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Belastete Straßennamen: Das denken Anwohner

Heiligenhafen Belastete Straßennamen: Das denken Anwohner

Die Diskussion in Heiligenhafen zu den nach Nazi-Schriftstellern benannten Straßen bleibt kontrovers. Betroffene Anlieger bewerten eine mögliche Umbenennung allerdings sehr unterschiedlich. Die Stadtvertretung tagt im September.

Die Menschen im Gustav-Frenssen-Weg sind beim Thema Straßennamensänderung in ihrer Meinung gespalten.

Quelle: Peter Mantik

Heiligenhafen. Agnes-Miegel-Straße, Gustav-Frenssen-Weg und Ina- Seidel-Straße – diese drei mit Nazi- Autoren belasteten Straßen bleiben in Heiligenhafen in der Diskussion, über eine Namensänderung wird politisch entschieden. Die LN führten eine Telefon-Umfrage mit Anwohnern durch. Fazit: Die Meinungen sind gespalten.

„Ich möchte nicht in einer Straße leben, die nach einer Nazischriftstellerin benannt ist.“ Margot Hinz, Anwohnerin

„Das Problem mit den Nazischriftstellern hätte man früher erkennen müssen. Jetzt sollte man es lassen.“ Frank Gärtner, Anwohner

„Man könnte das ändern. Ich hätte nichts dagegen. Die Politik hat sich aber lange nicht gekümmert.“ Helmut Dietrich, Anwohner

Annemarie Bertelsbeck aus dem Gustav-Frennsen-Weg sagt: „Ich lebe seit 40 Jahren hier, finde eine Namensänderung nicht in Ordnung.“ Diese drei Nazischriftsteller seien keine Verbrecher gewesen, außerdem stelle sich die Kostenfrage für die Anlieger, die mit einer Änderung einherginge. Sie befürworte jedoch, am Straßenschild eine Legende zu verankern, aus der hervorginge, für welches Gedankengut Frenssen stand. Sie persönlich distanziere sich natürlich von Nazi-Gedankengut.

Nachbarin Marita Kahlke fordert zwar keine Namensänderung, fände es aber okay. Und Helmut Dietrich meint: „Man könnte das ändern. Ich hätte nichts dagegen.“ Die Politik habe sich aber lange nicht gekümmert. Ehefrau Thea sagt: „Wir leben seit 36 Jahren mit dem Namen. Mir ist es eigentlich egal.“ Egon Frenkel findet: „Ich möchte, das alles bleibt, wie es ist. Den Namen gibt es schon so lange, man muss damit mal abschließen.“ Nicole Gillat bringt die Diskussion aus ihrer Sicht auf drei Punkte. Erstens habe die Politik bisher nicht die Anlieger befragt. Eine Namensänderung würde einen finanziellen und zeitlichen Aufwand bedeuten und drittens sagt sie: „Das ist alles lange her. Mein Gott.“ Ein Nachbar, der ungenannt bleiben möchte, befindet: „Es gibt doch ganz andere Namen als diese drei.“

Christiane Friede aus der Ina-Seidel-Straße sagt: „Die Namen können bleiben.“ Ina Seidel sei ein Kind ihrer Zeit gewesen und eine gute Schriftstellerin obendrein. „Die Diskussion ist übertrieben.“

Wichtiger sei, „wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen“. Frank Gärtner sagt zu diesem Thema: „Das Problem mit den Nazischriftstellern hätte man früher erkennen müssen.“ Jetzt solle es bleiben, wie es ist. Irmgard Göthe glaubt: „Die Leute wollen doch keine Veränderung.“ Sie selbst auch nicht.

Margot Hinz findet zwar, dass Ina Seidel eine hervorragende Schriftstellerin gewesen sei, aber durch die enge Verbindung zu den Nazis sei sie für eine Namensänderung. „Wissen Sie, ich bin 91 Jahre alt, habe das alles selbst erlebt. Ich möchte nicht in einer Straße leben, die nach einer Nazischriftstellerin benannt ist.“ Ein weiterer Nachbar, der nicht genannt werden möchte, sagt es so: „Das war doch eine Nazi-Tante. Der Name muss weg.“ Wiederum eine andere Nachbarin, die ebenfalls anonym bleibt, findet: „Ich sehe Ina Seidel als Schriftstellerin. Mir ist es egal.“ Aus der Politik halte sie sich heraus. Eine politische Entscheidung in dieser Frage steht aus. Die SPD hat jedoch für die September-Sitzung der Stadtvertretung den Antrag auf Änderung der drei belasteten Namen gestellt.

CDU und BfH dagegen wollen die betroffenen Anlieger in den Prozess einer Entscheidungsfindung einbinden, weswegen das „Bündnis gegen Rechts“ kritisierte: Die Stadtvertretung sei nach wie vor nicht gewillt, sich von der braunen Vergangenheit zu lösen.

Quo vadis, Heiligenhafen?

 Peter Mantik

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