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Ostholstein Archäologische Funde verhindern Neubaugebiet
Lokales Ostholstein Archäologische Funde verhindern Neubaugebiet
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21:38 17.03.2018
Die Straße Kremper Kamp liegt im Neubaugebiet und führt auf die freie Fläche. Quelle: Fotos: Rosenkötter

Die Kosten beziffert das Archäologische Landesamt Schleswig- Holstein auf geschätzte 300000 bis 500000 Euro. Es wird damit gerechnet, dass die Geländeuntersuchung mindestens sechs Monate zuzüglich einer dreimonatigen Aufarbeitungszeit in Anspruch nehmen würde. Laut Denkmalschutzgesetz müsste der Verursacher, also die Gemeinde oder ein Bauherr, die Untersuchungen bezahlen.

 

„Das Ergebnis bedeutet den Tod für die weitere Entwicklung.Peter Zink Bürgermeister

Für Altenkrempes Bürgermeister Peter Zink (ABA) ist das eine Katastrophe. Der kleine Ort zwischen Neustadt und Schönwalde ist klamm, fährt Jahr für Jahr ein Defizit ein. Es mangelt an Geld für Straßensanierungen und Bauvorhaben. Die Unterstützung für Vereine, Senioren und Jugendliche ist bereits minimal. „Wir haben das Neubaugebiet 2009/2010 entwickelt und die Zufahrtstraße so gebaut, dass es erweitert werden kann. Mehr als 30 Bauplätze waren innerhalb von zwei Jahren weg“, schildert Zink die Entwicklung. Die Nachfrage nach Grundstücken sei weiterhin hoch. Jedoch gebe es nur noch die landwirtschaftliche Fläche, unter der Archäologen eine steinzeitliche Siedlungsaktivität untersuchen und auswerten wollen. Bahnlinie, Naturschutzgebiet, der Mindestabstand zu einem landwirtschaftlichen Betrieb und ein weiteres spezielles Schutzgebiet verhindern weitere Baugebiete.

Fläche war im Mittelalter besiedelt

Zink erläutert, dass die Landesplanung bereits ihr Einverständnis für eine Erweiterung des „Kirchblicks“ signalisiert hatte. Auch war eine Einigung mit der Eigentümerin der Fläche erzielt worden.

Doch dann kamen die Archäologen. Im Dezember führten sie eine Voruntersuchung durch. Diese „legt den Schluss nahe, dass der gesamte überplante Bereich im Mittelalter besiedelt war“, teilt das Landesamt mit. Die baulichen Reste würden von Forschern derzeit als Vorgängersiedlung von Neustadt gedeutet. Dieser ursprüngliche Ort sei bislang nur in Archiven belegt.

Für den Bürgermeister ist das bei allem geschichtlichen Verständnis ein Problem. Die Gemeinde hat kein Geld für die Ausgrabungen. Hinzu kommt: „Wir hatten lose Vorgespräche mit Bauunternehmen zwecks einer Erschließung. Doch diese können das extra Geld nicht aufbringen, da wir ansonsten Baupreise wie in Timmendorfer Strand oder München hätten“, sagt Zink. Bei bereits veranschlagten 120 bis 125 Euro pro Quadratmeter kämen noch einmal 30 Euro hinzu. „Das kann und will keiner mehr bezahlen“, ist sich Zink sicher. Er fordert, dass das Landesamt die Kosten nicht an Dritte weitergibt. Für den Hauptort Altenkrempe bedeute das Ergebnis der Untersuchung „den Tod für die Entwicklung“.

Hoffnung auf Forschung

der Kieler Uni

Dabei benötigt die Gemeinde dringend Neubürger. „Wir sind hier im ländlichen Bereich. Wir brauchen genug Personen für die Feuerwehr und die Vereine. Ohne junge Familien fehlt der Nachwuchs. Es geht um Daseinsvorsorge, um Anteile an der Einkommenssteuer und um den Unterhalt von Straßen“, verdeutlicht Zink. Absurd sei, dass es nie zu Ausgrabungen kommen könnte, wenn nicht gebaut wird. Er hofft, dass die Kieler Uni die Fläche für so bedeutend erachtet, dass Studenten sie im Rahmen eines Forschungsprogramms untersuchen. „Dann würde das Land die Kosten übernehmen.“

Besondere Funde

Aus archäologischer Sicht ist die Fundstelle als „besonders“ zu klassifizieren: „Während die Überprüfung der jungsteinzeitlichen Überlieferungssituation sicherlich erst im Rahmen der Hauptuntersuchung erfolgen kann, erhöht der zusätzliche Nachweis von römisch-kaiserzeitlichen Gebäuden den wissenschaftlichen Wert des Denkmalbereiches erheblich, da archäologisch untersuchte Siedlungsstrukturen aus dieser Zeit bis dato im Bereich Ostholsteins kaum vorliegen“, so das Archäologische Landesamt. Mit dem Nachweis der mutmaßlichen Reste sei ein bedeutender Ort entdeckt worden.

 Sebastian Rosenkötter

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