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Ostholstein Behindertenstellplätze blockiert: Ratekauerin kämpft für Einsicht
Lokales Ostholstein Behindertenstellplätze blockiert: Ratekauerin kämpft für Einsicht
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22:17 24.11.2016
Die Ratekauerin Gabriele Priedemann beobachtet die Lage auf den Behindertenparkplätzen ganz genau. FOTO: CHRISTINA DÜVELL-VEEN

Gabriele Priedemann nimmt unfreundliche Antworten gerne in Kauf. Das ist ihr der Einsatz um mehr Sensibilität für Behinderte und deren Sorgen wert. Nahezu täglich ist die Behindertenbeauftragte der Gemeinde Ratekau mit Zettel und Fotoapparat unterwegs – immer auf der Spur von Zeitgenossen, die ihre Fahrzeuge unberechtigterweise auf Behindertenparkplätzen im Ratekauer Ortszentrum abstellen. Ihnen steckt sie die vom Sozialverband zur Verfügung gestellten Zettel mit der Aufschrift „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“ an den Wagen und hofft damit auf ein Nach- und Umdenken.

„Das Schicksal kann jeden jederzeit treffen.“Gabriele Priedemann Ratekauer Behindertenbeauftragte

Priedemanns besonderes Augenmerk gilt den drei ausgewiesenen Stellplätzen auf dem Rewe-Parkplatz sowie neuerdings auch den beiden neu geschaffenen Stellplätzen am Blücherzentrum. Manchmal sieht Gabriele Priedemann schon von Weitem, dass sich jemand widerrechtlich Platz gesucht hat. Entweder fehlt ein deutlich im Inneren sichtbarer erforderlicher Schwerbehindertenausweis komplett. Oder es ist nicht der richtige, der dazu berechtigt, ganz nahe an den Geschäften zu parken. Die 62-Jährige erklärt: „Erforderlich ist ein blauer Ausweis, der eine amtlich anerkannte außergewöhnliche Gehbehinderung dokumentiert. Das ist in den Fällen der Fall, in denen die Mobilität des Fahrers oder Beifahrers stark eingeschränkt ist und in denen ein Grad der Behinderung von mindestens 70 ausgewiesen ist.“

Gabriele Priedemann übt seit drei Jahren das Amt der Behindertenbeauftragten in der Gemeinde Ratekau aus und ist damit offizielle Sprecherin für 3700 Menschen, die einen Behinderungsgrad von mindestens 20 haben. Sie hat schon viele Menschen angesprochen, die ihre Autos auf ihnen nicht zustehenden Behindertenparkplätzen abstellten. Ausreden wie: „Ich bin auch ganz schnell wieder da“ oder „Ich darf hier stehen“, aber auch „Hier sind doch viel zu wenig Parkplätze“ hört sie immer wieder. Auch wenn sie freundlich auf das Unrecht hinweist, kommt es oftmals auch pampig zurück: „Was kümmern Sie sich überhaupt darum? Scheren Sie sich doch um Ihren eigenen Kram!“

Auf öffentlichen Parkplätzen, so hat Gabriele Priedemann immer wieder beobachtet, können die Fahrzeuge auch abgeschleppt werden. Dort wird den Übeltätern zudem ein Bußgeld in Höhe von 35 Euro auferlegt.

Diese Möglichkeit gibt es auf Firmenparkplätzen kaum. Da können Menschen wie Gabriele Priedemann nur an die Vernunft der Autofahrer appellieren. „Es muss in die Köpfe der Menschen hinein, dass einige Plätze ausschließlich für Behinderte gedacht sind“, sagt sie eindringlich. „Jeder sollte mal darüber nachdenken, dass das Schicksal ihn jederzeit treffen kann. Plötzlich ist er nicht mehr mobil und auf einen derartigen Parkplatz angewiesen.“

 Christina Düvell-Veen

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