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Ostholstein Bäder investieren Millionen in neue Seebrücken
Lokales Ostholstein Bäder investieren Millionen in neue Seebrücken
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21:24 16.12.2017
Über 40 Jahre alt und wahrlich kein Schmuckstück mehr: die 272 Meter lange Maritim-Seebrücke von Timmendorfer Strand. Quelle: Foto: S. Latzel
Scharbeutz/Timmendorfer Strand

Gleich zwei neue Brücken gehen für die Gemeinde Scharbeutz ordentlich ins Geld. Für eine neue Brücke in Scharbeutz hat die Gemeinde fünf Millionen Euro veranschlagt, die neue für Haffkrug soll drei Millionen Euro kosten. Im Rahmen des Realisierungswettbewerbes unter dem Titel „Steife Brise – Brückenbauen in der Ostsee“, mit dem das Hamburger Büro Luchterhandt beauftragt wurde, sind bislang zwölf Beiträge eingereicht worden, die die Angehörigen des Preisgerichtes am morgigen Montag unter die Lupe nehmen sollen. Die Vorgaben in der Ausschreibung klingen dabei so blumig wie verheißungsvoll: Gefordert sind „elegante wie markante Charakteristika“, eine „unverwechselbare Gestaltungsidee“, „identitätsstiftende Merkmale“ sowie ein „außerordentlicher Mehrwert“.

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An beiden Brücken sollen Bäderschiffe und Privatboote anlegen können, sie sollen Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten sowie Tribünen mit Veranstaltungsflächen bieten und barrierefrei sein. Neu entworfen werden müssen zudem die an die Brücken angegliederten DLRG-Stationen. Bei der Nachfolgerin der aktuellen, 270 Meter langen Scharbeutzer Seebrücke, soll der Schwerpunkt auf sportlichen Aspekten liegen – so ist dort der Verleih von Wassersportzubehör wie Angeln, Tretbooten, SUPBoards und Paddeln gewünscht. Der Neubau in Haffkrug hingegen, Ersatz für die bisherige 160-Meter-Brücke, soll für „die hohe Verbundenheit zur Fischerei“ stehen und „einen gediegenen Gegenpol zum tummeligen Scharbeutz darstellen“, daher sind mindestens drei Gastliegeplätze für Bäderschiffe und Fischereiboote vorgesehen.

Optisch sollen die Neuen natürlich auch etwas hermachen, etwa in puncto Beleuchtung, für die eine „Inszenierung bei Nacht“ gefordert ist. Die Anbindung der Scharbeutzer Brücke an die Promenade und den Kurpark dürfte problemlos gelingen, da Brücke und Park auf einer Achse liegen. Das sieht in Haffkrug anders aus: Dort trifft die Brücke derzeit auf das nördliche Ende des Vorplatzes, und der Weg zum Park führt recht versteckt zwischen zwei Gebäuden hindurch. Deswegen soll die neue Brücke ein wenig in südliche Richtung verlagert werden, um eine gerade Verbindung zu bekommen.

Acht Millionen Euro sind dabei eine Menge Geld, doch die Gemeinde hofft auf Fördermittel in Höhe von 60 Prozent der Gesamtkosten. Nach der morgigen Sitzung des Preisgerichtes haben die Wettbewerbsteilnehmer im Januar Gelegenheit für Rückfragen. Nach einer weiteren Sitzung Mitte April 2018 sollen die Entwürfe dann öffentlich vorgestellt werden. Abriss und Neubau sind für 2019 geplant.

Die Gemeinde Timmendorfer Strand hat mit dem Niendorfer Neubau in Fisch-Form (Eröffnung im Juni 2014) und der Teehaus-Brücke (Eröffnung im Juli 2014) bereits zwei neue Brücken – fehlt noch ein standesgemäßer Ersatz für die marode, 272 Meter lange Maritim-Seebrücke aus dem Jahr 1976, der bereits in 2018 entstehen soll. Einige Entwürfe sind schon im Rathaus präsentiert worden, dabei plädierten die meisten Bürger in einer – rechtlich nicht bindenden – Abstimmung für die „Seeschleife“, einen 900 Meter langen Rundgang, der allerdings den Kostenrahmen von 3,2 Millionen Euro sprengen könnte. Eine Jury hat zudem die besten Vorschläge gekürt.

„Der Wettbewerb ist aber noch nicht abgeschlossen“, sagt dazu der Timmendorfer Hauptamtsleiter Martin Scheel. Nach den Bieter-Gesprächen mit den drei Teilnehmern, deren Entwürfe in die engere Wahl gekommen sind, wollen Politik und Verwaltung am Dienstag entscheiden, wie es weitergeht. Förderanträge kann die Gemeinde allerdings noch nicht stellen, denn um an die Töpfe mit den touristischen Fördermitteln zu kommen, müsste Timmendorfer Strand Mitglied in einer lokalen Tourismusorganisation (LTO) sein oder zumindest mit einer LTO eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit treffen. Das ist bislang nicht der Fall, entsprechende Abstimmungen mit der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (Talb) sollen aber parallel stattfinden.

Teure Tasse Tee

Ein teures Prestigeobjekt ist die Timmendorfer Teehaus-Brücke geworden. Die Gemeinde zahlte für die Brücke 2,4 Millionen Euro und 900000 Euro für das Teehaus, an dem sich Mäzen Jürgen Hunke ebenfalls beteiligte – und zwar mit einer Million Euro. Seitens des Pächters hieß es, er habe eine weitere Million Euro in das Gebäude investiert. Zudem sind die Fenster undicht: Die Erneuerung der Anlage ist mit 800000 Euro veranschlagt (die sich die Gemeinde von den den Baufirmen zurückholen will). Zusammengerechnet hat das beliebte Foto-Motiv damit bisher 6,1 Millionen Euro gekostet.

 Sabine Latzel

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