Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Barrierefreier Urlaub an der Ostsee
Lokales Ostholstein Barrierefreier Urlaub an der Ostsee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:45 11.04.2016
Neben Angeboten von Unterkünften und Gaststätten seien barrierefreie Strandzugänge ebenfalls sehr wichtig, betont Marc Euler von der Tash. Die Lübecker Bucht sei bei diesem Thema vorbildlich. Quelle: Fotos: Ln-Archiv, Binder
Ostholstein

Inklusion auch im Urlaub: Das Thema Barrierefreiheit rückt bei Ostholsteins Touristikern immer stärker in den Fokus. Menschen mit Behinderungen würden als Zielgruppe für die Ostsee-Region „zunehmend wichtiger“, sagt Marc Euler, Sprecher der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash). Zudem würden auch ältere Gäste von entsprechenden Angeboten profitieren.

Nachfrage nach Angeboten für Ältere und Menschen mit Behinderung wächst — Laut Tash richten sich immer mehr touristische Betriebe zumindest in Teilen darauf aus — Datenbank soll Übersicht ermöglichen.

„Die Nachfrage ist da“, weiß Andreas Volkmar. Vor sechs Jahren hat er im Nachbarkreis Plön „Das bunte Kamel“ eröffnet — das damals erste Inklusionshotel in ganz Deutschland, das hierzulande nach Angaben des schleswig-holsteinischen Sozialministeriums noch immer einzigartig ist. Nicht nur haben Volkmar und seine Frau Sabine Graf neben barrierefreien Zimmern für Gäste mit körperlichen oder geistigen Behinderungen spezielle Bewirtungs- und Betreuungsangebote entwickelt. Auch fungiert ihr Betrieb seit seiner Eröffnung als ausgelagerter Arbeitsplatz der „Ostholsteiner“, die in ihren Werkstätten unter anderem in Oldenburg Menschen mit Beeinträchtigungen beschäftigen.

Die Idee für das Inklusionshotel entstand aus eigenen Urlaubserfahrungen des Ehepaars. Sohn Christoph, mittlerweile 23 und selbst für die Preetzer Werkstätten der „Ostholsteiner“ tätig, hat das Down-Syndrom. Nach seiner Geburt sei ihnen bewusst geworden, wie wenig die meisten touristischen Einrichtungen auf Behinderte eingestellt waren. Also hätten sie sich gedacht: „Einer muss den Anfang machen.“

Und mittlerweile zögen immer mehr Betriebe zumindest teilweise nach, berichtet Lena Middendorf von der Lebenshilfe Ostholstein, Leiterin des Inklusions-Projekts „Ostholstein erlebbar für alle“. Im Rahmen einer Kooperation mit der Stadt Eutin würden beispielsweise 40 Servicekräfte für die Landesgartenschau speziell unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit geschult. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Menschen in Ostholstein bei diesem Thema engagieren“, so Middendorf erfreut. Zwar „stoßen wir nach wie vor auch auf Vorbehalte oder Ängste“, räumt sie ein, generell sei man im Kreis aber „auf einem guten Weg“.

„Das Thema braucht Zeit“, sagt auch Lebenshilfe-Vorstand Susanne Voß. Gerade bauliche Maßnahmen seien für Hoteliers oder Gastronomen häufig schwierig umzusetzen — sowohl aus finanziellen als auch aus räumlichen Gründen. Durch Aufmerksamkeit und Unvoreingenommenheit könne man jedoch viele bauliche Barrieren wettmachen, betont sie. Zum Beispiel, indem einem Rollstuhlfahrer angeboten werde, ihn über einen holprigen Weg zu schieben. „Nicht jeder braucht oder möchte Hilfe“, betont Voß, „aber zu fragen, ist nett — da muss niemand Scheu haben.“

Tash-Sprecher Marc Euler betont ebenfalls, dass „es gar nicht darum geht, von jetzt auf gleich jedes Hotel 100-prozentig barrierefrei zu machen“. Vielmehr sei es wichtig, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Im Rahmen eines zweijährigen Tash-Projekts zum Thema „barrierefreier Tourismus“ haben sich laut Euler landesweit mehr als 40 touristische Einrichtungen freiwillig prüfen und zertifizieren lassen. Das Ziel sei dabei nicht gewesen, Mängel aufzudecken, betont der Tash-Sprecher. Wichtig sei nicht, dass jeder Betrieb alle Hürden beseitige — wichtig sei, dass Betroffene sich vor einer Reise umfassend über die jeweilige Situation vor Ort informieren und Angebote vergleichen könnten. Dafür wurde eine bundesweite Datenbank erstellt (www.reisen-fuer-alle.de). Euler hofft, dass sie sich weiter füllt, auch wenn das Tash-Projekt inzwischen beendet ist. „Es sollte ein Impuls sein und dazu anregen, das Thema weiter zu verfolgen.“

Inklusionshotel

„Das bunte Kamel“ in Hohwacht wurde 2010 als erstes Inklusionshotel in Deutschland eröffnet. 21 Zimmer mit insgesamt 52 Betten — darunter Familienzimmer mit Elternschlafzimmer und Vier-Bett-Kinderzimmer — gibt es.

Laut Inhaber Andreas Volkmar kommen Gäste mit und ohne Behinderung. Es sei „traurig, dass einige Hoteliers Behinderte noch immer als ,Störfaktor‘ betrachten“, sagt der gelernte Koch, der zwischenzeitlich auch für Behinderteneinrichtungen gearbeitet hat.

Das Inklusionshotel ist laut Volkmar auf Gäste mit körperlichen und auch geistigen Behinderungen eingestellt. Das 4500 Quadratmeter große Grundstück ist eingezäunt, damit sich zum Beispiel Demenzkranke dort gefahrlos bewegen können. Auch Therapiestunden zählen zum Angebot. Mehr unter www.das-bunte-kamel.de.

Von Jennifer Binder

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Falle einer angeblichen Tierquälerei in Timmendorfer Strand lassen die Tierschützer nicht locker.

09.04.2016

Verjüngung im Vorstand: Claudia Czellnik 2. Vorsitzende — Mueller-Stahl-Ausstellung im Juli wird vorbereitet.

09.04.2016

Film über eine Stadt, die in Islamisten-Hände fiel.

09.04.2016