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Ostholstein Aufklärer: Einsatz in der Geisterstadt
Lokales Ostholstein Aufklärer: Einsatz in der Geisterstadt
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22:58 30.08.2018
Für das Üben mit Panzern ist das Gelände ideal. Hier sind Soldaten mit dem Mini-Panzer „Wiesel“ auf einer der endlosen Straßen unterwegs.
Eutin

Schnöggersburg ist ein Ort, den es gar nicht gibt. Und doch steht er da, im nördlichen Teil des Truppenübungsplatzes Altmark, auch bekannt als Colbitz-Letzlinger Heide. Das Gelände ist 23000 Hektar groß, geschichtsträchtig und bietet jede nur denkbare Möglichkeit, um Krieg zu üben. Irgendwo auf diesem riesigen Gelände haben sich die Eutiner Aufklärer versteckt. Eingegraben, unter Zweigwerk gekauert, hinter Mauern geduckt, unter Tarnnetzen verborgen. Es geht nicht nur darum, nicht gesehen zu werden, sondern vor allem darum, zu sehen. Aufzuklären. Informationen zu sammeln über den Gegner. Den gibt es in Form von echten Soldaten. In diesem Fall denen des Jägerbataillons 413 aus Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern). Sonst Schwesterbataillon der Eutiner, jetzt Gegner, mit 1000 Soldaten in der Heide. An der Seite der Eutiner stehen 400 Soldaten von der Stammbesatzung des Güz, des Gefechtsübungszentrums, mit den Panzern „Marder“ und „Leopard“. Für die leisten die Aufklärer den Service der Informationsbeschaffung.

Die Eutiner Aufklärer sind ausgeflogen. 300 Soldaten mit 100 Fahrzeugen proben zwei Wochen lang in Sachsen-Anhalt den klassischen Krieg. Den zwischen regulären Armeen. Zum ersten Mal agiert das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ dabei in einem sogenannten urbanen Umfeld.

Alles, was die Eutiner, auch mit der Hilfe von Drohnen, herausfinden, melden sie an ihren Gefechtsstand. Dort laufen alle Fäden beim Kommandeur, Oberstleutnant Tobias Aust, zusammen. „Wir haben Augen am Boden und in der Luft“, erklärt er, während er vor einer großen Karte steht. „Zaunkönig. Konditor. Frage verstanden“, spricht er in einen Hörer. Es sind Decknamen für Kompanien.

Aust definiert, was die Aufklärer in der Übung leisten. „Der Auftrag ist ganz klassisch, wir klären für eine Brigade auf. Was für uns neu ist, ist das urbane Umfeld, das haben wir nie geübt.“ Mit dem urbanen Umfeld ist das geheimnisvolle Schnöggersburg gemeint. Eine Stadt mit Geschäftshäusern, Rathaus, Museum, Industriegebiet, Elendsviertel, mit Reihenhäusern und Hochhäusern, mit Fluss, Straßen, sogar einem Flugplatz. Aber ohne Fenster, ohne Dächer, ohne Heizungen, ohne Menschen. Eine Stadt, gebaut, um Kämpfe darin auszufechten. „Der Krieg der Zukunft findet vermutlich in Städten statt.

Damit müssen wir uns auseinandersetzen“, sagt Aust.

Mit der Zeit im Güz folgt er seinem Credo: „Es geht nichts übers Üben. Man muss es machen.“ Was das Bataillon jetzt in der Heide gemacht hat, ist das Größte und Anspruchsvollste, was es dazu gibt.

Oder wie es der Kommandeur ausdrückt: „Das hier ist der Höhepunkt, mehr können wir nicht üben.“ Dann widmet er sich wieder seiner Aufgabe. Denn in Schnöggersburg tobt das Gefecht.

Dabei fällt kein einziger scharfer Schuss, selbst wenn geschossen wird. Das Gefechtsübungszentrum ist hochmodern, es stattet Soldaten, Waffen und Fahrzeuge mit Agdos aus, dem Ausbildungsduellsimulator. Statt Kugeln fliegen Laser, der Soldat kann sofort sehen, ob und wo er getroffen wurde. Die Ergebnisse werden aber auch digitalisiert und stehen zur Auswertung bereit.

Abgesehen vom Schießen ist sonst alles so wie in einem echten bewaffneten Konflikt. Dazu gehört auch, dass rund um die Uhr gearbeitet wird, im Schichtbetrieb, und dass die Soldaten in einer Zeltstadt schlafen. Fürs Wohlbefinden, für Verpflegung und den Snack zwischendurch, für ausreichend Kaffee, für funktionierenden Funkbetrieb und für Reparaturen an den Fahrzeugen ist die 1. Kompanie mit ihrem Spieß Oberstabsfeldwebel Leif Knaak zuständig. „Wir machen alles, damit es den Männern gut geht“, versichert der. Was verschweigt, dass auch Frauen unter den Soldaten sind. Im Bundeswehr-Sprech heißen die bei den Aufklärern Sensoren, genauso wie ihre Späh- und Aufklärungstechnik. Das ist geschlechtsneutral, ändert aber nichts daran, wie hart so eine Übung ist. Oder wie es Knaak formuliert:

„Die Sensoren sind durchgehend im Feld.“

Wer Glück hat, erspäht dabei sogar mal einen Wolf, der vorbeizieht. Einen mit vier Beinen, nicht den Bundes-Geländewagen namens „Wolf“.

Von Susanne Peyronnet

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