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11:56 18.02.2016
Jochen Rosehr und Claudia Freutel (Niederlassungsleiterin der Fielmann-Filiale in Eutin) mit den restaurierten Porträts von „Otto Hellwag“ und „Henriette Hellwag“. Quelle: Fotos: Ulrike Benthien

Auf Otto Hellwag wurde geschossen, zwei Kugeln flogen ihm knapp rechts und links am Kopf vorbei. Zum Glück für den Enkel des bekannten Eutiner Arztes Christoph Friedrich Hellwag (1754 bis 1835) geschah das nicht zu seinen Lebzeiten, angelegt wurde — vermutlich von Besatzern nach dem Zweiten Weltkrieg — auf ein Porträt von Otto. Gefertigt hatte es 1873 ein unbekannter Maler, der damals auch Ottos Frau Henriette auf Leinwand bannte.

Beide Gemälde sowie zwei weitere aus dem Bestand des Eutiner Ostholstein-Museums wurden auf Kosten der Fielmann AG restauriert. Zusätzlich beschenkte Kunsthistoriker Jürgen Ostwald, unterwegs im Auftrag Prof. Günther Fielmanns, Museumsleiterin Dr. Julia Hümme mit einem weiteren Ölgemälde.

Erweitern und erhalten

Seit 2010 besteht die Zusammenarbeit zwischen der Fielmann AG und dem Ostholstein-Museum. Mit finanzieller Hilfe wird der Sammlungsbestand des Museums erweitert und konservatorisch unterstützt.

„Haus und Dachdecker, Eutin“ von Gustav Marx (1855-1928) zeigt zur großen Begeisterung von Hümme und Carsten Behnk, Geschäftsführer der Kulturstiftungen des Kreises, die Torhäuser am Eingang zum Bauhof. Im Dachstuhl sitzt ein Arbeiter, der neues Reet aufbringt — eine Situation, wie sie ähnlich erst vor wenigen Wochen zu beobachten war, als die Gebäude frisch eingedeckt wurden.

Marx hat die Torhäuser im Jahr 1882 gemalt — „damit haben Sie ein wichtiges Teil Eutiner Stadtgeschichte“, so Ostwald. Für Julia Hümme „mit Abstand das beste“. Es solle auch in die Dauerausstellung und werde so in diesem Jahr ein Verweis auf die Landesgartenschau sein.

Entdeckt hat Jürgen Ostwald „Haus und Dachdecker“ auf einer Auktion in Bremen. Die Hoffnung, es nach dem Einstiegspreis von 300 Euro für „kleines Geld“ erwerben zu können, habe sich aber schnell zerschlagen. „Da muss es mindestens einen Mitbieter aus Eutin gegeben haben. Am Ende war der Betrag doch reichlich vierstellig.“

Alle fünf Gemälde — zu den bereits genannten noch Ölgemälde von Otto Lindemann („Frühling“/1910) und César Klein („Herbststürme“/1933) — wurden in den vergangenen Monaten vom Kieler Restaurator Jochen Rosehr liebevoll aufgefrischt: Er entfernte Übermalungen, säuberte die Bilder, rahmte sie teilweise neu. Die Einschusslöcher auf der Leinwand vom Otto-Hellwag-Porträt entdeckte er während seiner Arbeit: „Sie waren mit Autospachtel zugeschmiert und übertüncht worden.“

An der Echtheit des Klein-Gemäldes habe er zunächst leicht gezweifelt, so Rosehr. „Die Rückseite besteht aus einer Holzfaserplatte, wie man sie heute noch verwendet. Da musste ich erst mal die Entstehungsgeschichte von Holzfaserplatten googeln.“ Den Rahmen zu seinem Werk habe Klein selbst gefertigt, berichtet Jürgen Ostwald, der die „Herbststürme“ als eines der bedeutendsten Werke des Hauses bezeichnet. Das Ostholstein-Museum hat es 2014 nach der Schau „César Klein — Leben und Kunst“ vom damaligen Eigentümer geschenkt bekommen. Es hat laut Ostwald einen Wert „im fast sechsstelligen Bereich“.

ben

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