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Ostholstein Bald keine Flüchtlinge mehr in Putlos?
Lokales Ostholstein Bald keine Flüchtlinge mehr in Putlos?
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10:31 22.12.2015
Innenminister Stefan Studt (SPD) gestern bei seinem Besuch in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Truppenübungsplatz in Putlos.B Quelle: Binder
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Oldenburg

Das Land erwägt die Schließung der Flüchtlingsunterkunft in Putlos. Sollten sich die Zahlen von Asylsuchenden weiterhin rückläufig entwickeln, sei die Einrichtung „definitiv die erste in Schleswig-Holstein, die geschlossen wird“, sagte Innenminister Stefan Studt (SPD) gestern bei einem Besuch vor Ort. Je eher die Quartiere auf dem Truppenübungsplatz wieder von der Bundeswehr genutzt werden könnten, desto besser, betonte Oberst Ralf Güttler mit Blick auf den steigenden Übungsbedarf angesichts zunehmender Auslandseinsätze. Anfang des Jahres soll die Lage erneut geprüft werden und eine Entscheidung fallen.

Bei den Helfern vor Ort, der Stadt Oldenburg und auch beim Kreis wurde die Nachricht mit Erstaunen aufgenommen. Erst vor Kurzem hatte das Land noch angekündigt, die Kapazitäten in Putlos aufzustocken und dort bis zu 1500 Menschen versorgen zu wollen (die LN berichteten). Die Verträge der mittlerweile 42 Hauptamtler vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) wurden gerade erst bis Ende 2016 verlängert, zusätzliche Betten wurden aufgestellt, die technische Ausstattung für die sogenannte Registrierung — mit der das Asylverfahren seinen Anfang nimmt — wurde geliefert. Das Technische Hilfswerk (THW) hat zudem eine mobile Küche aufgebaut, um die Truppenküche bei der Verpflegung der Bewohner zu unterstützen.

Fakt ist jedoch: Bisher waren noch nie mehr als 900 Flüchtlinge gleichzeitig in Putlos. Für diese Bewohnerzahl war die Unterkunft ursprünglich ausgelegt. Aktuell leben 480 Menschen in den Bundeswehr-Quartieren, an Heiligabend sollen noch einmal 50 bis 100 Bewohner dazu kommen. Das THW hat seine Ehrenamtler schon wieder abgezogen; die Küche soll nach Weihnachten wieder abgebaut werden. Natürlich sei es „ein bisschen ärgerlich“, dass die Kräfte nun quasi umsonst angerückt seien, gibt Landesverbands-Geschäftsführer Michael Labonte zu. Das THW habe aber trotzdem mitgekocht:

„So konnten wir die Truppenküche zwischenzeitlich wenigstens ein bisschen entlasten.“

Eine Verschwendung von Kapazitäten sei der Einsatz nicht gewesen, so Studt: „Es hätte auch ganz anders kommen können — mir ist es lieber, wir waren auf eine Situation vorbereitet, die dann doch nicht eingetreten ist, als andersherum.“

Nach Angaben der Bundeswehr wurde die Truppenküche inzwischen insoweit ertüchtigt, dass auch mit ihr alleine für 1500 Menschen gekocht werden kann. Ob es dazu noch kommen wird, vermag Studt nicht zu beantworten: Das hänge von den Flüchtlingszahlen ab; wie die sich entwickeln würden, könne er nicht vorhersehen. Fest stehe lediglich, „dass wir die Liegenschaften der Bundeswehr nicht dauerhaft nutzen werden“. Einen konkreten Zeitpunkt für die Schließung der Flüchtlingsunterkunft zu nennen, sei jedoch unmöglich. Im Januar oder Februar werde entschieden, ob die Einrichtung weiter betrieben werde. Sollte das der Fall sein, „werden wir spätestens zum Sommer erneut die Lage evaluieren“.

„Man sollte nichts überstürzen“, mahnt derweil Oberst Güttler. So wichtig der Übungsplatz für die Bundeswehr sei — „es wäre die schlechteste Lösung, ihn zurückzugeben und die Flüchtlingsunterkunft dann erneut zu aktivieren.“

Entwicklung mit einigen Überraschungen
8. September: Mit einer Vorlaufzeit von nur wenigen Stunden wird die Flüchtlingsunterkunft in Putlos eingerichtet. Die Bundeswehr bricht Übungen ab und räumt Quartiere.
9. September: Mit 700 Flüchtlingen ist die neue Unterkunft an Tag zwei schon fast voll belegt. Stadt und Kreis bemängeln: Das Land informiere nicht.
10. September: Große Hilfsbereitschaft: Immer mehr Freiwillige helfen.
11. Oktober: Die Helfer vom DRK werden nach und nach von Hauptamtlichen abgelöst.
24. Oktober: Die ärztliche Untersuchung der ersten 840 Bewohner ist abgeschlossen. Die Registrierung geht indes nur langsam voran.
4. November: Das Land kündigt an, die Zahl der Bewohner auf bis zu 1500 zu erhöhen. Im Folgenden sinkt die Zahl zwischenzeitlich auf 200 Flüchtlinge. Stand heute: 480 Asylsuchende.
21. Dezember: Das Land kündigt an, die Einrichtung zu schließen, „sobald die Lage es erlaubt“.

Jennifer Binder

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