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Baby massiv geschüttelt: Vater wegen Totschlags vor Gericht

Lübeck/Schönwalde Baby massiv geschüttelt: Vater wegen Totschlags vor Gericht

Der vier Wochen alte Leon aus Schönwalde starb aufgrund von Hirnverletzungen. Am Freitag begann der Prozess in Lübeck. Der Angeklagte leugnet seine Schuld am Tod.

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Das Landgericht Lübeck.

Quelle: Peer Hellerling

Lübeck/Schönwalde. Ein 30-jähriger Mann aus Schönwalde soll am 18. November 2015 seinen damals vier Wochen alten Sohn so massiv geschüttelt haben, dass dieser einige Tage später im Krankenhaus an den Folgen verstarb. Seit gestern muss sich der Vater vor der I. Großen Strafkammer des Lübecker Landgerichts verantworten. Er sitzt seit dem 27. November in U-Haft.

„Er hatte keinen Herzschlag.“ Mutter des toten Kindes

Familienzentren helfen Eltern und geben Tipps bei schreienden Kindern und anderen Schwierigkeiten Einrichtungen gibt es in Neustadt, Eutin, Heiligenhafen, Fehmarn (alle Kinderschutzbund), Ahrensbök (von der Gemeinde), Bad Schwartau (Lebenshilfe Ostholstein) und Oldenburg (Kastanienhof).

Staatsanwalt Niels-Broder Greve wirft ihm Totschlag vor.

Es sind grausame Details, die Greve schildert. Demnach soll die Mutter des am 16. Oktober 2015 geborenen Leons nur kurz einkaufen gewesen sein, als es zur Katastrophe kam. Der Angeklagte sei mit dem Jungen allein gewesen und habe ihn so schwer geschüttelt, dass das Baby ein Trauma erlitt. „Ihm war bewusst, dass sein Kind sterben kann“, betont Greve. Als seine damalige Lebensgefährtin zurückkam, habe er ihr sofort das Baby gegeben und geschrien, dass er nicht wisse, was mit ihm sei. Den sofort alarmierten Rettungskräften sei es gelungen, Leon zu stabilisieren und ihn in die Lübecker Uniklinik zu transportieren. Dort starb er aber am 24. November.

Was genau an jenem Mittwoch zuvor passierte, will das Gericht an sieben angesetzten Verhandlungstagen herausfinden. Zum Auftakt erklärt sich der mutmaßliche Täter bereit, Fragen zu beantworten. Er erzählt, dass er in Neustadt geboren wurde, sprach von einer behüteten Kindheit, seinem erlangten Hauptschulabschluss und Schwierigkeiten bei der Jobsuche sowie in seiner Beziehung. Zuletzt war der heute 30-Jährige im Sicherheitsdienst tätig. Die Mutter seines Kindes habe er 2010 kennengelernt. 2013 hätten sie eine gemeinsame Wohnung in Schönwalde gemietet und sich verlobt. „Leon war ein Wunschkind“, so der Mann.

Als Richter Christian Singelmann auf den Tattag zu sprechen kommt, entgegnet der Angeklagte: „Ich war es nicht. Ich habe ihm nichts getan. Ich hätte ihm nie etwas tun können.“

Weiter berichtet er, dass er am Morgen zunächst mit dem Hund raus sei und sich danach noch einmal zu seiner ehemaligen Lebensgefährten und Leon ins Bett gelegt habe. „Später sind wir langsam aufgestanden. Ich habe ihn auf die Couch gelegt und gefüttert. Er ist eingeschlafen.“

Während Leon geschlafen habe, sei er auf die Toilette gegangen. Anschließend habe der Kleine laut geschrien und Schnappatmung gehabt. Als seine Partnerin zurückgekehrt sei, habe er ihr das Kind gegeben, den Notarzt gerufen und die Wiederbelebung eingeleitet.

Leons Mutter fällt der Prozessauftakt sichtlich schwer. Immer wieder bricht sie in Tränen aus. Sie erzählt, dass der Umzug nach Schönwalde und die Geburt von Leon Teil eines Neuanfangs gewesen seien.

„Die Beziehung war ein Auf und Ab. Es gab finanzielle Probleme, Lügen. Er hat mich oft betrogen und konnte Rechnungen nicht bezahlen“, sagt sie. Nach der Geburt sei zunächst alles gut gewesen, jedoch habe es ihr Freund nicht aushalten können, wenn Leon schrie. „Er ist dann aus dem Raum gegangen.“

Weiter schildert die 30-Jährige die Situation nach ihrem Einkauf. „Ich habe sofort gesehen, wie schlimm es ist. Er war kreidebleich, hat zwei-, dreimal nach Luft geschnappt, dann war er regungslos.“

In der Uniklinik hätten die Ärzte ihr gesagt, dass Leon ein Schütteltrauma erlitten habe und der Hirntod festgestellt worden sei. „Mir wurde nahegelegt, dass es besser für meinen Sohn ist, die Maschinen abzuschalten.“

Die Verhandlung wird am 3. Juni um 8 Uhr fortgesetzt.

Babys, die stundenlang weinen und das an mehreren Tagen, manchmal über Wochen, werden auch „Schreibabys“ genannt. Für Eltern ist dies eine besondere Belastung. Wer an seine Grenzen stößt, sollte sich Hilfe suchen, um Schlimmeres zu verhindern. „Das Schütteln ist meist keine gewollte Gewalt, es ist eine Impulshandlung, die schlecht steuerbar ist.

Deshalb müssen wir präventiv tätig werden“, betont Silke Hüttmann vom Neustädter Familienzentrum Küste.

Ihre Kollegin Katja Kirschall weiß, dass Betroffenen oft multiple Problemlagen haben. So können Schwierigkeiten in der Partnerschaft, Finanzsorgen, Arbeitsstress und Schlafmangel Gereiztheit und Überforderung auslösen. „Das Schreien kann der Tropfen sein, der ...“, so Kirschall. Sie rät Müttern und Vätern das Problem mit dem Kinderarzt zu besprechen. Schließlich können auch verschobene Gelenke die Ursache für Schmerzen des Kindes sein. Darüber hinaus sollten sich Betroffene Menschen suchen, die sie unterstützen. „Kompetente Hilfe gibt es in den Familienzentren. Der Einsatz einer Familienhelferin oder einer Patin ist möglich. Nur sollte man niemals sein Kind schütteln“, betont sie. Stattdessen rät sie, das Baby sicher abzulegen und kurz den Raum zu verlassen. „Kein Kind kommt deshalb zu Schaden. Es geht darum, die Situation zu unterbrechen und einen neuen Anlauf zu starten“, ergänzt Silke Hüttmann. Beide Expertinnen betonen, dass es eine Stärke sei, seine individuelle Grenze zu bemerken und sich Hilfe zu holen. ser

 Sebastian Rosenkötter

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