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Ostholstein Ausschuss präsentiert Verkehrskonzept für mehr Lebensqualität in Eutin
Lokales Ostholstein Ausschuss präsentiert Verkehrskonzept für mehr Lebensqualität in Eutin
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23:51 08.11.2013

Es gibt ein Verkehrsschild in der Eutiner Innenstadt, das hatte selbst der erfahrene Verkehrsplaner Professor Herbert Schade zuvor noch nirgends gesehen:

„Fahrverkehr hat Vorfahrt“ lautet die Aussage dieses Zeichens, und es findet sich gleich an zwei Punkten innerhalb des Stadtzentrums. Dies umzukehren in einen Vorrang für Fußgängerverkehr, ist einer der zentralen Punkte im Verkehrskonzept, das das Potsdamer Ingenieurbüro „StaadtPlan“ ergänzend zu den vorbereitenden Untersuchungen des Planungsbüros „complan“ erarbeitet hat.

Ausführlich erläuterten Hathumar Drost für „complan“ und Herbert Staadt den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstagabend, wo auf der Grundlage des Eutiner Potenzials systematisch ausgeführte Veränderungen und Umlenkungen zu einer Steigerung der Attraktivität der Altstadt für Bewohner und Gäste führen können. Ein Handlungsschwerpunkt liegt für beide am Bahnhof. Aus verkehrsplanerischer Sicht sei die räumliche Trennung des Busverkehrs durch die Verteilung auf zwei Zob-Standorte problematisch und wirke kontraproduktiv. Staadt schlug vor, die Voraussetzungen für eine Konzentration auf die dem Stadtzentrum zugewandte Bahnhofseite prüfen zu lassen und die Verlagerung des Busverkehrs auch in den Gestaltungswettbewerb, der in Kürze ausgeschrieben werden soll, aufzunehmen.

Ganz allgemein bescheinigte der Experte Eutin ein leistungsfähiges Straßennetz. Der Bau der Kerntangente habe eine Entlastung der Plöner Straße in einer Größenordnung von 30 bis 40 Prozent nach sich gezogen. Mit mehr als 900 öffentlichen Parkplätzen und einer Reihe zusätzlicher Kundenparkplätze sei Eutin auch in dieser Beziehung gut aufgestellt. Allerdings seien die Stellflächen nicht immer einfach zu finden: „Es fehlt ein Parkleitsystem für Ortsunkundige“, sagte Staadt. Für den Park+Ride-Bereich am Bahnhof sowie an der Heinrich- Westphal-Straße sieht er gute Möglichkeiten, Angebote für Dauerparker einzurichten. Generell gelte es, im Innenstadtbereich eine bloße Durchfahrt zu erschweren, gleichzeitig aber gute Bedingungen zu schaffen, das Zentrum zu erreichen. „Ich würde da experimentierfreudig sein“, ermunterte Staadt die Ausschussmitglieder.

Als konkrete Maßnahmen schlug er unter anderem vor, die Einbahnstraßenregelung von der Lübecker Straße bis ans Ende der Stolbergstraße aufzuheben, um so die hohe Kfz-Belastung in diesem Abschnitt zu reduzieren. Denn bei Gegenverkehr käme der Verkehr hier häufiger ins Stocken, so seine Annahme, und das ließe Autofahrer auf andere Straßen ausweichen. Am Rosengarten hält er eine Unterbrechung des Autoverkehrs bei Durchlässigkeit für Anwohner in Höhe der Einmündung Königstraße für sinnvoll. So bekämen die Fußgänger Vorrang, was zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beitrage. Kritisch beurteilte Staadt Fußgängerampeln als Regulierungsinstrument: „Sie wirken nur dort, wo sie stehen.“ Menschen müssten aber auch an anderen Stellen die Straße überqueren.

Nicht alle der zahlreichen Vorschläge stießen im Ausschuss auf Zustimmung: Die Ideen, die Einbahnstraßenregelung für die Albert-Mahlstedt-Straße neu zu überdenken und die Bushaltestelle vom Stadtgraben an die Kreuzung von Albert Mahlstedt-Straße und Peterstraße zu verlegen, wurden ablehnend kommentiert. Grundsätzlich jedoch nahmen die Stadtvertreter die Ausführungen offen auf und mit in die Fraktionen, wo sie nun beraten und mit eigenen Lösungsansätzen ergänzt werden sollen. „Lebensqualität auch auf der Straße“ gelte es zu erreichen, sagte Heinz Lange (FWE) und gab damit die Richtung vor, in die der Stadtverkehr künftig fließen soll.

Astrid Jabs

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