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Ostholstein Attacken auf „Benny“ — den Eltern reicht‘s
Lokales Ostholstein Attacken auf „Benny“ — den Eltern reicht‘s
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22:30 10.03.2016
Gosia Finke hat in Häven einen „Benny“ aufgestellt. Schräg gegenüber erinnert ein Holzkreuz an einen tödlichen Unfall. Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen
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Häven

Wenn Gosia Finke in Häven nach rechts aus ihrem Wohnzimmerfenster blickt, sieht sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein kleines Holzkreuz, umrahmt von Blumen. Und schaut die 41-Jährige nach links, fällt ihr dort das leuchtend grüne Verkehrsmännchen „Benny“ ins Auge. Ihre Familie, zu der Ehemann Karsten (42) sowie die Kinder Florentin (8) und Timon (12) gehören, hat es dort hingestellt. „Slow“, also „langsam“, steht auf seinem Körper. Es soll Autofahrern bewusst machen, dass sie im Ort unterwegs sind, wo höchstens 50 Stundenkilometer erlaubt sind, und dass Fußgänger in der Nähe sein könnten.

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Wenn Gosia Finke in Häven nach rechts aus ihrem Wohnzimmerfenster blickt, sieht sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein kleines Holzkreuz, umrahmt von Blumen.

„Ganz oft gibt es hier Situationen, in denen es knapp vor knapp ist.“ Gosia Finke,

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„Benny“ hat die Familie Finke erst vor ein paar Tagen wieder aus der Nachtruhe gerissen. „Es war genau so wie vor einem Jahr. Nachts hörte ich Türen knallen, ging zum Fenster und sah ein Auto wegfahren. Benny lag umgekippt auf der Seite.“ Doch damit diesmal nicht genug: Die Fahne, die er warnend vor sich hielt, war verschwunden.

„Wer macht so etwas?“ fragt Gosia Finke verbittert und berichtet vom ersten „Benny“. Der wurde Ende des Sommers 2014 komplett gestohlen. Finkes nahmen gleich danach wieder Kontakt zu einer Firma in den Niederlanden auf, bestellten dort einen etwa 50 Euro teuren neuen „Benny“ und füllten zu Hause flüssigen Beton in ihn hinein. Außerdem befestigten Karsten Finke und ein Nachbar ihn auf einer dicken Steinplatte, so dass es jetzt unmöglich ist, „Benny“ aus Häven zu entführen. Auf der durch den Ort führenden Kreisstraße 15 hat es allein in den vergangenen zwei Jahren drei folgenschwere Unfälle gegeben. Kurz bevor Finkes 2014 in das etwa 110 Einwohner zählende Dorf in der Gemeinde Ratekau zogen, prallte ein mit drei Jugendlichen besetztes Auto gegen den dem Grundstück gegenüberliegenden Baum. Ein Jugendlicher starb. Kurz vor ihrem Einzug verunglückte auch ein Motorradfahrer schwer.

Sechs Wochen, nachdem die Familie ihr neues Zuhause bezogen hatte, prallte ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf einen am Straßenrand parkenden Wagen, weil der Fahrer wegen des Gegenverkehrs nicht mehr ausweichen konnte. „Hier im Ort wird meistens zu schnell gefahren“, beschwert sich Gosia Finke. Ein Überqueren der Straße sei aber oftmals notwendig, da es lediglich auf der gegenüberliegenden Seite einen Geh- und Radweg gibt. „Ganz oft gibt es hier Situationen, in denen es knapp vor knapp ist“, beobachtet die Frau immer wieder. Dabei sei die Lage nicht nur für Kinder sehr gefährlich.

Bedroht davon, überfahren zu werden, seien häufig auch die älteren Menschen.

Familie Finke hat sich schon an verschiedenen Stellen erkundigt, ob im Ort verkehrsberuhigende Maßnahmen eingeführt werden können. Überall sei aber ein „Nein“ zu hören gewesen. „Muss denn erst wieder ein Mensch tödlich verunglücken, ehe hier etwas geschieht?“ fragt Gosia Finke.

Sie glaubt fest daran, dass „Benny“ einige Autofahrer vom Rasen abhält. Umso wütender ist sie über diejenigen, die dem kleinen Verkehrsmännchen Böses antun. „Vielleicht machen das Autofahrer aus Wut darüber, dass sie ‘piano‘ fahren sollen“, mutmaßt die Mutter. Eine andere Erklärung: „Oder aber es sind Zeitgenossen, die selber einen ‘Benny‘ aufstellen möchten.“

Für sie hat Gosia Finke einen guten Tipp: „Es haben schon Leute bei uns geklingelt und gefragt, wo es die Männchen zu kaufen gibt. Natürlich haben wir ihnen die Adresse gern gegeben.“

Von Christina Düvell-Veen

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