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Ostholstein Angeltourismus zu Grabe getragen
Lokales Ostholstein Angeltourismus zu Grabe getragen
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10:18 19.06.2017
Um 12.30 Uhr setzte sich der Trauermarsch in Bewegung. Symbolisch wurde der Angeltourismus zu Grabe getragen. Einige der Teilnehmer hatten Protestplakate und Banner angefertigt.

Ein Sensenmann mit dem Gesicht von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Ein Sarg, geschmückt mit Blumen und dem Aufdruck „R.I.P. Angeltourismus“. Eine Schweigeminute um Punkt 12 Uhr in Heiligenhafen. Der Widerstand gegen das geplante Angelverbot in Teilen der Nord- und Ostsee, auch im Fehmarnbelt, wächst. Am Freitag veranstalteten unter anderem die Vereine „Verband der Bäder- und Hochseeangelschiffe“, „Wassertourismus in Schleswig-Holstein“ sowie die Betreiber der Internetseite Fehmarn-Angler.net die zweite große Protestaktion innerhalb weniger Wochen. Glück hatten sie diesmal mit dem Wetter. Auch die geplante Bootsdemo konnte stattfinden. Symbolisch wurde zudem ein Sarg zu Wasser gelassen. Das war Ende April auf Fehmarn noch anders.

Große Demo gegen geplantes Angelverbot in Heiligenhafen. Veranstalter üben heftige Kritik.

Starker Wind verhinderte die Ausfahrt der Schiffe (die LN berichteten).

Im Gegensatz zum gestrigen Wetter war der Ton im Kommunalhafen aber rau. Holger Ortel, Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, sprach von einer Politik über die Köpfe der Menschen hinweg. „Wer das macht, der wird abgewählt“, so Ortel. Er polterte, dass in Berlin alles grün-verseucht und man nicht zu Kompromissen bereit sei. Mitveranstalter Lars Wernicke äußerte sich ähnlich über die „anglerfeindliche Politik“ und „Politiker, die einem stumpf ins Gesicht lügen“ würden.

Deutlich ruhiger trat Claus-Hartwig Kölln, Unternehmer aus Heiligenhafen, vor den etwa 300 Zuhörern auf. „Wir haben in Deutschland 1,5 Millionen organisierte Angler“, betonte er. Diese würden auch im Norden Ostholsteins für Umsätze bei Reedereien, Hotels, Gastronomen, Werften, Tankstellen und im Handel sorgen. „Viele sind betroffen, oder werden es bald sein“, verdeutlichte er. Kölln sagte, dass die zehn Angelkutter für den Hochseetourismus an die Region gebunden seien, während die Angler einfach in Richtung Skandinavien abwandern könnten. Auch äußerte er sein Unverständnis darüber, dass „nur die Angler weichen sollen“. Schließlich seien auch Frachter und Sportboote sowie die gewerbliche Fischerei im Fehmarnbelt aktiv. Hinzu komme der Bau der geplanten Beltquerung.

Jens Meyer (Orga-Team) betonte gegenüber den LN, dass eine ausreichende Begründung für das Angelverbot fehle. „So lange es die nicht gibt, werden wir uns weiter wehren“, so Meyer. Er fordert eine wissenschaftliche Begründung, erklärte, dass der Dorsch keine geschützte Art sei. „Wie die Angler eine Schädigung herbeiführen, wird nicht gesagt. Wir haben festgestellt, dass wir mit Worten nicht weiterkommen und mobilisieren die Öffentlichkeit“, erläuterte Jens Meyer.

Der Plan schien zumindest gestern aufzugehen. An einem Trauermarsch durch die Heiligenhafener Innenstadt nahmen Hunderte teil.

 Sebastian Rosenkötter

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