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Ostholstein Bei starkem Regen gibt es auch in Süsel Ebbe und Flut
Lokales Ostholstein Bei starkem Regen gibt es auch in Süsel Ebbe und Flut
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21:17 19.07.2016
„An der Bäderstraße“ in Süsel bei Starkregen: Immer wieder kommt es zu solchen Überschwemmungen wie hier 2015. Quelle: hfr

„An der Bäderstraße“ heißt die Hauptachse, die durch den Ort Süsel verläuft. Seit Jahren steht ein Teil der Straße bei heftigem Regen immer wieder unter Wasser. Jetzt zeigen die Klagen mehrerer Anwohner offenbar Wirkung. Der Zweckverband Ostholstein (ZVO), den die Gemeinde seit 2005 mit der Beseitigung des Niederschlagswassers beauftragt hat, will eine Entlastungsleitung bauen.

Mit Überschwemmungen macht die Bäderstraße ihrem Namen alle Ehre – Drei Anwohner sind die Wassermassen leid – Jetzt soll endlich etwas passieren.

„Wie bei den Niagarafällen kommt das Wasser hier herunter.“Anwohner Olaf Gaide

„Wie bei den Niagarafällen kommt das Wasser hier herunter, von allen Seiten“. Es sprudelt nur so aus Olaf Gaide heraus, wenn er das Problem beschreibt, das immer häufiger an seinem Haus und seinen Nerven zerrt. „Es wird immer schlimmer“, bestätigen die Nachbarn Kurt Kibellus und Norbert Schiller. „Die Rohre sind zu klein. Aber nichts passiert“, ärgert sich Kibellus. „Immer wenn es regnet, kommt die Angst“, berichtet Schiller. „In den Urlaub mag man gar nicht mehr fahren.“

Die drei wohnen dort, wo „An der Bäderstraße“ durch eine Senke führt. Bei starkem Regen, wie er in diesem Sommer besonders häufig fällt, macht die Straße ihrem Namen alle Ehre. Hier am tiefsten Punkt ließe sich großflächig Wassertreten. Der Pegel steht oft so hoch, dass selbst Gummistiefel nichts nützen. Innerhalb kürzester Zeit läuft die Straße derart voll, dass sie für den Verkehr gesperrt werden muss. Die Gullys können die Wassermassen nicht schlucken, obwohl ein 30 Zentimeter starkes Rohr die Flut direkt auf eine tiefer gelegene Wiese hinter den Grundstücken der Anwohner befördert.

Gaide hatte das Rohr vor über zehn Jahren im Einvernehmen mit dem ZVO, der das Material bezahlte, durch sein Grundstück gelegt. In einem dicken Stahl ergießt sich das Wasser von der Straße in dieses so genannte Vernässungsgebiet. Von dort bahnt es sich den Weg in den Süseler See.

Weil aber das Rohr nicht reicht, sucht sich die Flut zusätzlich einen Weg über die Grundstücke. Zuletzt war das am 2. Juli der Fall. Die Süseler Feuerwehr musste anrücken und mit Tauchpumpen den See auf der Straße beseitigen. „Das ist schon sehr ungewöhnlich und extrem“, bestätigt Ortswehrführer Stefan Machlitt häufige Einsätze an diesem Ort.

Gaide, Kibellus und Schiller wollen das nicht länger hinnehmen. Bei Hochwasser kämen inzwischen schon Schaulustige, berichten sie. Die drei sehen einen Zusammenhang mit der Sanierung der Straße vor zwei Jahren. Seitdem sei alles noch schlimmer geworden. „Eine Fehlplanung“, schimpft Gaide und erwägt, eine Bürgerinitiative zu gründen, sollen sich doch Anwohner mit mehreren tausend Euro an dem aus seiner Sicht missratenen Ausbau beteiligen. Überhaupt sind er und seine beiden Mitstreiter sauer. Ob beim ZVO, der Gemeinde oder dem Bauamt in Eutin – alle vorgebrachten Klagen seien bisher verhallt.

Nun aber verspricht der ZVO Abhilfe. Bereits bei der Erneuerung der Bäderstraße seien ein weiterer Straßenablauf geschaffen und die Schmutzfänger aus den Gullys entfernt worden, um den Abfluss zu beschleunigen, erläutert der ZVO auf Anfrage. Bei den starken Überschwemmungen 2015 wurde klar, dass dies nicht reichte. Als Reaktion darauf habe der Verband „erste Planungen für eine umfassendere Lösung der Problematik aufgenommen, die den Bau einer Entlastungsleitung vorsieht.“

Mit dem Verlegen des zusätzlichen Rohrs auf die Vernässungswiese soll Anfang August begonnen werden. Verlegt wird es über ein Privatgrundstück wenige Hausnummern von Gaide, Kibellus und Schiller entfernt. Dass alles lange dauert, begründet der Verband damit, dass zunächst eine Einigung mit dem Grundbesitzer erzielt sowie Gutachten und Messungen erstellt werden mussten. Dazu käme die zur Zeit „hohe Auftragsdichte“ bei Baufirmen.

Süsels Bürgermeister Holger Reinholdt (FWS) hofft auf ein Ende der Fluten nach Abschluss der Arbeiten. Die Gemeinde habe zwar die Entwässerung auf den ZVO übertragen, es bleibe aber ihre Aufgabe, bei Problemen auf den ZVO einzuwirken. „Das ist auch geschehen“, sagt Reinholdt. Nicht die neu gemachte Straße führe zur Seebildung auf dem Asphalt, sondern die unverändert gebliebene Ableitung des Wassers. Erst wenn auch das neue Rohr keine Entlastung bringe, stelle sich die Frage, ob an der Straße nachgebessert werden müsse.

Gaide, Kibellus und Schiller sehen bereits das nächste Problem: Die auf die Überschwemmungsfläche rauschenden Wassermengen unterspülen die hohe Mauer, die ihre Grundstücke vor einem Abrutschen zur Wiese hin sichern.

Arnold Petersen

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