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Ostholstein Baby zu Tode geschüttelt - lange Haftstrafe für Vater gefordert
Lokales Ostholstein Baby zu Tode geschüttelt - lange Haftstrafe für Vater gefordert
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20:42 19.07.2016
Quelle: Archiv
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Lübeck

Vorsätzlicher Totschlag oder Körperverletzung mit tödlicher Folge? Gestern wurden die Plädoyers im Baby-Prozess vor dem Landgericht in Lübeck vorgetragen.

Angeklagt ist ein 30-jähriger Mann aus Schönwalde, der sich wegen Totschlags verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen, am 18. November 2015 seinen vier Wochen alten Sohn Leon derart geschüttelt zu haben, dass dieser schwere Hirnverletzungen erlitt und wenige Tage später am 24. November an den Folgen verstarb.

Staatsanwalt Niels-Broder Greve erläuterte, warum es sich nach seiner Einschätzung um vorsätzlichen Totschlag handle. Die Verletzlichkeit des zum Tatzeitpunkt gerade einmal 4,6 Kilogramm schweren und 57 Zentimeter großen Babys sei offensichtlich gewesen. Greve: „Ihm war bewusst, das Baby könnte sterben. Aber er hat es in Kauf genommen.“ Der Angeklagte hätte zudem vor Gericht erklärt, dass ihm sehr wohl die Gefahren eines Schütteltraumas bekannt waren. Die Aussage des Angeklagten, er habe Erinnerungslücken was das Schütteln seines Sohnes anging, sei nicht glaubhaft. „Der Angeklagte hat sich an alles erinnern können, nur nicht daran.“

Da der 30-jährige Schönwalder die Nacht unten auf dem Sofa verbrachte, sei er auch nicht am Tatmorgen übermüdet gewesen, zumal die Mutter das Haus ja auch nur 20 Minuten für Kleineinkäufe verließ.

Greve erklärte weiter: „Ich bedaure sehr, dies sagen zu müssen, aber eine tiefgehende Trauer über den Verlust des eigenen Kindes kann ich beim Angeklagten nicht erkennen.“ Am Todestag sei dieser mit Sportfreunden bei einer Fastfood-Kette gewesen und habe abends mit einem Kumpel X-Box gespielt. Auch werte er das späte Teilgeständnis als nicht strafmildernd. Er plädiere daher für eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Rechtsanwalt André Vogel als Nebenkläger für Mutter und Baby plädierte gar für sechs Jahre Freiheitsstrafe. Er sieht in der Tat eine vorsätzliche Tötung sowie erhebliche Gewalteinwirkung durch den Vater am Baby.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Patric von Minden, hofft dagegen auf Milde für seinen Mandanten. Es habe sich nicht um vorsätzlichen Totschlag als vielmehr um Körperverletzung mit Todesfolge gehandelt.

Der Angeklagte sei geständig gewesen und habe entgegen der Aussagen des Staatsanwaltes die Nacht vor der Tat im Bett seiner Verlobten verbracht und abwechselnd mit dieser das Baby betreut. Ohnehin habe sich sein Mandant als liebevoller Vater erwiesen und es sei ihm nichts ferner gewesen, als seinem leiblichen Sohn einen Schaden zuzufügen. Dass er am 24. November Ablenkung mit Freunden gesucht habe, sei aus seiner Sicht sogar sehr verständlich. Laut Verteidiger könne das Gericht eine Bewährungsstrafe in Erwägung ziehen.

Der Angeklagte wollte gestern nichts mehr sagen. Das Urteil wird am morgigen Donnerstag, 21. Juli, ab 9 Uhr von Richter Christian Singelmann gesprochen. pm

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