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Ostholstein Bahnlärm heute und morgen
Lokales Ostholstein Bahnlärm heute und morgen
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21:13 05.07.2017
Bahnübergang Kaltenhöfer Straße in Bad Schwartau: Dort rauscht die Bahn nah an Wohngebieten vorbei. Quelle: Foto: Irene Burow
Scharbeutz

Mit ohrenbetäubendem Lärm rauscht ein Güterzug durch das Gemeindehaus in Scharbeutz. Bei der Akustik-Animation des Heinrich-Hertz-Institutes ist gerade ein Zug – ausgestattet mit herkömmlichen Graugussbremsen – in 25 Meter Entfernung an den Besuchern optisch und akustisch auf der Leinwand vorbeigerauscht.

Das Heinrich-Hertz-Institut präsentiert in Ostholstein Lärm-Szenarien.

„ Gönnen Sie sich ein wenig Lärm, um ein Gespür zu bekommen, was auf uns zukommt. Volker Weidemann

Bürgermeister

Lärmexperte Thomas Koch präsentiert dieser Tage den Menschen in Ostholstein, die von der neuen Schienenanbindung der geplanten festen Fehmarnbeltquerung betroffen sind, verschiedene Lärmszenarien.

Hierfür bedient er sich aufwendiger Technik und präziser Messungen. Das Spektrum des Lärms reicht von Güterzügen mit alten Bremsen ohne Schallschutz bis hin zu Zügen mit neuen Flüsterbremsen, die hinter sechs Meter hohen Schutzwänden in 100 Meter Entfernung vorbeirauschen. Angekommen bei letzterem Szenario nehmen die Zuhörer Vogelgezwitscher wahr und störendes Stimmengewirr auf dem Flur.

Thomas Koch lächelt und sagt: „Die Stimmen stören, nicht wahr?“ Ein gutes Zeichen, wenn Vogelgezwitscher zu hören sei.

Bahn-Projektleiter Bernd Homfeldt weiß natürlich, „dass sich in der Realität viele Einflüsse und örtliche Begebenheiten auf den Lärm und das Lärmempfinden auswirken“. Dennoch wolle man den Menschen in Ostholstein eine Vorstellung mitgeben, welche Dimension Bahnlärm in Zukunft haben werde. Unter den Gästen in Scharbeutz war auch der Sierksdorfer Bürgermeister Volker Weidemann (CDU). „Ich begrüße das Engagement der Bahn. Dies ist für mich der Beginn einer Diskussion, die wir nun ernsthaft weiterführen müssen.“ Zum gehörten Bahnlärm erklärte Weidemann: „Mir ist nicht klar, wie sich Lärm physikalisch verbreitet. Auch fehlen Einflussfaktoren wie Wind, Gebäude und Höhenunterschiede.“

Manuela Herbort, DB-Konzernbevollmächtigte für Hamburg und Schleswig-Holstein, sagte: „Uns war es wichtig, für die Akzeptanz der Ostholsteiner ein externes und unabhängiges Institut zu beauftragen, um Bahnlärm, wie wir ihn kennen, und den, der in den kommenden Jahren zu erwarten ist, darzustellen.“ Hans-Georg Zimmermann, DB-Sprecher für Lärmschutz, wies auf eine wichtige Begebenheit hin: „Was viele Menschen heute an Bahnlärm hören, ist noch die alte Generation der Gussbremsen. Ab Ende 2020 werden in Deutschland aber alle Waggons mit Flüsterbremsen ausgestattet sein. Den positiven Effekt können die Bürger hier bei uns hören.“

Weidemann pflichtet dem bei und appelliert an alle Sierksdorfer: „Liebe Bürger, nehmen Sie die Termine wahr, gönnen Sie sich ein wenig Lärm auf die Ohren, um ein Gespür zu bekommen, was auf Sie zukommt.“ Der Verwaltungschef sagt auch: „Liebe Politik, wir benötigen mehr Zeit, um zum Thema ,Übergesetzlicher Lärmschutz’ unsere Hausaufgaben zu erledigen.“

Im Saal war auch der Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens (Linke). Der sagte dazu: „Wir müssen die Planfeststellung in der Tat zeitlich verschieben, um verbindliche Zahlen und Forderungen zu erhalten, die im Bundestag beschlossen werden.“ Nur so hätten Kommunen rechtliche Planungssicherheit. Die akustische Präsentation der Bahn begrüßte er. „Aktiver Lärmschutz wirkt, das hört man.“

Peter Mantik

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