Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Barrieren abgebaut: Ein Schloss für alle
Lokales Ostholstein Barrieren abgebaut: Ein Schloss für alle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:17 10.08.2017
Nur fürs Bild im Aufzug: Edda Rahlf mit Regina Poersch, Oliver Grundei und Bettina Hagedorn (v. l.).

Was ist für Behinderte wichtig, damit sie das Schloss Eutin problemlos besuchen können? Der Beirat für Menschen mit Behinderungen in Ostholstein hat der Stiftung Schloss Eutin die Antworten gegeben und vieles davon ist bereits umgesetzt.

Der Aufzug ist fertig – Behinderte können ihn aber erst ab November nutzen – Genehmigung fehlt.

Allerdings können ausgerechnet Menschen mit Einschränkungen den fertiggestellten Aufzug bis voraussichtlich November nicht nutzen. Dann erst erwartet die Stiftung Schloss Eutin die Genehmigung des Kreises für einen zweiten Rettungsweg auch für sie. „In den Planungs- und Abstimmungsprozessen gab es Verzögerungen“, räumte Burkhard Beck-Broichsitter, Bauberater der Stiftung, ein. Zur Evakuierung im Falle eines Feuers hat die Stiftung für Behinderte sogenannte Evac-Chairs angeschafft. Alle Mitarbeiter im Schloss wurden geschult, wie auf Hilfe angewiesene Menschen damit rasch die Treppen hinunter geschafft werden können. Alle anderen Schlossbesucher dürfen mit dem Aufzug, dessen Einbau 265000 Euro gekostet hat und der bis ins zweite Obergeschoss führt, bereits jetzt fahren.

Brigitta Herrmann, Stiftungs-Vorstand, Burkhard Beck-Broichsitter und „Haus-Architekt“ Torsten Ewers erläuterten weitere Maßnahmen gestern bei einem Besuch von Dr. Oliver Grundei (CDU). Der Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur ist in diesem Jahr Vorsitzender des Stiftungsrates. Gemeinsam mit ihm informierten sich auch die SPD-Abgeordneten Bettina Hagedorn (Bundestag) und Regina Poersch (Landtag).

Insgesamt 554000 Euro sind seit 2015 aufgewandt worden, um das Schloss barrierearm zu machen. Den Anfang machte ein Behinderten-WC im Erdgeschoss (68000 Euro). Es folgte der Umbau des Innenhofs (210000 Euro), in dem jetzt Granitstreifenplatten ein problemloses Befahren mit Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühlen möglich machen. „Wir bekommen dazu fast täglich positive Rückmeldungen“, sagte Brigitta Herrmann. Zusätzlich wurden in die Granitplatten sogenannte taktile Rillen eingefräst, die sehbehinderten Menschen die Orientierung erleichtern.

„Gearbeitet wurde immer im Sinne des geringstmöglichen Substanzverlustes“, sagte Torsten Ewers. „Wir wollen das Schloss zugänglich machen, aber seinen Charme erhalten.“ Als eines der nächsten Projekte nannte Brigitta Herrmann ein Besucherleitsystem gemeinsam für das Schloss, den Schlossgarten und den Küchengarten.

„Kultur spielt in Eutin und Ostholstein eine große Rolle“, betonte Bettina Hagedorn und freute sich mit Edda Rahlf vom Beirat über die gelungenen Erleichterungen im Schloss: „Das ist ein Gewinn an Lebensqualität und Lebensfreude.“ Die Bundestagsabgeordnete regte an, das Thema Inklusion künftig bei neuen Projekten gleich mit zu bedenken. „Viele haben verkannt, was Barrierefreiheit- und -armut für den Tourismus bedeuten. Menschen mit Behinderungen sind eine große Zielgruppe“, stellte sie heraus. „Barrierefreiheit ist für alle Menschen ein Gewinn“, sagte Edda Rahlf. Horst Martin (ebenfalls vom Beirat) kündigte an: „Wir werden nicht lockerlassen.“

Das Geld für den Umbau des Schloss-Innenhofes stammt aus dem Impuls-Programm (Infrastruktur-Modernisierungs-Programm für unser Land Schleswig-Holstein). „Das eint Kultur und Wissenschaft. Beide benötigen Fördergelder und sind parteiübergreifende Themen“, sagte der Staatssekretär. „Da geht es um gute oder schlechte Politik, nicht um schwarze, rote oder grüne.“

 ben

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige