichtungen und natürlich jene, die trotz Anspruch keine Sozialleistungen beantragen. „Besonders die ältere Generation, die vielleicht noch Kriegserfahrungen mitgemacht hat, knausern und verzichten lieber, als sich Sozialleistungen vom Amt abzuholen. Sie würden sich dabei schämen“, so Poersch. Wie hoch die Dunkelziffer ist, sei schwer einzuschätzen.

„Ostholstein gehört zu den größten Verlierern des demografischen Wandels“, sagt Awo-Verbandssekretär Uwe Frensel. Denn der Kreis ist ein beliebter Ort für Senioren, die im Alter hierher ziehen. Das bringt auch Probleme mit sich: Einer Studie des Pestel-Instituts zufolge werden im Jahr 2035 mit 67 000 über 65-Jährigen etwa 35 Prozent mehr Senioren in Ostholstein leben als heute (50 440).

Die vom Verbändebündnis „Wohnen 65+“ in Auftrag gegebene Studie berechnet den Bedarf von rund 7500 seniorengerechten Wohnungen bis dahin, die etwa 117 Millionen Euro kosten würden. Die seniorengerechte Sanierung einer Wohnung würde laut Studie weniger kosten als der Pflegeplatz in einem Heim — und für Lebensqualität im Alter sorgen.

Freie Fotografin
Cynthia Rühmekorf hat während ihrer viermonatigen Arbeit für die Ausstellung zum Thema Altersarmut viele ältere Menschen in und um Bonn begleitet. Die freie Fotografin hat dabei Einblicke in den Alltag von Senioren bekommen, deren Rente trotz jahrzehntelanger Arbeit nicht zum Leben reicht und die deswegen arbeiten müssen. Während einige mit über 70 noch einem Job nachgehen, sammeln andere Pfandflaschen. Rühmekorf will sich weiter mit dem Thema Altersarmut beschäftigen.

Hannes Lintschnig

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