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Ostholstein Asbestalarm: Einweihung an der Eutiner Weber-Schule abgesagt
Lokales Ostholstein Asbestalarm: Einweihung an der Eutiner Weber-Schule abgesagt
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22:53 23.10.2013
Altbau (r.) und Neubau umschließen den Innenhof. Durch ein geöffnetes Fenster im Altbau sind möglicherweise Asbestpartikel ins Atrium gelangt. Quelle: Bauverwaltung/hfr
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Eutin

Weil die Luft im neuen, geschlossenen Innenhof und in weiteren Räumen des Altbaus möglicherweise mit Asbestpartikeln belastet ist, wurde die für gestern Nachmittag geplante Einweihungsfeier des Anbaus am Eutiner Carl-Maria-von-Weber-Gymnasium abgesagt. „Wir möchten jegliche Gefährdung von Schülern, Lehrern und Gästen ausschließen und haben uns aus diesem Grund dazu entschlossen“, teilte Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (CDU) am Vormittag mit.

120 Gäste waren offiziell eingeladen, Schnittchen und Getränke geordert. Doch die Entdeckung von möglicherweise gesundheitsgefährdenden „Stoffen“, so hieß es in der offiziellen Verlautbarung nebulös, veranlasste die Stadt, den lange feststehenden Termin kurzfristig abzusagen. Auf Anfrage präzisierte der Bürgermeister, dass im Altbau Asbest verarbeitet gewesen sei. „Das war uns bekannt, das war klar.“ Wie Partikel des Stoffs aber in den neuen Innenhof gelangen konnten, ob durch Fenster oder Türen oder beim Schleppen von Möbeln, sei offen, so Schulz. „Es ist kurzfristig entdeckt worden, und wir haben schnell reagiert.“ Raumluftuntersuchungen müssten jetzt Aufschluss geben, in welchem Ausmaß die Luft im Innenhof und den angrenzenden Gebäuden belastet sei. Die Stadt erwarte die Ergebnisse in den nächsten Tagen und hoffe, dass der normale Unterrichtsbetrieb spätestens am Montag wieder aufgenommen werden könne.

Schulleiterin Iris Portius war von den Ereignissen geplättet. Sie wisse auch nur, dass bei den Sanierungs- und Brandschutzarbeiten im Altbau Stoffe freigesetzt worden seien, die Messungen bei geschlossenen Türen und Fenstern erforderlich machten. Die Schule und die Stadt hätten gemeinsam entschieden, die Einweihung gänzlich abzusagen. Den Vorschlag, die Feier in der Sporthalle auszurichten, habe sie abgelehnt. „Das geht doch gar nicht. Unsere Gäste wollen den Neubau natürlich auch besichtigen.“

Am Montag und Dienstag hat im neuen Trakt mit seinen sechs Fachräumen (Biologie, Physik und Chemie) und drei Klassenräumen bereits Unterricht stattgefunden. Im Laufe des Dienstag soll nach LN-Informationen im Zuge der Arbeiten im Altbau ein Missgeschick passiert sein. Bei dem fachgerechten Beseitigen von asbesthaltigen Fußbodenplatten soll ein Arbeiter ein Fenster des Altbaus zum Innenhof geöffnet haben, dabei könnten Asbestfasern nach außen gedrungen sein. Ob sich zu diesem Zeitpunkt noch Schüler in dem Bereich aufgehalten haben, konnte gestern niemand sagen. Noch am Dienstagabend habe es angeblich Messungen der Raumluft gegeben: ohne Befund. An einer Stelle eines Geländers sollen aber bei sogenannten Abklatschproben (mit einem Klebestreifen werden Proben von Oberflächen genommen) Asbest-Spuren festgestellt worden sein.

Bürgermeister Schulz wollte den Vorfall so nicht bestätigen, äußerte aber: „Das kann so gewesen sein.“ Er betonte, dass die Stadt nach der Maxime „Sicherheit geht vor“ handele. Daher würden jetzt umfassende Raumuntersuchungen vorgenommen. Dass die Eröffnung habe abgesagt werden müssen, sei aber allemal ärgerlich. Schon das Richtfest des weit über fünf Millionen Euro teuren Anbaus musste Anfang des Jahres erst verschoben werden, fiel dann witterungsbedingt ganz aus. Nun die Absage der Einweihungsfeier. „Wir sind schon enttäuscht. Das fällt wohl in die Kategorie ,shit happens‘“, sagte Iris Portius. „Aber wir haben eine Fürsorgepflicht. Und wir wissen ja, was wir bekommen. Nun müssen wir eben noch ein paar Tage warten.“

Obwohl der Neubau laut Klaus-Dieter Schulz „sauber“ ist, werde der naturwissenschaftliche Trakt während der Untersuchungen nicht genutzt. „Wir versuchen, den Unterrichtsausfall so weit wie möglich aufzufangen“, so Portius. Weil auch im alten, gelben Klinkerbau eine mögliche Schadstoffbelastung geprüft wird, haben die Schüler der fünften bis achten Klassen heute noch frei. Gestern wurden sie in der ersten Unterrichtsstunde von ihren Lehrern informiert und danach vorzeitig nach Hause geschickt. „Ich hoffe, dass uns ab Montag alles wieder zur Verfügung steht“, erklärte die Schulleiterin.

Hochgefährlich
Asbest kommt in Erzen vor und wird unter und über Tage gefördert, aus dem Erz wird durch Abspaltung die Silikatfaser gewonnen. In Russland gibt es eine Ortschaft namens Asbest, daher hat der Stoff seinen Namen.

An der Farbe unterscheidet man verschiedene Arten von Asbest. Er ist sehr fest, hitze- und säurebeständig. Damit erwies er sich als ideal für industrielle Verwendung, er wurde zur Feuer- und Wärmeisolation verwendet, überall im Bau eingesetzt.

Die gesundheitlichen Gefahren, die von Asbest ausgehen, führten dazu, dass sein Einsatz in Europa komplett verboten ist. Er muss aus Bauten entfernt werden. Der Stoff gilt als sehr stark krebserregend. Asbest kann neben Krebs auch zu Asbestose führen. Seine sehr feinen Fasern beschädigen die Lungenbläschen.

Asbeststaub ist unsichtbar. Seine Fasern sind so fein, dass auf einem Stecknadelkopf rund 50 Millionen Fasern Platz fänden.

Ulrike Benthien

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