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Ostholstein „Angekommen“: Ausbildung als Schritt ins neue Zuhause
Lokales Ostholstein „Angekommen“: Ausbildung als Schritt ins neue Zuhause
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20:20 09.12.2015
Khrystyna Rydau (vorne rechts), Aliksander (17), Hamed (16), Mahadi (21), Ramed (20, vorn v.l.), Hans-Christian Görrissen, Herbert Moehlmann, Ute Schmidt, Helga Behrens, Annemarie Goos (hi. v.l.). Quelle: Binder

Ramed möchte Koch werden. Vor zwei Jahren kam der heute 20-jährige Afghane nach Deutschland — ein Jahr und drei Monate lang hat er danach mit Bürokratiemonstern darum gerungen, eine Schule besuchen und deutsch lernen zu dürfen. An der Beruflichen Schule des Kreises in Oldenburg hatte er schließlich Erfolg: Jetzt ist er einer von zurzeit etwa 40 jungen Asylbewerbern, die dort auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden.

„Es ist wichtig, jungen Menschen aus dem Ausland eine Perspektive zu geben“, betont Schulleiterin Annemarie Goos. Dadurch biete sich auch die Chance, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Die Voraussetzung dafür sei, dass Flüchtlinge nach ihrer Ankunft so schnell wie möglich deutsch lernen würden.

Goos plädiert dafür, die Altersgrenze für Berufsschüler heraufzusetzen: Momentan darf die Schule nur Minderjährige — und damit Berufsschulpflichtige — bei sich aufnehmen. „Wir müssen Anfragen von 18- und 19-Jährigen ablehnen“, bestätigt Schulsozialarbeiterin Ute Schmidt, „das ist unheimlich schade.“ Die Betroffenen seien in der Regel schwer enttäuscht: Sie wollten lernen — genau wie Ramed, der im vergangenen Jahr noch Glück hatte.

Die jetzige bildungspolitische Entwicklung halte sie für „ziemlich fatal“, mahnt auch Schulleiterin Goos. Die schulische Ausbildung mache auch für junge Erwachsene Sinn, betont die Rektorin, die sich für eine Aufnahme von Schülern bis zum Alter von 25 Jahren ausspricht. An der Schule gebe es nicht nur Sprachunterricht, sondern auch die Gelegenheit zur beruflichen Orientierung: Die Schüler erhielten in den schuleigenen Werkstätten und auch durch Betriebspraktika Einblicke in verschiedene Berufe, bekämen einen Eindruck von ihren Möglichkeiten und davon, welche Arbeit ihnen Spaß mache.

Damit das funktioniert, hofft das Team der Beruflichen Schule auf weitere Unternehmen der Region, die Praktikumsplätze für Asylbewerber zur Verfügung stellen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die jungen Menschen hoch motiviert zur Arbeit kämen und etwaige fehlende Sprachkenntnisse durch ihren Eifer wettmachten, berichten die Lehrer der DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache). Für einige Praktikanten gebe es sogar bereits die Hoffnung auf einen Ausbildungsplatz im jeweiligen Betrieb.

So war es auch bei Mahadi (21), dem Positivbeispiel schlechthin: Der Afghane macht inzwischen eine Ausbildung bei Malermeister Andreas Kröger in Manhagen (die LN berichteten). „Jetzt zahle ich meine Miete selbst“, erzählt der junge Mann gleichermaßen stolz und dankbar. Jetzt hat er ein Zuhause. Er ist angekommen.

jen

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