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Ostholstein Bauarbeiten: Bahn legt Zugverkehr über Ostern lahm
Lokales Ostholstein Bauarbeiten: Bahn legt Zugverkehr über Ostern lahm
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10:00 06.03.2016
Die Bahn hat Gleisbauarbeiten bei Haffkrug so terminiert, dass zwischen dem 23. März und dem 9. April — und damit auch über die Osterfeiertage — ein Großteil der Züge zwischen Lübeck und Puttgarden ausfällt. * Quelle: Holger Marohn

Für den Saisonauftakt in den Bädern hat das zur Folge, dass Bahnreisende ihre Reiseziele an der ostholsteinischen Ostseeküste nur mühsam und mit deutlichen Verspätungen erreichen können. Betroffen von den Umbauarbeiten sind neben den Feriengästen auch die Skandinavienreisenden sowie Pendler.

Gleisbauarbeiten und die Erneuerung von Bahnübergängen hält der Konzern in dem betreffenden Zeitraum für nötig. Zwar wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, der den Reisenden jedoch einige Geduld abverlangt. So müssen Fahrgäste von Lübeck nach Puttgarden in Busse umsteigen und Verspätungen von rund 45 Minuten in Kauf nehmen, teilt die Bahn mit.

Angesicht der bevorstehenden Osterfeiertage halten vor allem die Kurdirektoren den Zeitpunkt für die Baumaßnahmen für denkbar schlecht gewählt. Sie beschweren sich zudem über die schlechte Informationspolitik der Bahn: „Nicht nur bei der Bahn, auch bei den Autobahnbaustellen hat man manchmal das Gefühl, dass die Arbeiten nach dem Ferienkalender organisiert werden“, verfällt Olaf Dose-Miekley, Marketingchef beim Tourismus-Service Grömitz, angesichts des Zeitpunktes in Sarkasmus.

Das wird von der Bahn sogar bestätigt: Man lege Bahnarbeiten bewusst in die Ferien oder auf Feiertage, um so die Einschränkungen für Pendler und Schüler so gering wie möglich zu halten, teilte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis mit. Er empfiehlt Bahnreisenden, die veränderten Fahrzeiten sowie die verlängerten Fahrzeiten der Busse bei ihren Reiseplanungen zu berücksichtigen und gegebenenfalls frühere Verbindungen zu nutzen, um Anschlusszüge zu erreichen. Die Beeinträchtigungen im Bahnverkehr, so Meyer-Lovis, habe man auf der Internetseite der Bahn publik gemacht.

Den Zeitpunkt der Bauarbeiten hält Manfred Wohnrade, Geschäftsführer der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe, dennoch für „äußerst ärgerlich“. Zu Ostern rechne man mit dem ersten großen Gästeansturm.

Wohnrade: „Wie wollen wir unsere Gäste für die An- und Abreisen ohne Pkw motivieren, wenn wir gleichzeitig in der Hauptreisezeit solche Maßnahmen hinnehmen müssen?“

Auch im Ferienpark Weissenhäuser Strand ist man über den Zeitpunkt alles andere als froh: „Zu Ostern sind wir hier voll ausgelastet. Fünf bis zehn Prozent unserer Gäste, darunter viele Skandinavier, reisen mit der Bahn an“, berichtet Geschäftsführer David Depenau. Ihn ärgert vor allem die aus seiner Sicht unzureichende Informationspolitik der Bahn. Gerade die größeren Bäder und Ferienparks müssten aus seiner Sicht viel früher über solche Maßnahmen informiert werden: „Eine frühzeitige Information über eine zentrale Anlaufstelle, wie den Schleswig-Holstein Tourismus oder die Medien, könnte helfen, Ärgernisse zu vermeiden oder gegebenenfalls Zeiträume für Bauarbeiten auch besser abzusprechen“, meint Depenau.

Den Fahrgästen zu empfehlen, sich im Internet selbst schlau zu machen, hält der Geschäftsführer für „zu dünn“. „Wenn eine Institution wie die Bahn Services außer Kraft setzt, dann hat sie die Aufgabe, das auch vernünftig zu kommunizieren.“ Das sieht Fehmarns Tourismusdirektor Oliver Behncke ähnlich: „Mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr ist die Absprache besser. Von dort werden die Bäder zumindest rechtzeitig über Baustellen informiert. Damit haben wir Zeit, das auch gegenüber unseren Gästen zu kommunizieren.“ Von den Bauarbeiten der Bahn habe er dagegen erst durch die LN-Anfrage erfahren. „Für die Region entsteht durch so ein Verhalten ein Imageschaden.“

Der Timmendorfer Tourismuschef Joachim Nitz sagt zu dem fragwürdigen Timing der Bahn: „Auf Pendler und Schüler Rücksicht nehmen — das kann man vielleicht in Niedersachsen. Aber nicht hier, wo wir in der Region vom Tourismus leben.“ Zu Ostern laufe die Saison an, man habe jede Menge Programm. Nitz: „Solche Arbeiten kann man auch 14 Tage später machen lassen.“

Von Thomas Klatt

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