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Ostholstein Aufstand gegen das Angel-Verbot: Verbände schmieden Allianz
Lokales Ostholstein Aufstand gegen das Angel-Verbot: Verbände schmieden Allianz
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22:40 22.04.2016
Hochseeangeln auf der „MS Einheit“ aus Heiligenhafen: Angler Olaf aus Berlin zeigt einen etwa drei Kilogramm schweren Dorsch. Quelle: Peyronnet

 Neben einer Unterschriftenaktion planen die Bündnispartner Protestaktionen und als letztes Mittel auch rechtliche Schritte. Die Kampagne steht unter dem Motto „Angeln verboten — wir wehren uns, mach mit!“

Protestaktionen, Unterschriftensammlungen und notfalls rechtliche Schritte sollen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zum Einlenken veranlassen.

Die Unterstützer

Sie unterstützen die Aktion „Angeln verboten — wir wehren uns“: Deutscher Angelfischerverband, Deutscher Fischerei-Verband, Deutscher Meeresanglerverband, Verband der Bäder- und Hochseeangelschiffbesitzer, Tourismusverband MV, Landesanglerverband MV, Tourismusverband SH, Landessportfischerverband SH, Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh), Unternehmensverband Ostholstein-Plön, Heiligenhafener Verkehrsbetriebe, der Angelgerätehersteller Zebco Europe.

Als „Ausdruck einer willkürlichen Verbotskultur“, kritisierte Peter Breckling, Geschäftsführer vom Deutschen Fischerei-Verband, die Absicht von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), acht Gebiete in Nord- und Ostsee unter Naturschutz zu stellen und dort die Freizeitfischerei komplett zu verbieten. Heiligenhafen und Fehmarn sind als Angel-Eldorado besonders betroffen. Rund zehn Prozent des gesamten Tourismus-Umsatzes erwirtschafte Heiligenhafen mit der Angel-Kundschaft, erläuterte Manfred Wohnrade von den Heiligenhafener Verkehrsbetrieben. Komme es zum Angel-Verbot im Fehmarnbelt, fiele die Hälfte der Fischgründe weg. „Für unseren Tourismus wäre das katastrophal“, sorgte sich Willi Lüdtke, der selbst in Burgstaaken Hochseeangeltouren anbietet und für den Verband der Bäder- und Hochseeangelschiffbesitzer sprach.

Besonders bringt Kutterbetreiber, Sportfischer und Touristiker auf, dass das Umweltministerium seine Verbotspläne nicht begründen könne. Sie verweisen auf das des Thünen-Institut für Ostseefischerei.

Das sieht „keinerlei Notwendigkeit für eine Einschränkung der Freizeitfischerei“, um wie vorgegeben Sandbänke, Riffe und Schweinswale zu schützen. Von den Anglern gehe keine Beeinträchtigung des Meeresbodens aus. Und dass sie den Schweinswalen die Fische wegfingen, sei ebenfalls „sehr unwahrscheinlich“, urteilen die Rostocker Forscher.

„Angeln ist eine besonders schonende Form der Fischerei“, meinte denn auch die Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes, Christel Happach-Kasan. Über den von Ministerin Hendricks nachgeschobenen Hinweis auf über Bord gehende Angelgeräte als Gefahrenquelle können die Verbandsvertreter nur lachen, weil nicht nachvollziehbar. Sie halten die beabsichtigen Pauschalverbote für unverhältnismäßig und substanzlos. Freiwillige Vereinbarungen wären möglich gewesen, meinte Robert Vollborn vom Landessportfischerverband Schleswig-Holstein, etwa ein zeitweiser Rückzug aus den Laichgebieten des Dorsches. Jetzt sei die Situation ausgesprochen verfahren. Vollborn: „Druck erzeugt immer Gegendruck.“

Den will das Bündnis jetzt in ganz Norddeutschland machen: mit öffentlichen Aktionen, dem Mobilisieren von Abgeordneten und notfalls mit rechtlichen Mitteln. „Das Verbot des Bundesumweltministeriums muss weg. Hier wird nichts besser gemacht, hier wird verschlimmbessert“, formulierte Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) die Stoßrichtung. Auf Ablehnung stieß in der Runde ein Vorschlag der SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn. Sie regte Einzelfallregelungen an, die sowohl den Naturschutz gewährleisteten als auch den Angelkuttern eine Perspektive gäben. „Wenn die Angelei weiter gehen soll, geht das nicht mit Ausnahmeregelungen. Wir brauchen Planungssicherheit“, meinte Lüdtke.

Erste kleine Erfolge können die Kritiker des Angelverbots, zu denen auch Hagedorn zählt, bereits verbuchen. Am 10. Juni werde Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth auf ihre Einladung hin in Ostholstein das Gespräch mit Betroffenen suchen, kündigte Hagedorn an. Happach-Kasan hat aus dem Ministerium gehört, dass sich die ursprünglich für den 10. Mai geplante Verabschiedung der Verordnung verzögert. Es gebe noch intensiven Beratungsbedarf. pet

LN

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