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Ostholstein Seelöwen-Projekt in Süsel auf der Kippe
Lokales Ostholstein Seelöwen-Projekt in Süsel auf der Kippe
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11:18 07.03.2019
Hungrige Seelöwen: John Burke (57) füttert seine großen Schützlinge Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Süsel

Isa und John Burke waren guter Dinge. Die Signale aus der Süseler Politik für ihr Projekt, auf einem Grundstück am Süseler Baum Pools für ihre vier Seelöwen zu errichten und dort das Schwimmen mit „Lou“, „Micky“, „Ozzy“ und „Lunita“ anzubieten, waren überwiegend positiv. Damit, dass der Planungsausschuss das Projekt jetzt ablehnte, haben die Tiertrainer nicht gerechnet. „Ich verstehe das nicht und bin komplett schockiert“, sagt John Burke. Seine Frau habe seit der Entscheidung kaum schlafen können.

Isa Burke hat ihrem Herzen auf Facebook Luft gemacht: „Wir brauchen Eure Hilfe“, appellierte sie an Freunde und Fans. Ihr Projekt sei gekippt, ihr Lebenstraum zerstört. Das Haus ihrer Familie stehe bereits zum Verkauf. Sie sei bereit, Deutschland ihren 47 Tieren zuliebe zu verlassen. Neben ihren Seelöwen, die bis zum Oktober 2017 eine Show-Attraktion im Sierksdorfer Hansa-Park waren, gibt Familie Burke nämlich noch Pferden, Ponys, Papageien, Hühnern, Schafen, Mini-Schweinen, Ziegen in ihrer „Casa Burke“ ein Zuhause – Tieren, die andere Menschen hätten loswerden wollen, sagt sie.

Ende Juni könnten die ersten Besucher kommen

Der Ausschuss hätte seine Ablehnung damit begründet, dass er an der Finanzkraft des Ehepaares zweifele, sagt John Burke. „Aber deshalb inserieren wir ja unser Haus, damit wir Kapital vorweisen können.“ Ein neues Heim für seine Familie und die Tiere habe er bereits in unmittelbarer Nähe des Süseler Baums gefunden. „Wir haben viele Sponsoren“, versichert der gebürtige Engländer. Auch die Firma, die die Pools bauen soll, wolle seine Frau und ihn unterstützen. „Wir könnten hier bald loslegen. Die Pools stehen innerhalb von zwei Wochen. Wenn wir ab Mitte Mai bauen könnten, wären wir Ende Juni fertig, und die ersten Besucher könnten kommen“, sagt John Burke.

„Wir geben die Tiere für nichts und niemanden auf“

Er lässt sich nicht so rasch entmutigen wie seine Frau. „Ich lebe seit fast 30 Jahren in Ostholstein und will hier nicht weg. Wir haben an unserem jetzigen Wohnort eine Duldung für die Tiere bis Oktober. Nur wenn bis dahin nichts klappt, werden wir in die Schweiz gehen. Dort gibt es einen Platz für sie.“ Denn eine Trennung von ihren Seelöwen und allen anderen Tieren kommt weder für John noch für Isa Burke in Frage: „Wir geben sie für nichts und niemanden auf.“

Klicken Sie hier, um Bilder von den Seelöwen und ihrer beiden Tiertrainer in Süsel zu sehen!

Bürgermeister ist zuversichtlich

Bürgermeister Adrianus Boonekamp (CDU) unterstützt das Ehepaar Burke von Anfang an. „Das Seelöwen-Projekt ist prima. Ich möchte es in Süsel haben und bin sehr zuversichtlich, dass wir in der Gemeindevertretung zu einem anderen Ergebnis als im Planungsausschuss kommen werden. Dafür werde ich auch noch Einzelgespräche führen“, kündigt er an. Im Planungsausschuss gibt es sieben Stimmberechtigte: jeweils drei von CDU und SPD sowie einen von der Freien Wählergemeinschaft Süsel. Die Gemeindevertretung besteht aus acht SPD-Vertretern, sieben CDU-Vertretern plus vier FWS-Vertretern.

Isa Burke hat sich „nach der ersten Weltuntergangsstimmung“ wieder gefasst. „Wir bekommen viel Zuspruch, auf jeden Fall weiterzumachen.“ Am 28. März wird die Gemeindevertretung tagen. Sollte es dann, wie erhofft, grünes Licht geben, wollen die Tiertrainer am Süseler Baum, dem Standort des ehemaligen Landgasthofs „Süseler Baum“ drei Pools aufstellen lassen: einen großen Swimming-Pool mit 300 Quadratmetern Fläche, einen beheizbaren, überdachten mit 80 Quadratmetern und ein Quarantäne-Becken.

„Schwimmen mit Seelöwen“ als Therapie

Das geplante „Schwimmen mit Seelöwen“ sieht vor, dass Besucher sich gemeinsam mit den Tieren im Wasser bewegen. Auch therapeutisches Schwimmen soll möglich sein. Eine entsprechend ausgebildete Ergotherapeutin hätten sie bereits gefunden, sagt Isa Burke. „Aber wir wollen den Besuchern auch etwas über Seelöwen vermitteln, ihnen erklären, wie man sie trainiert“, sagt John Burke. Seit er Anfang 20 ist, arbeitet er mit Tieren. 28 Jahre lang hat er im Hansa-Park Seelöwen-Shows gezeigt.

Ulrike Benthien

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