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Ostholstein Bäckerei Brede: Konflikt um Lärmschutzmauer schwelt weiter
Lokales Ostholstein Bäckerei Brede: Konflikt um Lärmschutzmauer schwelt weiter
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23:04 09.01.2017
Noch gibt es keine Lärmschutzwand, derzeit haben Bredes diesen Blick aus ihrem Wohnzimmer. Quelle: Fotos: Düvell-Veen
Scharbeutz

Während auf dem ehemaligen Sportplatz an der Luschendorfer Straße in Scharbeutz der Bau von Wohnungen kräftig voranschreitet, gehen die Auseinandersetzungen um den Bau einer zehn Meter hohen Lärmschutzwand direkt am benachbarten Haus der Bäckerei Brede weiter. Während des Neujahrsempfanges skizzierte der Scharbeutzer Bürgermeister Volker Owerien (parteilos) zwei Lösungsmöglichkeiten. Zum einen könnten die auf dem Bäckereigebäude befindlichen Abluftgebläse schallisoliert werden und die Anlieferung von Rohstoffen sowie die Müllabfuhr um 30 Minuten, auf eine Zeit nach 6 Uhr, verschoben werden. Dann könnte die Wand auf 5,50 Meter über Baugrund verringert werden.

Inhaber sind strikt gegen eine Trennung von Backstube und Geschäft.

Um komplett auf sie verzichten zu können, sei dem Bäckereibetrieb zum anderen angeboten worden, den lärmintensiven Teil seines Betriebes, nämlich die Produktion, einige wenige Meter weiter an die Ecke Luschendorfer Straße, Ecke Bövelstredder zu verlegen. Der Grundstückseigentümer wäre bereit, dort ein Areal zur Verfügung zu stellen. Die Bauleitplanung habe die Gemeinde bereits angestoßen.

Dort könnte dann die neue Produktion entstehen. Der Bäckereiladen bliebe im Altgebäude. Diese Lösungen seien Reinhard Brede in einem von ihm selbst gewünschten Mediationsgespräch unter Federführung von Landrat Reinhard Sager (CDU) vorgeschlagen worden, berichtete der Bürgermeister weiter. Gleichzeitig sei ihm finanzielle Unterstützung sowohl für einen möglichen Umbau im Bestandsgebäude als auch für den Fall der Produktionsverlegung zugesagt worden.

„Finanzielle Unterstützung? Darüber haben wir nicht gesprochen“, erklärte Brede auf LN-Anfrage. Eine Einschränkung des Lieferverkehrs nach 6 Uhr sei im Übrigen unmöglich, da beispielsweise Frischwaren wie Hefe, Milch, Quark oder Weintrauben von Großhändlern per Lkw nachts zwischen 1 und 2 Uhr geliefert werden.

Eine Trennung von Produktion und Verkaufsstätte komme überhaupt nicht infrage. Da ist sich der 57-Jährige mit Ehefrau Melanie (40) einig. „Wenn Backstube und Laden nicht zusammen sind, können wir die emotionalen und wirtschaftlichen Vorteile nicht mehr nutzen.“ Die Kunden könnten die frischen Backwaren nicht mehr riechen, sie würden keine Bäcker mehr sehen und entfernt aus der Backstube auch kein Scheppern von Backblechen mehr hören können. „Ruckzuck denken die Kunden doch, dass wir unsere Teiglinge aus den Billigländern besorgen“, sagte Reinhard Brede.

Zum Traditionsunternehmen gehören neben dem Hauptgeschäft acht Filialen mit insgesamt 75 Mitarbeitern. Brede führt den Betrieb bereits in der dritten Generation und setzt auf „die dreieinhalbte“, auf Ehefrau Melanie. Sie ist bereits Betriebswirtin sowie ausgebildete Bäckereifachverkäuferin. Im September will sie eine zweijährige Bäcker-Lehre beginnen, „um die Abläufe in diesem Handwerk noch besser verstehen zu können“.

Generell sind Bredes einer Verlagerung von Backstube und Laden nicht ganz und gar abgeneigt. Sie haben selber gerechnet, sind auf einen siebenstelligen Euro-Betrag gekommen und wollen davon ein Drittel selber finanzieren. „Wir möchten nichts geschenkt haben, aber wer etwas von uns will, muss uns auch etwas geben“, so Bredes.

 Christina Düvell-Veen

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