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Ostholstein Geständnis vor Gericht: Patient wollte fünf Sexualstraftäter töten
Lokales Ostholstein Geständnis vor Gericht: Patient wollte fünf Sexualstraftäter töten
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10:42 28.09.2018
Das Landgericht Lübeck in der Schwartauer Landstraße 9-11. Quelle: Ilka Mertz
Neustadt/Lübeck

 Ein verurteilter Straftäter hat vor dem Lübecker Landgericht gestanden, dass er am 13. Juli 2017 fünf Mitpatienten töten wollte. Als Motiv gab er Hass auf Pädophile sowie Streitereien mit diesen an. Der 35-Jährige befindet sich seit August 2007 in der Forensik des Neustädter Ameos-Klinikums. Zuvor soll der Mann, der nach eigenen Angaben jahrelang Drogen konsumierte, ausgerastet sein und die eigene Schwester als Geisel genommen haben. Nun wirft ihm Staatsanwältin Ann-Sofie Portius vor, heimtückisch versucht zu haben, einen anderen Menschen zu töten. Sie klagt ihn an wegen versuchten Mords in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Zum Prozessbeginn vor der I. Großen Strafkammer schilderte Portius in Kurzform, was sich in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 2017 abspielte. Demnach bewaffnete sich der Angeklagte mit Gabeln und Besteckmessern. Auch bastelte er aus Bleistiften, Kreppband und Plastikstücken Angriffswerkzeuge und befestigte diese an seinen Händen. Anschließend ging er nachts in den Raum eines heute 55 Jahre alten Mitbewohners und stach ihn mit der Gabel in den Hals – nahe der Halsschlagader. Dem Verletzten gelang die Flucht. Später wurde der Angreifer von Polizisten überwältigt.

Angeklagter fühlte sich genervt

Der Angeklagte bestätigte das Geschehen vor Gericht. „Ich wollte die töten und hatte das schon ein paar Wochen geplant. Ich komme auf die nicht klar“, sagte er. Seine Opfer hätten allesamt Kinder missbraucht. Er selbst sei als Junge in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Lübeck von mehreren Jugendlichen vergewaltigt worden. „Meine Einstellung gegenüber Kinderschändern ist immer noch genauso heftig und wird sich nie ändern“, betonte er. Die Männer hätten ihn genervt und immer wieder provoziert. Ihn habe gestört, dass sie sich während des Abendessens über sexuelle Fantasien ausgetauscht hätten. Übel aufgestoßen sei ihm zudem, dass die Straftäter in der Weihnachtszeit „Ihr Kinderlein kommet“ gesungen hätten.

Mehrfach habe er Mitarbeiter des Klinikums gebeten, auf eine andere Station versetzt zu werden. „Ich war schon ein Jahr und sechs Monate da. Ich wollte weg, aber die haben nur gesagt, dass das eine Belastungsprobe ist“, erläuterte er. Von seinen eigenen Missbrauchserfahrungen habe er aber erst später berichtet.

Trotz seiner Haltung gegenüber Pädophilen sagte der 35-Jährige, dass er froh sei, dass sein Opfer nicht gestorben ist. „Wenn ich heute darüber nachdenke, frage ich mich, wie krank ich gewesen bin“, betonte er. In seinem Wahn habe er gedacht, der Menschheit einen Gefallen zu tun. Heute würden ihm neue Medikamente helfen, seine Psychose im Griff zu halten.

Opfer räumt Provokation ein

Nachdem der erste Mordversuch misslungen war, verbarrikadierte der Angeklagte sich im Raucherraum. Dies bestätigte nicht nur das Opfer, sondern auch ein Polizist, der ihn mit fünf Kollegen überwältigte. Der Verletzte, der als Zeuge geladen war, erzählte, dass er vor dem Angriff tief und fest geschlafen habe. „Ich bin durch einen heftigen Schmerz wach geworden und habe irgendetwas abgewehrt.“ Alles sei so unreal gewesen. Stunden zuvor habe er noch im Blauen Salon gesessen und Backgammon gespielt. Währenddessen sei der spätere Angreifer hereingekommen und er habe diesem gesagt: „Mir dir spielt wohl keiner.“ Diese Aussage soll das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Stundenlang – so der Angeklagte – habe er mit sich gerungen, Stimmen gehört, Computer gespielt und schließlich die Waffen gebastelt.

Urteil Anfang November erwartet

Der Prozess vor dem Lübecker Schwurgericht soll am 19. Oktober fortgesetzt werden. Zudem gibt es einen weiteren Verhandlungstermin am 24. Oktober. Das Urteil wird für den 1. November erwartet. Das Gericht hat insgesamt sieben Zeugen sowie zwei Sachverständige geladen.

Sebastian Rosenkötter

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