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Ostholstein Beachvolleyball-Meisterinnen Ludwig/Walkenhorst: Ein Sieg des Willens
Lokales Ostholstein Beachvolleyball-Meisterinnen Ludwig/Walkenhorst: Ein Sieg des Willens
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00:20 11.09.2016
Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst haben die Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaft in Timmendorfer Strand gewonnen. Quelle: Felix König
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Timmendorfer Strand

Endlich mal loslassen, nicht verzichten, nur kurz. Laura Ludwig stand hinter der Trinkkurhalle, schrieb sich die „Autogramm-Finger“ wund und nippte zwischendurch immer mal wieder an einem Glas Rotwein. Kira Walkenhorst mochte einfach nicht mehr stehen, kauerte sich auf die Holzstufen und meinte nur: „Das war krass.“ Und rings um die „Golden Girls“, die Olympiasiegerinnen, schwärmte alles ob des Finales. Es war weniger das 22:20, 23:21 gegen Chantal Laboureur und Julia Sude, auch nicht Ludwigs zehnter Titel (!) exakt zehn Jahre nach ihrem ersten mit Sara Niedrig (Goller). Es war das Wie. Hochklassig, spannend, qualitativ sogar besser als das Rio-Finale – ein Krimi, befeuert von 8000 Fans auf und neben dem Center Court.

Klicken Sie sich in der Bildergalerie durch Eindrücke von der Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaft 2016 in Timmendorfer Strand.

„Was für ein Finale, was für faszinierende Ballwechsel. Es war mit Abstand das beste Frauen-Spiel, was ich je gesehen habe. Chapeau, auch Chantal und Julia“, war „Mr. Beachvolleyball“, Frank Mackerodt (Tourorganisator) begeistert. Auch Olympiasieger und Sky-Experte Jonas Reckermann schwärmte: „Ein Spiel auf Augenhöhe. Man hat gesehen, Laura ist auf der letzten Rille. Kira hat es rumgerissen.“ Auch Ludwig (30) atmete auf: „Zum Glück habe ich ja so einen Jungspund an meiner Seite.“ Walkenhorst (25) war der personifizierte Wille. Sie setzte mit ihren Monsterblocks und Schmetterschlägen die Big Points, die wichtigen Punkte, glänzte auch als Baggerkünstlerin, wurde so zurecht als wertvollste Spielerin geehrt. „Lu/Wa“ drehten so zweimal einen Rückstand, im zweiten Satz sogar ein 11:15. Trainer Jürgen Wagner trieb das sogar den Schweiß auf die Stirn. Anders als in Rio, wo er die Ruhe selbst war, hatte er einen Puls von 90. „Das war sehr emotional. Ich war überrascht, dass beide noch so eine hohe Qualität abrufen konnten. Das war Wille total.“

Und der ist weiter gefordert. Ludwig fliegt heute um 15 Uhr nach Toronto, Walkenhorst folgt ihr morgen. Beim World-Tour-Finale wollen sie die 57 000-Dollar-Siegprämie abgreifen. „Klar reizt das“, gibt Ludwig zu, „und dann ist endlich Urlaub, wir zählen die Tage.“ Nach Toronto besprechen sie noch mit Wagner & Co. den Weg bis 2020. „Und dann geht’s vier Wochen nach Sri Lanka“, erzählt Ludwig, „Schnorcheln, Sonne, Chillen – alles außer Beachvolleyball.“

Das ist nun auch für Britta Büthe und Karla Borger nach acht Jahren „Beach-Ehe“ vorbei. Nach dem gewonnen Bronze-Duell verkündete Büthe: „Das war unser letztes Spiel.“ Dann flossen bei beiden die Tränen. Büthe („Ich bin so stolz, was wir erreicht haben“) mag nach Universiade-Gold 2011, WM-Silber 2013, dem DM-Titel 2014 und Olympia-Platz neun in Rio nicht mehr, will ihre Masterarbeit (Lebensmitteltechnologie) schreiben.

„Vor zwei Wochen hat Britta es mir gesagt. Ich habe es geahnt“, verriet Karla Borger, die jetzt „nur noch Leere fühlt. Da bricht was weg.“ Sie will aber weitermachen, „auch wenn ich jetzt bei null stehe, auch nicht weiß, mit wem. Ich sehe nur einen riesigen Berg Arbeit vor mir.“ Richtig Abschied will sie mit Britta zu Silvester feiern: „Wir wollten immer zusammen Skifahren. Jetzt tun wir es, mieten in Frankreich eine Hütte.“ Es ist ihre letzte gemeinsame Reise.

Jens Kürbis

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