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Baby-Prozess: Dreieinhalb Jahre Haft für den Vater

Lübec Baby-Prozess: Dreieinhalb Jahre Haft für den Vater

Urteil am Landgericht Lübeck: Körperverletzung mit Todesfolge statt vorsätzlichem Totschlag – Mutter in Tränen aufgelöst.

Lübec. k/Schönwalde. Drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe lautet das Urteil im sogenannten Schönwalder Baby-Prozess. Nach Einschätzung des Gerichts handelt es sich um Körperverletzung mit Todesfolge und nicht – wie in der Anklageschrift formuliert – um Totschlag. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe beantragt, der Nebenkläger sogar sechs Jahre (die LN berichteten). Das Gericht sieht es als bewiesen an, dass der 30-jährige Schönwalder am 18. November 2015 seinen vier Wochen alten Sohn derart geschüttelt hat, dass dieser schwere Hirnverletzungen erlitt und wenige Tage später am 24. November an den Folgen verstarb.

 

LN-Bild

„Der Ange- klagte hat eine Verletzung des Babys billigend in Kauf genommen.“Richter Singelmann

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Richter Christian Singelmann erläuterte nach der Urteilsverkündung, warum es sich bei der Tat nicht um Totschlag handle. Er führte diverse Aspekte an. Der Angeklagte sei der leibliche Vater, es habe sich beim kleinen Leon um ein gemeinsames Wunschkind gehandelt, der Angeklagte sei bei der Geburt des Kindes dabei gewesen, er habe seinen Sohn verantwortungsvoll umsorgt und ein gutes Verhältnis zu ihm gehabt. Nach Auffassung des Gerichts habe er aus Wut gehandelt, ein Augenblicksversagen, bei dem die Risiken des Handels ausgeblendet wurden. Auch habe der Angeklagte – wenn auch sehr spät – in einem Geständnis die Verantwortung für den Tod des Babys übernommen.

Wünschenswert wäre laut Singelmann eine Entschuldigung des Angeklagten gewesen, auch nehme das Gericht dem 30-Jährigen die Erinnerungslücke vom Schütteln des damals vier Wochen alten, 4,6 Kilogramm schweren und 57 Zentimeter großen Leon nicht ab. Singelmann: „Der Angeklagte wollte sich die Tat nicht eingestehen, sie nicht wahrhaben. Aber diese Lücke in der Erinnerung glauben wir ihm nicht.“

Auch habe er am ersten Verhandlungstag alle überrascht, als er versucht habe, die Schuld der Mutter zuzuschieben. Mildernd auf das Urteil habe sich dagegen ausgewirkt, dass der Angeklagte bis auf ein Verkehrsvergehen nicht vorbestraft sei. Nach Auffassung des Gerichts habe der Angeklagte am Morgen des 18. Novembers, als der kleine Leon schrie und sich nicht beruhigen ließ, eine Verletzung des Kindes beim „heftigsten“ Schütteln billigend in Kauf genommen. Als die Mutter an diesem Morgen nach 20 Minuten vom Einkauf zurückgekehrt war, habe sie sofort erkannt, in welch dramatischem Zustand sich Leon befand. Das Kind wurde reanimiert und in die Lübecker Uni-Klinik gebracht.

Im Besucherraum saßen Familienmitglieder und Freunde sowohl des Angeklagten als auch der Mutter des kleinen Leon, die als Nebenklägerin auftrat. Die Atmosphäre war angespannt. Insbesondere die Mutter schluchzte neben ihrem Rechtsanwalt sitzend immer wieder. Sie suchte auch den Blickkontakt zu ihrem ehemaligen Verlobten und Vater des gemeinsamen Sohnes. Doch dieser zeigte keinerlei Emotionen, sein Blick ging nach unten.

Als Richter Singelmann die Urteilsbegründung zusammenfasste, verließ die Nebenklägerin wutentbrannt den Saal. Sie schrie mit tränenerstickter Stimme, man sehe sich in dreieinhalb Jahren wieder, und knallte die Tür zu. Singelmann sah sich genötigt, die Sicherheitskräfte zu informieren. Voller Unverständnis reagierten auch die Familie und Freunde der Mutter auf das Urteil, während auf der Gegenseite bei den Familienangehörigen des Angeklagten Erleichterung auf den Gesichtern abzulesen war. Der Verurteilte schloss seine Eltern nach der Urteilsverkündung in die Arme. Er ist bis zur Rechtskraft des Urteils und Antritt der Freiheitsstrafe auf freiem Fuß, wird so lange bei seinen Eltern leben. Richter Singelmann: „Es besteht unserer Einschätzung nach keine Fluchtgefahr.“

Peter Mantik

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