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Auf dem Weg zum Aktionsplan „Barrierefreiheit und Inklusion“

Heiligenhafen Auf dem Weg zum Aktionsplan „Barrierefreiheit und Inklusion“

In Heiligenhafen arbeiten Stadt und der Beauftragte für Menschen mit Behinderung an moderner Infrastruktur.

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Das Kopfsteinpflaster auf dem Markt ist eine Barriere.

Heiligenhafen. Eine ältere Dame mit Rollator nähert sich dem Aktiv- Hus. An der Tür angekommen greift sie nach dem Handlauf, möchte in das Gebäude hineingehen. Doch sie hat zu kämpfen, steht im Türspalt und es passiert einige Momente nichts. Bis ein Mann ihr zur Hilfe eilt und die Tür aufhält.

Diese Tür ist Anlass für die Hälfte aller Beschwerden, die der Behindertenbeauftragte Heiligenhafens, Dr. Axel Zander, erhält. „Diese Tür ist aus heutiger Sicht eine Fehlplanung. Doch wie ich hörte, wird dieser Zustand nun verbessert durch eine elektrische Variante“, erklärt Zander. Barrierefreiheit ist das große Thema für den Behindertenbeauftragten. Und die Zeit drängt. Denn bis April 2016 hat sich die Stadt verpflichtet, einen Aktionsplan vorzulegen und damit der UN-Behindertenrechtskonvention von 2007 zu entsprechen. Diese verfolgt ein hehres Ziel: die völlige Gleichheit aller Menschen.

Doch der Zeitplan ist aus personellen Gründen nicht einzuhalten. Denn der bisherige Stadtmanager Oliver Behncke, der sich in die Thematik eingearbeitet hatte, verließ die Stadt in Richtung Fehmarn.

Seine Nachfolgerin Sandra Hamer findet sich erst neu in den Themenbereich ein. Aber sie steht nicht allein da. Der neue Seniorenbeirat hat sich eingeschaltet und ist im Rathaus vorstellig geworden.

Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) und Bauamtsleiter Roland Pfündl kündigten an, dass sich von Hamer ausgehend ein Arbeitskreis bilden soll.

Zander ist vorab mit den LN Teile der Stadt abgefahren. Er wies auf positive wie negative Beispiele zur Barrierefreiheit in der Warderstadt hin. Positiv fiel sogleich auf dem Weg vom Aktiv-Hus in die Innenstadt die Binnenseepromenade ins Blickfeld. Urteil Zander: „Hervorragend gelöst, viel Raum für alle Fußgänger und Radfahrer.“ Dieses gelte auch für die neue Promenade. Beim Rathaus angekommen, liegen Freud und Leid dicht beieinander. „Das neue WC am Rathaus gefällt mir im Entwurf sehr, auch wenn vor der Tür zu wenig Platz zum Rangieren vorhanden ist.“ Negativ sei das Kopfsteinpflaster auf dem Markt zu sehen. „Viele Menschen können diesen nicht oder nur mit großer Anstrengung passieren.“ Ähnliches gelte für den Zustand vieler Gehwege im Stadtgebiet. Bordsteine seien nicht abgesenkt oder im Bereich von Bushaltestellen nicht erhöht, um leichter in die Busse zu gelangen.

Bedenken meldet Zander auch beim Entwurf des neuen Bildungs- und Kulturzentrums an. Er sagt: „Ich präferiere für das zweistöckige Gebäude einen Fahrstuhl, der zwar im ersten Schritt kostenintensiv ist, sich aber für die Menschen auszahlen wird.“ Im Entwurf des Architekten müssen derzeit Gehbehinderte, die sich im Erdgeschoss aufhalten und dann in die Stadtbibliothek in den ersten Stock gehen wollen, aus dem Gebäude heraus und dann einmal außen herum bewegen. Beide Gebäudeebenen haben einen eigenen Eingang.

Nach Aufzählung all dieser kleinen Missstände kommt Zander zu seinem Schluss: „Die Aufgabe der Inklusion ist eine große Herausforderung. Daher macht es aus meiner Sicht großen Sinn, einen hauptamtlichen Inklusionsbeauftragten einzustellen.“ Die hohe Altersstruktur im Kreis Ostholstein und damit auch in Heiligenhafen führe dazu, dass etwa zehn Prozent der Menschen schwerbehindert seien. Bundesweit seien es im Durchschnitt acht Prozent.

Daher glaubt Zander: „Die Themen Inklusion und Barrierefreiheit werden in ihrer Bedeutung weiter dazugewinnen.“ Umso mehr begrüße er auch den Entschluss der Stadt, den Aktionsplan konzeptionell auszuarbeiten. Auch wenn die Gleichheit aller Menschen noch weit entfernt sei.

UN-Konvention
Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen: Menschenrechtsübereinkommen der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006; von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen; am 3. Mai 2008 in Kraft getreten; sie beinhaltet eine Vielzahl spezieller, auf die Lebenssituation behinderter Menschen abgestimmte Regelungen.

Peter Mantik

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