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Ostholstein Ausstellung sehen mit Herz und Verstand
Lokales Ostholstein Ausstellung sehen mit Herz und Verstand
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22:18 18.04.2016
Schon während der Vernissage wurden die 178 Werke auf den Fluren des Eutiner Kreishauses genau betrachtet. Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen

Mit dem Ausstellungsmotto „Warum nicht?!“ haben sich 77 Künstler aus Ostholstein intensiv beschäftigt. 158 Exponate — Gemälde, Fotografien, Installationen und Skulpturen — fanden den Gefallen einer Jury und werden noch bis zum 8. Mai im Kreishaus in Eutin zu sehen sein. Die Vorsitzende Karin Klindwort vom Förderverein Bildende Kunst Ostholstein begrüßte zur Vernissage der 26. Kreisausstellung etwa 200 Gäste.

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Förderverein Bildende Kunst Ostholstein zeigt auf den Fluren des Kreishauses 158 Exponate.

Landrat Reinhard Sager (CDU) als Schirmherr der Ausstellung nahm zur selben Zeit in seiner Funktion als Präsident des Deutschen Landkreistages in Bonn am Staatsakt für den verstorbenen ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher teil. Kulturstiftungs-Geschäftsführer Carsten Behnk vertrat den Gastgeber und nutzte zugleich die Gelegenheit, sich in dieser Funktion von den Künstlern zu verabschieden. Behnk wird in wenigen Monaten sein neues Amt als Eutiner Bürgermeister antreten.

„Kunst und Kultur sind wichtig für die Seele“, sagte Behnk. Er beobachte immer wieder, dass nicht nur die Kollegen über die Ausstellungsstücke ins Gespräch kommen. Auch die Besucher im Kreishaus blieben häufig stehen. Kunst im Kreishaus sei nicht abgehoben und nicht eingezäunt, so dass ihr jeder alltäglich begegnen könne.

Karin Klindwort, Vorsitzende des 110 Mitglieder zählenden Fördervereins Bildende Kunst Ostholstein, erinnerte an die „drei tollen Tage“, die es zum Aufbau der Präsentation gab. Entscheidend mitgewirkt an den Vorbereitungen hätten nicht nur ihre Stellvertreterin Brita Klang, sondern auch die Kreismitarbeiterin Angela Spletter, vor allem aber Hausmeister Rainer Borkowsky und seine Frau Karin. Die Arbeit sei natürlich anders als an anderen Tagen gewesen, so der Hausmeister. Sein Eindruck: „Die Künstler sind alle umgänglich, nett und freundlich.“

Über das Ausstellungsmotto „Warum nicht?!“ sinnierte der Literaturwissenschaftler Dr. Wolfgang Griep aus Eutin in seinem ebenso tiefgründigen wie humorvollen Vortrag. Die Sprache an sich, so sagte er, sei eine Quelle von Missverständnissen. Gesagtes und Gemeintes passten oftmals nicht zusammen. Das Motto „Warum nicht?!“ sei keine Frage, sondern eine bekräftigende Feststellung, ließ Griep seine Zuhörer wissen. Das Motto will nachdenklich machen, und es will Lernprozesse in Gang setzen. Es gehe um das Nicht-Übliche, um kleinere und größere Tabu-Themen, vor allem um das Denken über die Norm hinaus. Griep rät allen Zuschauern: „Sehen Sie. Sehen Sie genau hin. Sehen Sie mit dem Herzen und mit dem Verstand.“

Gelegenheit, dies in die Tat umzusetzen, haben die Betrachter gleich 158 Mal. Die ausgestellten Werke tragen so besondere Titel wie „Der Einsame“, „Ohrensuppentopf“, „Leidkreuz ADE AC“, „Rollmops auf die Hand, wie früher“, oder „Rhythmische Gymnastik“. Geschaffen wurden die Werke in den verschiedensten Techniken. Dazu zählen auch Öl auf Leinwand, Holz, Papierfaltarbeiten oder Patchwork-Quilt.

Bevor sich die 200 Besucher der Vernissage in den Fluren des Kreishauses drängelten, hörten sie noch die Musik vom A-cappella-Quartett „Huckleberry Friends“ aus Lübeck. Alina Salomon, Judith Schulze-Rohr, Paul Püplichhuisen und Simeon Nachtsheim wurden mit viel Applaus bedacht.

Gezeigt werden die Kunstwerke im Erdgeschoss sowie im ersten Stock des Kreishauses. Geöffnet ist die Ausstellung montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr und sonntags von 14.30 bis 17 Uhr.

Malen mit Flüchtlingskindern und Gießkannen-Objekte

Der Förderverein Bildende Kunst organisiert in diesem Jahr neben der Jahresausstellung auch Veranstaltungen auf der Landesgartenschau. So wird ein 42 Meter langer Bauzaun mit von Kindern gestalteten Bildern zu sehen sein. Die Künstlerinnen Maribel Brandis, Brita Klang und Karin Klindwort haben in zwei Klassen der Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule in Bad Schwartau mit 11- bis 16-jährigen Flüchtlingskindern zusammengearbeitet. Gemalt wurde unter dem Motto „Gärten unserer Heimat“. Am 20. Juni wird Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt am „Tag des Flüchtlings“ die Ausstellung besuchen.

Pleinair-Malen unter freiem Himmel organisieren Fördervereinsmitglieder an 20 Dienstagen während der LGS. Außerdem wird es vom 4. bis 14. August eine Mitgliederausstellung zum Thema „Kunst trifft Gießkanne“ in der Eutiner Orangerie geben. „Da wir dort nichts an die Wände hängen oder anlehnen dürfen, werden wir kreativ sein.“ Das Objekt muss irgendwann einmal eine Gießkanne gewesen sein. Ein Tipp von Karin Klindwort: „Kaufen Sie doch eine Gießkanne aus Plastik, schreddern Sie sie und packen die Schnipsel danach in ein Weckglas. Warum nicht?!“ cd

Von Christina Düvell-Veen

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