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Ostholstein Bad ruiniert: Zoff im Heiligenhafener Ferienpark
Lokales Ostholstein Bad ruiniert: Zoff im Heiligenhafener Ferienpark
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21:26 09.02.2018
Ein Bild der Zerstörung: Handwerker arbeiteten hier ohne Einwilligung der Eigentümer. Der Schaden: 17000 Euro plus X. Quelle: Foto: Hfr
Heiligenhafen

Jan Riemer ist angefressen. Als er seine Ferienwohnung im 14. Stock des Ferienparks verließ, war seine Welt noch in Ordnung. Als er einige Wochen später nach Heiligenhafen zurückkehrte und die Tür zum Bad öffnete, war er schockiert. „Unser Badezimmer war nur noch ein Bild der Verwüstung.“ Geschätzter Schaden: 17000 Euro plus X. Riemer: „Der exakte Schaden wird noch ermittelt.“

Der in die Jahre gekommene Ferienpark in Heiligenhafen wird für 30 Millionen Euro saniert. Im Zuge dieser Großmaßnahme kommt es immer wieder zu Ärger. Aktuell über ein zerstörtes Badezimmer eines Wohnungseigentümers. Auch andere Bewohner üben Kritik.

Aufgestemmt werden die Badezimmer im Gebäude aus folgendem Grund: Ein Schacht wird im Zuge der Gesamtmaßnahme aus Brandschutzgründen saniert. Dafür müssen die Bäder zum Schacht geöffnet und sichergestellt werden, dass die Maße korrekt sind. Riemer tat dies mit eigenen Handwerkern. „Wir haben anschließend die Handwerker der Hausverwaltung den Schacht anschauen lassen. Die gaben grünes Licht, alles sei in Ordnung.“ Umso größer sei der Schock im Nachgang gewesen.

Der Schaden soll behoben werden

Constanze Krase von der Hausverwaltung ist über den Vorgang und die Kritik informiert. Sie sagt: „Ich kann den Ärger verstehen.“ Allerdings habe der Eigentümer hier mit einem Handwerker einen Kniff angewendet, um sein Badezimmer zu vergrößern. „Er hat einen Eingriff am Allgemeineigentum im Versorgungsschacht vorgenommen. Die Maße stimmten anschließend nicht mehr.“ Unter ihm seien andere Wohnungen daher ohne Brandschutz gewesen. Dass die Handwerker von Krase ohne ein Einverständnis in die Wohnung gingen, nennt die Chefin ein „kommunikatives Fehlverhalten“. Dies sei unglücklich gelaufen. Dennoch gebe es ein Wohnungseigentumsgesetz. Es sei aufgrund der einvernehmlichen Sondermaßnahme rechtmäßig gewesen, diesen Eingriff vorzunehmen.

Sie betont auch: „Wir werden den Schaden aber natürlich beheben.“ Hier seien die Anwälte beider Seiten im Austausch. Riemer hat nur die Sorge, dass es eine für Krase günstige und nicht gleichwertige Reparatur werden könnte. Bisher habe er kein annehmbares Angebot erhalten.

Laut Krase handelt es sich bei diesem Fall um eine Ausnahme. „Wir haben 1200 Wohnungen saniert. Dies hier ist ein absoluter Einzelfall.“ Hausbeirat Georg Rehse lässt die Aussage so nicht stehen. „Es gibt immer wieder Ärger.“ Die meisten Probleme würde man nur intern halten. Zum Fall Riemer sagt er: „Unfassbar.“ Es handele sich um ein hochwertiges Vorzeigeobjekt. Hier sei ohne Einverständnis des Eigentümers ein hoher Schaden entstanden.

Weitere Eigentümer beschweren sich

Im Zuge der öffentlichen Diskussion um das zerstörte Bad von Riemer meldeten sich zwei weitere Parteien aus dem Ferienpark bei den LN. So sagt Sabine Wesche: „Im Zuge der Sanierung sind in meiner Wohnung enorm viele Kratzer, Farbkleckse und anderes den Handwerkern unterlaufen.“ Ihre Wohnung habe mehr gelitten als zuvor in zehn Jahren Vermietung. Auch habe die Verwaltung sie immer zeitlich hingehalten, etwa als der Strom- und Wasserverbrauch während der Sanierung enorm hoch war und sie Antworten eingefordert hatte. „Die Verwaltung weiß genau, dass die Eigentümer oft nicht um die Ecke wohnen. Das wird brutal ausgenutzt.“ Ähnliches berichtet ein weiterer Eigentümer, der jedoch nicht namentlich genannt werden möchte. In seiner Wohnung seien ebenfalls im Zuge der Sanierung Schäden entstanden, die noch nicht beglichen seien. „Es gab falsche Fliesenbeläge, unfachmännische Verlegung derselben und es ist ein Loch in der Wand der Außenfassade entstanden.“ Dies habe er im Oktober 2017 gemeldet. Bis heute seiner Auskunft nach ohne Antwort.

Georg Rehse hat für die Verwaltung zumindest etwas Verständnis: „Diese Sanierung ist ein XXL-Projekt. Bei 1700 Wohnungen und 1200 Eigentümern wird es nie ganz glatt abgehen.“

Für Riemer, dem die Wohnung gemeinsam mit seiner Schwester gehört, steht eines fest: „Ich habe das Schloss ausgetauscht. Ohne mein Einverständnis betritt niemand mehr meine Wohnung.“

 Von Peter Mantik

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