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Ostholstein Aus für das Scharbeutzer „Beachclub“-Kino?
Lokales Ostholstein Aus für das Scharbeutzer „Beachclub“-Kino?
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10:11 09.12.2015
Seit 2012 wird das Scharbeutzer Kino von Birte und Jens Friedländer betrieben. Nach einem Brand ist es nun seit dem 15. November geschlossen. Die Zukunft vom „Beachclub“ ist ungewiss. Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen
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Scharbeutz

Wird das Kult-Kino an der Scharbeutzer Seestraße wieder einmal und damit sogar endgültig geschlossen? Wird gar das gesamte Gebäude abgerissen, oder nimmt der „Beachclub“ nach den erforderlichen Reparaturen an der Technik den Betrieb wieder auf? Fragen, die sich Scharbeutzer und Urlauber stellen. Seit Sonntag, 15. November, stehen sie vor verschlossenen Türen. Lediglich ein Zettel informiert mit der handschriftlichen Notiz: „Das Kino bleibt wegen eines technischen Defektes vorübergehend geschlossen.“

Antworten auf die vielen Fragen kann selbst Inhaberin Birte Friedländer, die das Traditions-Kino 2012 mit Ehemann Jens übernahm und modernisierte, nicht geben. „Nach dem Feuer habe ich den Betrieb erst einmal abgemeldet.“ Und zwar bei den Filmverleihern, auch Sky-Gebühren fallen zurzeit nicht mehr an. Betroffen sind aber auch die beiden Mitarbeiter im Service, die sich eine Stelle teilten.

Auslöser des Feuers kurz vor Vorstellungsbeginn war an dem bewussten Sonnabend vor etwa drei Wochen ein Kurzschluss in einem Lüftungsaggregat. Dabei entstand eine Stichflamme. Verletzt wurde niemand.

Alle Besucher, die sich vor der nächsten James Bond-Vorführung von „Spectre“ im Foyer versammelt hatten, verließen das Kino und verfolgten den Einsatz der Wehren aus Scharbeutz, Haffkrug und Schürsdorf aus der Ferne.

Fachleute werden die Schadenssumme jetzt genau berechnen, die Versicherungen werden befragt, und dann werden Friedländers — vermutlich Anfang nächsten Jahres — entscheiden, ob es mit dem Kino weitergeht.

„Ausgerechnet bei einem James Bond-Film musste das mit dem Feuer passieren“, bedauert Birte Friedländer, und weiter: „Gerade dann, wenn wir mal ein volles Haus haben.“ Die 20-Uhr-Vorführung sei bereits ausverkauft gewesen. Vor zwei Jahren sei im Beachclub schon einmal ein Bond-Film gezeigt worden. „Damals haben wir endlich mal Geld verdient“, so Birte Friedländer.

Zu den übrigen Zeiten sei das Kino-Geschäft aber sehr schwierig. Auf der einen Seite gebe es die Filmverleiher, die immer höhere Ansprüche stellten. So seien die Konditionen für Kinos mit nur einem Saal weitaus schlechter als für große Betriebe. Kleine Kinos bekämen aktuelle Filme beispielsweise zwei bis drei Wochen später als andere, müssten einen Streifen oft dreimal täglich spielen und bekämen auch noch vorgegeben, wie lange die Filme zu zeigen sind. Auf der anderen Seite komme hinzu, dass die Scharbeutzer nicht kinobegeistert seien. Birte Friedländer: „Wenn ich all die, die sich jetzt über das geschlossene Kino beklagen, frage, wann sie zuletzt bei uns waren, höre ich oft ,noch nie‘ oder ,damals‘“. Dabei sei ein Kinobesuch unvergleichlich erlebnisreicher als ein Fernsehabend zu Hause.

Kino-Gutscheine, die bereits ausgestellt wurden, können nach Angaben von Birte Friedländer in dem benachbarten Blumengeschäft eingelöst werden.

Wechselvolle Kino-Geschichte
Die Familie Kahlin übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg in Scharbeutz das Lichtspielhaus der Engländer. Es befand sich direkt am Strand.



Tochter und Erbin Renate Kahlin, eine Schauspielerin, übernahm den Betrieb, nachdem ihr Vater an einem Herzinfarkt gestorben war. Dies geschah noch vor dem Richtfest für den Kino-Neubau an der Seestraße. Ab 1957 führte Renate die Geschäfte gemeinsam mit ihrer Mutter Erna Kahlin.



Holger Zilken trat 1963 ins Leben von Renate. Das Paar heiratete, sie nannte sich fortan Zilken-Kahlin. Sohn Axel kam zur Welt. Mehrere Jahrzehnte führte die kleine Familie den Kinobetrieb.

Ostern 2012 wurde das Kino nach einer längeren Veranstaltungspause von Jens und Birte Friedländer wiedereröffnet.



Am 14. November 2015 sorgte ein Kurzschluss für das vorübergehende oder gar endgültige „Aus“ im Kino.

Christina Düvell-Veen

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