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Ostholstein Baby-Prozess: Vater legt Geständnis ab
Lokales Ostholstein Baby-Prozess: Vater legt Geständnis ab
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09:42 14.07.2016
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Lübeck/Schönwalde

Überraschende Wende im Schönwalder Baby- Prozess: Der angeklagte Vater sagte gestern vor dem Lübecker Landgericht, dass „etwas passiert ist, als ich alleine mit dem Jungen war“. Jedoch könne er sich nicht an Details erinnern. Damit bestätigte er zu einem Großteil das, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Demnach soll der 30-Jährige sein Baby am 18. November vergangenen Jahres so massiv geschüttelt haben, dass es an den Folge starb.

„Es ist etwas passiert, als ich alleine mit dem Jungen war. Ich weiß nicht genau, was ich gemacht habe. Der Lütte war ein Sonnenschein.“Angeklagter und Vater des Babys

Noch am ersten Verhandlungstag hatte sich der Mann ganz anders geäußert. „Ich war es nicht. Ich habe ihm nichts getan. Ich hätte ihm nie etwas tun können“, so seine damalige Aussage. Ausschlaggebend für den Sinneswandel dürften die Schilderungen eines Mitarbeiters des Lübecker Instituts für Rechtsmedizin gewesen sein.

Dieser hatte zuvor erläutert, dass ein Schüttel-Trauma zu schweren Verletzungen bei dem kleinen Leon geführt habe: Bei der Untersuchung des Leichnams seien Blutungen im Bereich des Gehirns entdeckt worden. Man habe „massiven Hirndruck“ festgestellt und Einblutungen in der Netzhaut des Sehnervs gefunden.

„Das kann dort nur durch Schütteln entstehen“, so der Rechtsmediziner. Ähnlich hatten sich vergangene Woche bereits eine Augenärztin sowie ein Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin geäußert.

Da die Mutter nach eigener Aussage die Wohnung verlassen habe, als das Kind keine Auffälligkeiten zeigte, und es 15 Minuten später in einem dramatischen Zustand angetroffen hatte, „deutet alles auf den Vater hin“, so das Fazit des Experten.

Meistens würden Menschen, die ihr Kind schütteln, dieses eigentlich beruhigen wollen, erklärte der Rechtsmediziner. Das Schütteln dauere oft nur fünf bis zehn Sekunden. „Ein Viertel aller Kinder stirbt sofort“, betonte er.

Nach mehreren Sitzungsunterbrechungen folgte schließlich eine Art Geständnis. Der Schönwalder sagte, dass er nicht genau wisse, was passiert sei. Er erinnere sich jedoch, dass „der Lütte“ geschrieen habe, sich aber nicht beruhigen ließ. Ein Fläschchen habe er zurückgewiesen. „Das nächste woran ich mich erinnere ist, dass ich ihn anders festhalte und er Schnappatmung hat“, so der Angeklagte. Mit anders meine er, dass er den Kopf des Babys nicht gestützt habe. Wenige Tage später hätten ihn Ärzte in der Lübecker Uniklinik mit dem Verdacht eines Schüttel-Traumas konfrontiert. „Da ist mir klar geworden, dass ich verantwortlich sein könnte.“

Kurz darauf wurde bei Leon der Hirntod festgestellt, die lebenserhaltenden Maschinen wurden am 24. November ausgeschaltet.

Der Prozess wird kommenden Dienstag, 19. November, mit den Plädoyers fortgesetzt.

 Sebastian Rosenkötter

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