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Ostholstein Ausnahmezustand rund ums alte Kloster
Lokales Ostholstein Ausnahmezustand rund ums alte Kloster
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08:53 13.08.2016
Die Klosterjäger Günter Köller (von links), Stefan Rademacher und König Henry Bax. Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter (5), Felix König (1)
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Cismar

Klosterfest bedeutet Ausnahmezustand. Wo sonst nur ein gutes Dutzend Cismaraner lebt, wollen seit gestern Tausende Besucher ein paar schöne Stunden verbringen, Händler und Handwerker beobachten und schicke Dekoartikel für Garten und Haus erwerben: die Rede ist vom Kunsthandwerkermarkt rund um das altehrwürdige Benediktiner-Kloster in Cismar. Die Parkplätze am Ortsrand sind bereits um 11 Uhr gut gefüllt. Kein Wunder, die Veranstaltung ist für seine hochwertigen Waren überregional bekannt. Urlauber und auch Einheimische schätzen das Flair.

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In Cismar wurde gestern das Klosterfest eröffnet – An zahlreichen Ständen wird live gewerkelt – Viele Kunsthandwerker sind seit Jahren dabei – Veranstaltung endet am Sonntag mit großem Feuerwerk.

Einer von ihnen ist Marian Cuber. Der Mann aus Glogówek in Oberschlesien ist studierter Germanist und beherrscht ein besonderes Handwerk. Er ist Bleiverglaser – in dritter Generation. „Vater hat entschieden, was die Kinder machen. Heute bin ich weit über 60 Jahre alt und stehe immer noch hier“, erzählt er fröhlich, während er einen Bekannten grüßt. Marian Cuber hat etliche Stammgäste und beste Verbindungen nach Ostholstein. „Kellenhusen und Oberglogau, so der deutsche Name meiner Heimat, haben eine Partnerschaft. Viele von uns arbeiten in Kellenhusen in der Gastronomie und im Hotelwesen“, erzählt Cuber. Nun hofft er, beim Klosterfest neue Aufträge zu bekommen. „Ich fahre bis Freiburg, wenn es sein muss.“

Nicht ganz so weit südlich ist Bianca Zettners Heimat. Die Frau aus dem Raum Erlangen (Frankenland) lässt Handpuppen produzieren. Die flauschigen Füchse, Waschbären und Hunde entstünden zum größten Teil in Heimarbeit. „Die Zuschnitte machen wir in unserer Firma. Anschließend sind die Näherinnen dran. Die schaffen drei bis vier Tiere in der Stunde“, so Zettner. Dass die Inhaberin von WASI, so der Unternehmensname, auf dem Klosterfest mit einem Stand vertreten ist, scheint fast selbstverständlich. Seit Jahren fährt sie im Sommer an die Ostsee, verbindet Urlaub und Arbeit miteinander. „In Bayern ist jetzt Sommerloch“, erläutert sie.

In Berlin anscheinend auch, warum sonst ist Katrin Kay Müller aus Kreuzberg hier und verkauft Lederwaren? Ihre Antwort: „Ich bin in Kellenhusen aufgewachsen. Außerdem ist das Klosterfest sehr hochwertig und es gibt keine China- Stände.“ Im Angebot hat sie gelaserte Armbänder und Brillenetuis. Die Zeit der Handytaschen hingegen sei fast abgelaufen.

Nicht abgelaufen, sondern ein Dauerbrenner, sind die hölzernen Stempel von Jens Moysich aus Winkelsett südwestlich von Bremen. Innerhalb weniger Minuten schneidet er mit Hilfe einer Dekupiersäge Namen aus einer Birkenholzplatte, klebt diese auf einen Stempel, kassiert 7,50 Euro und macht einen kleinen Jungen mit dem Namen Leander glücklich. „Das Publikum hier ist total entspannt. Es gibt keine Hektik. Bei anderen Märkten denke ich manchmal, dass ich auf der Autobahn bin“, sagt Jens Moysich. Anstrengend dürften die drei Tage dennoch werden. 13 Stunden haben die Stände täglich geöffnet. Holzschuhmacher Andreas Stuhr aus Schellhorn im Kreis Plön ist froh, dass die ganze Familie mitanpackt. „Das ist viel Arbeit, aber es gefällt uns hier sehr gut. Die Besucher sind toll drauf“, betont der Chef. Ein Blick über das Gelände bestätigt seine Ansicht schnell. Die Menschen wirken zufrieden, lassen sich treiben, kaufen ein und stärken sich zwischendurch mit Spanferkel, Wildbratwurst und anderen Leckereien.

Mehr Bilder im Internet

Weitere Impressionen vom diesjährigen Klosterfest gibt es auf unserer Internetseite www.LN-Online.de/Ostholstein.

Die Großveranstaltung in Cismar geht heute und morgen weiter. Das Gelände rund ums Kloster ist jeweils von 10 bis 23 Uhr geöffnet.

Ein Feuerwerk zum Finale gibt es am Sonntag um 22.45 Uhr.

Das Parken kostet Besucher zwei Euro. Die Einnahmen sollen für die Jugendarbeit des SC Cismar genutzt werden.

 Sebastian Rosenkötter

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