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Ostholstein Barrierefreiheit macht Schule: Azubis entwickeln E-Haus
Lokales Ostholstein Barrierefreiheit macht Schule: Azubis entwickeln E-Haus
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21:13 06.07.2017
Sozialminister Heiner Garg (FDP, r.) testet den höhenverstellbaren Waschtisch, Landrat Reinhard Sager, Projektleiter Nico Jens Wohlan, Schulleiter Carsten Ingwertsen-Martensen und Projektleiter Hartmuth Zittlau (v. l.) schauen ihm zu. Quelle: Fotos: Beke Zill

Etwa ein Jahr haben sie überlegt, geplant, getüftelt und gebaut – nun konnten die Berufsschüler des Elektrohandwerks endlich präsentieren, was sie geschaffen haben.

Projekt ist Teil der Ausbildung in Eutin – Sozialminister Heiner Garg begeistert.

In der Beruflichen Schule Eutin wurden dem neuen Sozialminister Heiner Garg (FDP), Landrat Reinhard Sager (CDU) und weiteren Gästen das „barrierefreie E-Haus“ vorgestellt. Mit dem Projekt nimmt die Schule als erste in Deutschland die Entwicklung im barrierefreien Bauen und Wohnen in die Ausbildung auf.

In seiner Begrüßung betonte Schulleiter Carsten Ingwertsen- Martensen, dass Inklusion in den Fokus rückt und inzwischen in die Arbeit und in die zu vermittelnden Kompetenzen integriert wird. „Das Inklusionskonzept des Kreises „Ostholstein – erlebbar für alle“ ist in Schleswig-Holstein ein Leuchtturmprojekt und für uns als Schule Verpflichtung, dieses Konzept hier bei uns auch umzusetzen“, sagte er. Inklusion, Digitalisierung und Innovation tauchen im Lehrplan auf, so auch das Feld „Entwicklung eines barrierefreien E-Hauses im Klassenraum“.

Reinhard Sager betonte in seinem Grußwort, dass die Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen wichtig sei. Der Kreis investiert 2017 neun Millionen Euro in die Beruflichen Schulen und hat als erster Kreis im Land einen Aktionsplan zum Thema Innovation aufgestellt und entwickelt. Umso mehr war Sager vom Ergebnis der Arbeit der angehenden Elektriker angetan. „Es ist eine Innovation, wie wir sie uns besser nicht wünschen können“, lobte Sager. Das E-Haus sei ein Ziel dahin, Menschen mit Einschränkungen zu helfen und ihr Leben zu meistern.

Barrieren gebe es viele, sichtbare und unsichtbare, erklärte Heiner Garg bei einem seiner ersten offiziellen Termine als neuer Sozialminister des Landes. Barrieren sei jedoch dazu da, dass man sie überwindet. Er sprach die UN-Behindertenrechtskonvention und das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) an und sagte: „Deutschland und Schleswig-Holstein sind rechtlich dazu verpflichtet, für barrierefreie Bedingungen zu sorgen.“ Es sei jedoch nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine moralische Pflicht. Inklusion stehe für Miteinander, Teilhabe und Solidarität. Genau das sei an der Beruflichen Schule in Eutin passiert. „Das Resultat hat mich begeistert. Inklusion ist in der Ausbildung angekommen. Das ist ein Meilenstein für die Verwirklichung von Inklusion und Barrierefreiheit, die so zu dem werden, was sie sein sollen: ein selbstverständlicher Teil unseres Denkens und Handelns in allen Lebensbereichen“, sagte Garg.

Dann konnten die Auszubildenden endlich zeigen, was sie mithilfe der Projektleiter Nico Jens Wohlan und Hartmuth Zittlau, weiteren Bereichen an der Schule sowie zahlreichen unterstützenden Firmen umgesetzt haben. Heiner Garg zeigte sich sehr interessiert an der innovativen Küche mit Herdwächter, höhenverstellbarem Ceranfeld und einem Kühlschrank, in dem ein Smart-TV integriert war. Auch das Smart-Home-System, der höhenverstellbare Waschtisch, vernetzte Rauchwarnmelder, eine Ruf- und Kommunikationsanlage und das Herzstück des E-Hauses – die Fehlersimulationsschaltung – begeisterte nicht nur die Gäste. Auch die Schüler haben durch das Projekt viel Know-how und Erfahrung mitnehmen können. „Ich kann mir jetzt gut vorstellen, dass es schwierig ist als älterer Mensch, nicht mehr so weiterzumachen wie es bisher geht“, sagte Tim Dose.

Im Raum nebenan konnten die Besucher auch einen persönlichen Eindruck vom Älterwerden gewinnen. Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) testete gleich den neusten Rollator mit extra breiten Reifen über einen Parcours. Die Zwölftklässlern Stine Schöning zog sich den Alterssimulations-Anzug und die -Brille an, um einmal die typischen Altersbeschwerden am eigenen Leib zu erfahren.

Heiner Garg war nach der Besichtigung angetan. „Ich habe die Hoffnung, dass das Beispiel dieses barrierefreien E-Hauses im Wortsinn Schule macht“, sagte er.

Beke Zill

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