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Ostholstein Brandnacht: Treibt ein Feuerteufel sein Unwesen?
Lokales Ostholstein Brandnacht: Treibt ein Feuerteufel sein Unwesen?
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19:16 08.12.2018
Mehrere Autos waren in der Nacht zu Sonnabend in Lensahn in Brand geraten. Brandstiftung gilt als sehr wahrscheinlich. Quelle: Arne Jappe
Lensahn

Zwei abgebrannte Carports, drei zerstörte Autos, ein weiteres Fahrzeug angezündet, ein Wohnhaus beschädigt, eine Kunststoffbox für Sitzpolster nur noch Schrott: Das ist die Bilanz, die mehrere Brände am frühen Sonnabend in Lensahn verursacht haben. Zu den Ursachen für die Feuer kann die Polizei noch keine Angaben machen. Brandstiftung ist wahrscheinlich. Fakt ist: Feuerwehr und Polizei wurden gegen 2 Uhr von mehreren Anrufern alarmiert. Schnell waren sie in der Straße Am Klützenberg. Diese liegt in einem Neubaugebiet unweit der Eutiner Straße am Ortsausgang.

Dreifachverglasung und Feuerwehr retten Haus

60 Einsatzkräfte aus Lensahn, Lensahnerhof, Sipsdorf und Oldenburg waren vor Ort. Sie konnten eine Katastrophe verhindern. „Für uns war es ein Einsatz mit etwas auseinandergezogenen Einsatzstellen“, sagte Einsatzleiter Hartmut Junge. Besonders kritisch war die Situation an einem Carport, der direkt neben einem Wohnhaus stand. Dieser brannte lichterloh. „Das Feuer ist in den Dachstuhl hineingezogen. Zum Glück gingen nur die äußeren Scheiben der Dreifachverglasung kaputt. Sonst hätten wir definitiv den ganzen Dachstuhl in Brand gehabt. Es sieht so aus, als hätten wir richtig Glück gehabt“, sagte Junge den LN.

Das Auto wurde komplett zerstört. Die Flammen haben auch das Wohnhaus beschädigt. Die Brandstelle wurde von der Kriminalpolizei gesperrt. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Die Kunststoffhaustür ist wegen der großen Hitze geschmolzen. „Das THW war morgens da und hat die Stelle mit Holz geschlossen“, berichtete der Einsatzleiter. Wie sehr das Haus durch den Rauch beschädigt wurde, sei unklar. „Das wird sich herausstellen. Wir machen gegebenenfalls eine Schadstoffmessung. Das Haus gehört einem Feuerwehrmann von uns, der schaut immer mal wieder“, erläuterte Junge.

Anwohner löschte Auto selbst

Parallel brannte ein Carport mit zwei Autos auf der anderen Seite der Straße. Bis auf die Backsteinmauer wurden Bauwerk und Fahrzeuge komplett zerstört. „Wir hatten sehr starken Funkenflug durch den starken Wind“, sagte Junge noch in der Nacht. Mehrere Atemschutzgeräteträger bekamen das Feuer mit einem massiven Wassereinsatz unter Kontrolle. Etwas mehr Glück hatte ein angrenzender Nachbar. Dessen Pkw wurde wohl ebenfalls angezündet. Das Feuer konnte jedoch schnell von einem Anwohner gelöscht werden.

Nur noch die Mauern dieses Carports stehen. Die beiden Fahrzeuge gingen in Flammen auf. Der Anbau stand zum Glück nicht direkt an einem Wohnhaus. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Der oder die Täter haben anscheinend versucht, ein weiteres Fahrzeug unter einem Carport anzuzünden. Sie stopften volle Plastiksäcke unter das Fahrzeug. Mehr passierte nicht. Auf dem Nachbargrundstück neben dem ausgebrannten Carport am Wohnhaus brannte eine Aufbewahrungsbox für Gartenpolster. „Man kann nicht sagen, ob es durch die Hitzestrahlung dazu kam oder diese angezündet wurde“, sagte Hartmut Junge.

Bürger schockiert, Polizei ermittelt

Lensahns Bürgermeister Klaus Winter (CDU) erfuhr erst durch die LN von den Feuern und zeigte sich betroffen: „Das ist eine ganz gravierende Geschichte. Wir hatten seit ewigen Zeiten nichts mehr“, betonte er. Ähnlich äußerte sich Hartmut Junge, der seit mindestens einem Jahr keinerlei Brandstiftungen im Ort registriert habe – „nicht mal einen Papierkorb“. Dennoch sind die Auswirkungen des Einsatzes enorm: „Es ist einfach nur Wahnsinn, was hier heute Nacht passiert ist. Hoffentlich findet die Polizei den oder die Täter“, sagte eine direkt betroffene Anwohnerin geschockt.

Die Freiwillige Feuerwehr ist zwar nicht in erhöhter Alarmbereitschaft, sieht sich aber dennoch für weitere Einsätze gerüstet. 58 Kameraden sind laut Junge jede Nacht bereit zu löschen. Nun bleibt abzuwarten, was die Ermittlungen der Polizei ergeben. Ein Mitarbeiter sagte den LN, dass der Gesamtschaden derzeit auf etwa 150 000 Euro geschätzt und in alle Richtungen ermittelt werde.

Was zahlt die Versicherung?

Sollte ein Autoangezündet werden, haftet nicht immer die Versicherung: Hat ein Fahrzeugbesitzer lediglich eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, muss dieser den Schaden im Regelfall selbst zahlen. Eine Teilkasko indes deckt Schäden ab, die durch Feuer entstehen. Meist wird der Wiederbeschaffungswert des Autos ausgezahlt. Gegenstände wie Handys, Jacken und Taschen, die nicht zum eigentlichen Zubehör eines Pkw zählen, werden nicht erstattet.

Sollte das Auto von einem Brandstifter angezündet worden sein, muss dieser den Schaden regulieren – wenn er denn ermittelt wird.

Sebastian Rosenkötter und Arne Jappe

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