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Bauern fürchten schnellen Kälteeinbruch

Ostholstein Bauern fürchten schnellen Kälteeinbruch

Mit den milden Temperaturen ist es nun schlagartig vorbei - sehr zur Sorge der Landwirte. Die Pflanzen befinden sich in der Vegetation. Wenn schlagartig die Winterhärte kommt, kann das die Pflanzen zerstören, sagt der Kreisbauernverband.

Auf den Feldern Ostholsteins — hier bei Pansdorf — liegt viel Feuchtigkeit. Die Angst der Bauern vor schnellem Starkfrost ist groß.

Quelle: Mantik

Kiel. Der Rekord-Dezember mit den mildesten Temperaturen seit der Wettererfassung weicht zum Jahreswechsel Frost und Schnee. Es entsteht ein klimatisches Szenario, das besonders den Landwirten Sorgen bereitet.

„Die Pflanzen befinden sich voll in der Vegetation. Wenn nun innerhalb weniger Tage schlagartig die Winterhärte kommt und die Temperaturen auf Minusgrade sinken, kann das unsere Pflanzen zerstören“, erläutert Klaus-Dieter Blanck, 1. Vorsitzender des Kreisbauernverbandes in Ostholstein. So geschehen beispielsweise im Winter 2006/2007, als im Januar plötzlich die Temperaturen stark fielen und Teile von Gerste, Weizen und Raps zerstörte. Und auch im vergangenen Winter drohte ein solches Szenario. „Letztes Jahr hatten wir bis nach Weihnachten Plusgrade. Wir hatten da Glück“, erklärt Blanck.

Denn auch Pflanzen können frieren. Bei starken Temperatureinbrüchen von Plus- auf Minusgrade verändern sich die Zellinhalte. Blanck skizziert dies wie folgt: „Es bilden sich dann Eiskristalle in der Pflanze, die wiederum die Zellwände zerstören. Die Pflanze gerät in Stress, kämpft ums Überleben.“

Kommt der Winter langsam, ist es kein Problem, im Gegenteil: „Winterruhe tut den Pflanzen gut.“ Und auch, wenn er gar nicht kommt, können die Pflanzen damit umgehen. Klaus-Dieter Blanck sagt grundsätzlich: „Wir Landwirte sind das Wetter seit Jahrhunderten gewohnt, damit können wir um.“

Wer dieser Tage einen Blick auf die Felder wirft, stellt fest: Die Pflanzen sind nass, es liegt Feuchtigkeit auf den Agrarflächen. Da stellt sich automatisch die Frage: Wie schnell wird es jetzt tatsächlich kalt? Diplom-Meteorologin Alina Voß aus dem Wetter-Welt-Team von Meeno Schrader sagt: „Den ersten leichten Nachtfrost hatten wir bereits. In der Nacht auf Mittwoch können die Temperaturen wieder unter Null sinken, allerdings ist das noch kein strenger Frost.“ Tagsüber können laut Vorhersage die Temperaturen erstmals am Sonntag, 3. Januar, auch tagsüber unter den Gefrierpunkt sinken. Laut Voß könnten die Landwirte mit einem blauen Auge davonkommen. Daher wünscht sich Klaus-Dieter Blanck für den Start ins neue Jahr zunächst nur eines: „Eine langsame Frostzeit.“

Der drohende Kälteeinbruch ist nicht die einzige Sorge für die Landwirte. Blanck erläutert: „Was mir Sorge bereitet, sind die vielen EU-Verordnungen und die großen Infrastrukturprojekte in Ostholstein.“ Ein aktuelles Beispiel sei auch das Russland-Embargo. „Unsere Milch- und Fleischmärkte brechen deswegen gerade ein wenig ein“, kommentiert Blanck.

Weitere Problemstellungen sind Pestizidsteuer sowie die neue EU-Düngemittelverordnung. Und dann natürlich der Flächenfraß im Zuge der festen Fehmarnbeltquerung inklusive der Schienenanbindung und Sundquerungen, 380-Kilovolt-Ostküstenleitung sowie Windparks.

Landwirtschaftsminister Habeck fordert zu einem Umdenken auf
Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck hat die Bauern aufgefordert, sich für ein erweitertes Berufsbild zu öffnen. Der Grünen-Politiker begründet das mit den Weltmarktmechanismen, die zum Preisverfall für Agrarprodukte wie Milch und zu weiterem Höfesterben führten.
Die Intensivierung der Produktion heize den Preisverfall an und drohe die hiesigen Landwirte zu ruinieren. Habeck: „Die Preise bilden sich an den Agrarbörsen und hängen ab von Faktoren, die mit den hiesigen Landwirten nichts zu tun haben.“ In den vergangenen Jahren mussten im Norden jeweils im Durchschnitt knapp 1,7 Prozent der Agrarbetriebe aufgeben. Aus Habecks Sicht könnten sich für Landwirte neue Perspektiven auftun, wenn es auch einen Paradigmenwechsel gibt, der Landwirte zunehmend als Tier- und Gewässerschützer, Pfleger der Kulturlandschaft oder Dienstleister für Infrastrukturen begreift und entlohnt. „Sie bleiben dabei natürlich unverzichtbare Lebensmittelproduzenten“, sagte Habeck. Und: „Wir sollten schrittweise davon wegkommen, Bodenbesitzer vor allem für das Vorhalten von Fläche zu bezahlen.“

Peter Mantik

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