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Ostholstein Auslandseinsatz in Kurdistan
Lokales Ostholstein Auslandseinsatz in Kurdistan
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20:36 29.08.2016

Die Motivation war für Arin Malka von Beginn an klar: „Ich wollte helfen und das Land, aus dem meine Familie und ich stammen, besser kennenlernen. Und dort anpacken, wo meine Hilfe gebraucht wird.“

Ihre Familie ist 2000 aus Nordirak nach Deutschland geflohen, lebt seit vielen Jahren in Heiligenhafen. Im August 2015 ging die 22-Jährige für ein halbes Jahr in ein Flüchtlingscamp. Ein „Auslandseinsatz für Unicef im wilden Kurdistan“, so ihr Vortragsabend bei „Ton & Text“ . Zeitweilig mit dabei war auch Armin Begic (25), ebenfalls ein Kriegsflüchtling, der mit seiner Familie bereits 1992 – damals war er zehn Monate alt – aus Sarajevo nach Deutschland kam.

In der „Kult(o)urnacht“ sprengte ihr gemeinsamer Abend den Rahmen. Denn Arin hat im Camp nicht nur bei der Hygiene-Aufklärung geholfen, sondern auch mit psychosomatisch traumatisierten Kindern gearbeitet, die erst mühsam wieder ihre Feinmotorik erlernen mussten. Vor allem mit dem Schicksal von Jesiden wurde sie konfrontiert. Beklemmend still ist es im schwül-warmen Raum, als Arin und Armin abwechselnd die Protokolle aus Gesprächen mit einer 28-jährige Frau vortragen.

„Sie wollte schweigen, konnte mir nicht in die Augen schauen“, notiert Arin. Nach und nach erfährt sie grauenhafte Details ihrer Verschleppung durch IS-Dschihadisten. Erinnerungen an Schreie und Todesängste, grausame Hinrichtungen bis zur gefährlichen Flucht, die wenigen Frauen gelingt.

Arin und Armin wollen aufklären und aufrütteln, schildern daher die ganze Wahrheit. Zwölf Tage ist sie in einer Halle mit Tausenden anderen Frauen eingesperrt – ohne Essen, Wasser oder Windeln für Säuglinge. Danach werden sie aufgeteilt in Frauen und Jungfrauen.

Arins Gesprächspartnerin vertraut ihr an: „426 Tage war ich gefangen und diente für jeden Zweck.“ Vor allem als Sex-Sklavin. Sie wird rund um die Uhr missbraucht, danach auf dem Markt wie andere Frauen auch wie Tiere behandelt und verkauft. „Ich glaube, dass ich nie wieder glücklich werde“, gesteht sie Arin. Die junge Frau aus Heiligenhafen, die sich mir Armin bis 15 Kilometer nah an die IS-Grenze wagt, hat trotzdem Hoffnungen. Denn zehn Tage nach diesem Gespräch kommt die Frau nach Deutschland, wo bereits zwei Schwestern leben.

gjs

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