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Asyl-Angst am Redderkrug: „Wie sollen wir uns schützen?“

Eutin Asyl-Angst am Redderkrug: „Wie sollen wir uns schützen?“

Die Stadt will in dem Hotel am Rande Eutins bis zu 60 Flüchtlinge unterbringen / Anwohner reagieren auf Info-Abend teilweise entsetzt / Sie fürchten das Schlimmste.

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„Es gibt überall gute und schlechte Menschen“: Der Französischlehrer Ayman Alhallak (l.) und der Arzt Osama Tlass, beide aus Damaskus, stellten sich auf dem Info-Abend auch Fragen zu den Übergriffen.

Eutin. Was die Meinungsumfragen im Großen zeigen, das konnte Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (CDU) am Mittwochabend im Kleinen erleben. Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten hat sich die Stimmung gegenüber Flüchtlingen gedreht. Schulz hatte einen schweren Stand, als er die Anwohner im Gebiet „Am Redderkrug“

über die Pläne der Stadt informierte, im dortigen Hotel schon in den nächsten Tagen Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge einzuquartieren. Angst und Ablehnung, Ärger und Argwohn schlugen dem Bürgermeister entgegen, der von Julia Lunau aus dem Ordnungsamt und Eutins Flüchtlingskoordinatorin Sophia Schutte begleitet wurde. Zu hören bekamen sie aber auch nüchterne Stimmen und konstruktive Vorschläge.

Schulz hatte kaum das Wort ergriffen, da wurde er von Fragen und Einwürfen unterbrochen. Viel zu spät komme diese Einwohner-Infoveranstaltung. Immerhin habe Gastronom Andreas Maaßen den „Redderkrug“, in dem auch der Info-Abend stattfand, schon im Herbst der Stadt als Asyl-Unterkunft angeboten. Die Stadt habe Fakten geschaffen, von denen sie als betroffene Bürger erst aus der Zeitung erfahren hätten, machten sich Anwohner Luft. „So entstehen verhärtete Fronten“, hieß es.

Schulz begründete das lange Schweigen mit dem Wunsch des Hoteliers. Auch sei der Mietvertrag erst in der Weihnachtszeit geschlossen worden. Die Rechtfertigung konnte die Gemüter nicht beruhigen. „Sie nehmen Rücksicht auf Maaßen, aber nicht auf uns“, schallte es dem Bürgermeister entgegen.

Der Hotelbesitzer — er verfolgte die Debatte teilnahmslos in einer Ecke des Saals — hat das Haus am Großen Eutiner See für fünf Jahre vermietet. Bis zu 60 Flüchtlinge sollen dort, drei Kilometer außerhalb von Eutin, untergebracht werden. Viele werden voraussichtlich aus Syrien oder dem Irak kommen. Einfluss darauf habe die Stadt aber nicht, so Schulz. Die ersten Bewohner sollen Ende Januar, Anfang Februar einziehen — Familien mit Kindern, aber auch junge Männer, erläuterte Schulz. Genau das treibt viele im Umfeld des Redderkrugs um. Sie fürchten, dass es nun auch dort zu Belästigungen kommt.

Sie müsse jeden Abend mit dem Hund an der künftigen Flüchtlingsunterkunft vorbei, „ich fühle mich bedroht“, meinte eine Frau. „Frauen, die allein sind, sind äußerst gefährdet“, stimmte ein Mann zu.

Für seine Ehefrau sei wohl nun Schluss mit dem morgendlichen Walken.

„Wie schützen wir uns? Was sage ich meiner Tochter? Sie sieht gut aus, wie soll sie sich verhalten?“, fuhr Fritjof Sach die Stadtvertreter an. Sach war an diesem Abend der lauteste Kritiker, immer wieder riss er das Wort an sich. Der Hinweis von Sophia Schutte, sie habe bei ihrem täglichen Umgang mit Flüchtlingen noch nie Anzüglichkeiten erlebt und wisse auch nichts von Übergriffen gegen die vielen ehrenamtlich tätigen Frauen, konnte Sach nicht beruhigen. „Sie hoffen, dass nichts passiert, aber Sie können keine Garantie geben“, ereiferte er sich.

Eine weitere Frau aus dem Publikum fragte nach der Verpflegung der Neuankömmlinge. Man höre ja immer wieder, dass diese Mobiliar zerschlügen, um auf offenem Feuer ihr Essen zu garen. Sie konnte beruhigt werden. Die Appartements haben Kochgelegenheiten. Ernster nahm Schulz die Anregung, eine Rezeption in dem großen, abgelegenen Haus zu schaffen. Der Wunsch nach intensiverer Betreuung, am besten rund um die Uhr, war groß. Das aber sei nicht zu leisten, dämpfte Schulz. Vier Betreuer stehen für alle Eutiner Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung. Auch Treffen zum Kennenlernen wurden angeregt. Im sachlichen Ton wurde das Fehlen ein Konzepts für den Redderkrug bemängelt.

Am Ende der fast zweistündigen Debatte berichteten die beiden Syrer Ayman Alhallak (33) und Osama Tlass (36) über ihre Flucht, die Kriegsgefahren und die Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat. Als Arzt habe er 4000 Dollar verdient, er sei nicht nach Deutschland gekommen, um hier Sozialhilfe zu beziehen, versicherte Tlass. Beide hoffen, dass bald auch ihre Familien nachkommen können. „Ich würde meine Familie nie allein lassen“, hielt ihnen Sach entgegen. pet

„Nee, das lass‘ ich mir mit 66 Jahren nicht sagen.“
Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz zum Einwurf, sein Weltbild sei völlig falsch.

LN

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